Traianus (98-117): Ex nummis historia


Bearbeiter: B. Woytek

Kaiser Traian zählt zu den bedeutendsten Herrscherpersönlichkeiten der hohen römischen Prinzipatszeit. Seine Regierung ist unter anderem durch eine aggressive Außenpolitik gekennzeichnet, die zur dauerhaften Erweiterung des römischen Reichsgebietes um die Provinzen Dacia und Arabia führte. Am Ende seiner Regentschaft zog der Kaiser in einen groß angelegten Krieg gegen das Partherreich, von dem er nicht mehr nach Rom zurückkehrte; seine temporären territorialen Erwerbungen im Osten, unter anderem die Provinzen Armenia und Mesopotamia, wurden von seinem Nachfolger Hadrian sofort nach Traians Tod aufgegeben.

Das entscheidende Problem für die historische Erforschung von Traian und seiner Zeit ist die Armut an aussagekräftigen literarischen Quellen: Wir besitzen keine antike Biographie des Kaisers und sind weitgehend auf panegyrische zeitgenössische Texte, dürre Exzerpte aus größeren historischen Werken sowie auf die Angaben spätantiker Epitomatoren angewiesen. Angesichts dieser Situation kommt dokumentarischem Material und insonderheit der numismatischen Quelle außerordentliche Bedeutung hinsichtlich der Rekonstruktion des historischen Geschehens zu. In der Untersuchung der Reichs- wie auch der Provinzialprägung Traians wurden jedoch just in den vergangenen Jahren große Fortschritte in verschiedenen Bereichen erzielt. Die vielfältigen Ergebnisse lassen die Quellengattung der Münzen in einem gänzlich neuen Licht erscheinen und bieten mannigfache Ansatzpunkte für eine Auswertung hinsichtlich der Geschichte, Ideologie und Ökonomie der traianischen Zeit.

Diese Auswertung erfolgt in dem Forschungsprojekt „Traianus: Ex nummis historia“, das vom Bearbeiter im Rahmen eines Erwin-Schrödinger-Stipendiums des FWF an der Universität Cambridge in Angriff genommen wurde (FWF Projekt J2993-G18). Ziel des Projektes ist es, durch historische Interpretation der Resultate der aktuellen numismatischen Forschung zu einem in sich abgerundeten Gesamtbild der traianischen Regierungszeit beizutragen. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Untersuchung der vor allem hinsichtlich ihrer Chronologie jüngst neu erschlossenen traianischen Reichsprägung ‒ vgl. B. Woytek, Die Reichsprägung des Traianus (98‒117). Moneta Imperii Romani 14, Wien 2010 ‒ im Vergleich mit allen verfügbaren literarischen und epigraphischen Evidenzen. Vor dem Hintergrund der Typologie der Münzprägung kann auch der plinianische Panegyricus auf Kaiser Traian einer Neuanalyse zugeführt werden. In einer Gesamtdarstellung der staatlichen Ökonomie Roms in der traianischen Periode werden die Ergebnisse metrologischer und metallurgischer Untersuchungen zur Reichsprägung Berücksichtigung finden. Weitere Aspekte der Arbeit betreffen die Medaillonprägung unter Traian, das Kaiserbildnis auf Münzen sowie das Phänomen der numismatischen Rezeption der traianischen Periode in der Antike.