Domitilla-Katakombe:

Stand und Fortschritt der Projektarbeit 2011


Im Jahr 2011 war uns die Katakombe nicht zugänglich, daher mußte die Aufnahme der letzten drei Cubicula nochmals verschoben werden. In der Zwischenzeit wurden die Arbeiten am Scanopy-Viewer mit großem Erfolg fortgesetzt: die Darstellung des Gesamtmodells der Katakombe, die Ansicht der Einzelmodelle der mit Malerei ausgestatteten Bereiche und die Navigation in der Gesamtpunktewolke konnte wesentlich verbessert werden. Die topographische Entwicklung, die Verteilung von Grabtypen und die damit zusammenhängende Verteilung der Malereien werden im virtuellen Modell nachvollziehbar.

Das Ziel der weiteren Forschung ist es, alle Arbeitsschritte von der Datenaufnahme bis zur Visualisierung so weit wie möglich zu Automatisieren. Ein Problem stellt immer noch die Farbangleichung und die stosskantenfreie Texturierung von Photomosaiken dar (Abb. 23).

Abb. 23
Abb. 24 Bildtext: Der Scanner bei der Arbeit im Sieben-Schläfer-Zömeterium

Das Forschungsprogramm wurde um analoge Monumente mit ähnlichen wissenschaftlichen Fragestellungen erweitert. Der Firma Riegl gebührt für die Bereitstellung ihres 3D-Laserscanner VZ 400 für weitere Feldarbeiten großer Dank.

So konnten im Juni 2011 in einer einwöchigen Kampagne das Sieben-Schläfer-Zömeterium in Ephesos vollständig aufgenommen werden. Es zeigte sich durch eine neue Bauanalyse und die erneute Bearbeitung der Ausstattung (Malereien, Mosaiken, Inschriften), dass es sich beim ursprünglichen Kernbau der Anlage um ein frühchristliches Gemeinschaftszömeterium des 3. Jhs. handelte, in das erst sekundär eine Kirche eingebaut wurde (Abb. 24) 

Eine besondere Herausforderung stellte die Dokumentation des spätantiken Kuppelbaus in Centcelles (Tarragona, Spanien) dar, der in der Forschung immer wieder als Grabbau angesprochen wurde. Auf freundliche Einladung des Museums von Tarragona konnte in einer nur dreitägigen Kampagne im September 2011, die in Zusammenarbeit mit den Universitäten Münster (Prof. Korol) und Göttingen (Prof. Arbeiter) sowie dem DAI Madrid erfolgte, das gesamte Areal mit dem Kuppelbau und seinen Mosaiken, den darunterliegenden Räumen (sog. Krypta und Subkrypta) sowie allen anlagernden Gebäuden digital aufgenommen werden (Abb. 25).

Abb. 25: der Scanner bei der Arbeit in Centcelles

Die Ausarbeitung der Textur in Photo-Qualität kann nun erstmals automatisiert erfolgen, mit sehr ansprechenden Ergebnissen. Im virtuellen Raummodell wird die Verteilung der Szenen in den dreifach gestaffelten Bilderfriesen und ihren Achsbezügen anschaulich (Youtube-Video). Zugleich werden Verformungen des Baus und bautechnische Details erstmals sichtbar (Abb. 26, 27: die Mosaikkuppel im virtuellen 3D-Modell).

Abb. 26
Abb. 27

Die Laufzeit des Domitilla-Projektes wurde Ende 2011 um zwei Jahre verlängert.