11.10.2019

ZUR VIELSPRACHIGKEIT IM WERK VON PETER HANDKE

Peter Handke erhält den Literaturnobelpreis 2019. Das teilte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm mit. Über die Rolle der Fremdsprachen in Handkes Werk forscht ÖAW-Literaturwissenschaftlerin Vanessa Hannesschläger.

© Unsplash/Patrick Tomasso

Nur 15 Jahre sind nach dem Nobelpreis für Elfriede Jelinek vergangen. Erneut geht die wichtigste Auszeichnung für Literatur an einen österreichischen Schriftsteller. Peter Handke erhält den Preis „für ein einflussreiches Werk, das mit sprachlicher Genialität die Peripherie und die Spezifizität der menschlichen Erfahrung untersucht“, so die Begründung der Schwedischen Akademie.

Vanessa Hannesschläger ist Literaturwissenschaftlerin am Austrian Centre for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und forscht dort zum Werk des frischgebackenen Literaturnobelpreisträgers. Für sie ist Handkes Literatur „konsequent der Wahrheit verpflichtet und repräsentiert gleichzeitig einen radikal subjektiven Blick“. Und: „Nicht immer ist dieser Blick und die einzigartige Literatur, die dank ihm entstanden ist, gewürdigt worden. Handke hat sich dennoch nicht von seinem Weg zur Gültigkeit abbringen lassen“, so Hannesschläger.

In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit der Vielsprachigkeit in Handkes Literatur. Dazu hat sie die Rolle der Fremdsprachen in seinen Arbeiten für die Bühne untersucht. Hannesschläger: „Bei einem Schriftsteller, der beinahe zehn Sprachen aktiv beherrscht, ist die Rolle der Sprachen natürlich eine besondere. Diese Polyphonie ist auch einer der Aspekte, die Peter Handkes Werk zu Weltliteratur im besten Sinn macht.“ Als Beispiel nennt sie auch seine Aufmerksamkeit für die herausragende kärntnerslowenische Literatur.

Darüber hinaus ist die Frage der Werkgenese, eine weitere in ihrer Forschung. Handke würde nicht nur sehr konsequent seine Werkmaterialien aufbewahren und so die Entstehung seiner Texte nachvollziehbar machen, sondern auch „den Entstehungsprozess in den Werken selbst immer wieder reflektieren und zum literarischen Motor des Schreibens machen“, sagt die Forscherin.

 

AUF EINEN BLICK

Vanessa Hannesschläger studierte Literaturwissenschaft an der Universität Wien. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Austrian Centre for Digital Humanities der ÖAW. Beim Projekt „Handke Online“ forschte sie bereits zu dem Schriftsteller, aktuell ist sie in das Projekt „Handke: in Zungen“ eingebunden.