In der antiken Welt spielten Abschiedsrituale nach dem Tod eines Menschen, Riten am Grab, Totenkult und Erinnerungspflege eine wichtige Rolle, wobei jede Kulturgruppe ihre eigenen spezifischen Vorgangsweisen und Traditionen entwickelte, die nicht selten einen wichtigen Faktor in der kulturellen Definition der jeweiligen Gruppe darstellen. Die Untersuchung der im Sepulkralbereich vertretenen bzw. im funerären Zusammenhang entwickelten Bildthemata ist daher ein zentrales Aufgabengebiet der Altertumswissenschaften. Nach Auskunft des ikonographischen Quellenmaterials scheint besonders dem Motiv des Bankettierens, d.h. des feierlichen Speisens und/oder Trinkens einer oder mehrerer Personen, in vielen Gebieten der antiken Welt eine vorrangige Bedeutung im sepulkralen Kontext zugekommen zu sein.

Das Projekt hat die umfassende und nach Landschaften gegliederte Untersuchung aller im funerären Zusammenhang stehender Bankett- und Gelageszenen im italischen, griechischen und klein- bzw. vorderasiatischen Raum im 1. Jt. v. Chr. (Schwerpunkt 8./7.-3. Jh. v. Chr.) zum Inhalt. Ausgangspunkt für die Projektidee war die Existenz auffallender Ähnlichkeiten in der ikonographischen Ausschmückung von Grabmonumenten in weit voneinander entfernten Bereichen der antiken Welt, besonders zwischen dem kleinasiatischen Raum und Etrurien. Der geographische Bogen der Untersuchung ist daher weit gefaßt und spannt sich von der italischen Halbinsel im Westen (Bearbeiterinnen P. Amann, T. Mitterlechner) über das griechische Mutterland und die Inselwelt bis nach Kleinasien. Um einen vollständigen Überblick zu gewinnen, ursprüngliche Konzeptionen des Bildthemas und mögliche Entwicklungslinien verfolgen zu können, muß aber auch der vorderasiatisch-levantinische Raum im späten 2. und 1. Jt. v. Chr. in die Untersuchungen miteingebunden werden (Bearbeiterin E. Rehm). Flankierend sind die entsprechenden Befunde in Ägypten (v. a. in der 'Saitischen Renaissance' ab der 25. Dynastie - Bearbeiter Chr. Eder) und der karthagische Einflußbereich im zentralen und westlichen Mittelmeerraum zu berücksichtigen.

Dabei ist das eigentliche Ziel des Projekts der überregionale, gesamtmittelmeerische Vergleich der nach einheitlichen, klar definierten Prämissen ausgewerteten Evidenzen - ein Vorhaben, das sicher einiges zum überregionalen Verständnis der einzelnen rund um das Mittelmeer angesiedelten Kulturen beitragen kann.

Information


Finanzierung:
FWF-Projekt P 20953-G02

Projektbeginn:
1. Februar 2009


Projektleitung:
P. Amann
(Antragstellerin, Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik der Universität Wien)
P. Ruggendorfer
(nationaler Kooperationspartner, Institut für Kulturgeschichte der Antike)


Projektbearbeiter/innen:
Chr. Eder
(Institut für Altorientalische Philologie und Vorderasiatische Altertumskunde der Universität Münster)
T. Mitterlechner
(Institut für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik der Universität Wien)
A. Nordmeyer
(Institut für Kulturgeschichte der Antike)
E. Rehm
(Institut für Altorientalische Philologie und Vorderasiatische Altertumskunde der Universität Münster)