15.03.2016

Unendliche Weiten

Eine aktuelle Doku des ORF zeigt die österreichischen Beiträge zur internationalen Erforschung des Alls. In einer der Hauptrollen: Das Institut für Weltraumforschung der ÖAW in Graz.

Bild: Wikimedia/CC

Rund 100 Wissenschaftler/innen sind es, die allein am Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Graz an zahlreichen Projekten für internationale Weltraummissionen mitarbeiten. Dazu kommen zahlreiche Studierende und Forscher/innen mehrerer Grazer Universitäten, außeruniversitärer Forschungseinrichtungen und Entwicklungsabteilungen spezialisierter Firmen. Zu Recht wird die steirische Metropole Graz deshalb als „Weltraumhauptstadt Österreichs“ bezeichnet. Ein Porträt dieser außergewöhnlichen Hauptstadt gibt es nun am Sonntag, 20. März 2016, um 18:25 Uhr in ORF 2 zu sehen.

Von Tschuri bis ExoMars

Regisseur Günter Schilhan hat sich für seine TV-Dokumentation österreichischer Aktivitäten im All auf die Pfade der Weltraumforschung begeben. Er porträtiert die einschlägigen Grazer Forschungsinstitutionen und Entwicklungsabteilungen und beleuchtet ihre Geschichte.

Eine der Triebfedern der wachsenden Bedeutung von Graz auf dem Gebiet der Weltraumforschung ist das IWF der ÖAW. Es befasst sich seit über 40 Jahren mit der Physik und der Erforschung des Sonnensystems auf der Grundlage von Messungen „vor Ort“. Bei den Dreharbeiten für den Film wurde deutlich, dass „vor Ort“ vieles bedeuten kann: beispielsweise vor der Haustür der Erde, wo schwere Sonnenstürme untersucht werden. „Vor Ort“ kann aber auch die Umlaufbahn der Venus sein, die Gesteinswüsten des Mars oder die gewittrige Atmosphäre des Saturns. Im November 2014 bedeutete „vor Ort“ beispielsweise die Oberfläche des Kometen Tschurjumow-Gerassimenko, kurz „Tschuri“, von dem aus ein Grazer Messgerät nach 14-jähriger Reisezeit Daten zur Erde zu senden begann.

Weltraumforschungsprojekte sind allerdings niemals Alleingänge. Internationale Forschungskooperationen erkunden und sichern die theoretischen Grundlagen. Und die Zusammenarbeit mit Firmen und der intensive technologische Austausch mit der Praxis machen es schließlich möglich, weltraumtaugliche Geräte tatsächlich zu bauen. Diese können dann als Komponenten einer Weltraummission der ESA, wie bei der derzeitigen ExoMars-Mission in Kooperation mit der russischen Roskosmos, oder der NASA dienen. Die Beiträge des IWF für die Scientific Community betreffen – über die Grundlagenforschung hinausgehend – insbesondere den Bau von Magnetometern und Bordcomputern sowie Expertise zur Laserdistanzmessung zu Satelliten.

Welchen Zeitaufwand es bedeutet, einen „interplanetaren Ausflug“ zu unternehmen, hat sich der Film „Weltraumhauptstadt Graz“ ebenfalls angesehen. Werden doch Missionen wie jene zum Kometen „Tschuri“ nicht selten 20 Jahre lang genauestens vorgeplant. Und dann dauert es noch einmal ein Jahrzehnt Reisezeit und weitere Jahre für das Datensammeln und -auswerten. Die Zeithorizonte der Weltraumforschung sind lang.

Österreicher berät auch Hollywood

Graz trägt den Titel „Weltraumhauptstadt“ übrigens auch deshalb, weil es den einzigen Hochschulstandort Österreichs beherbergt, an dem man ein Master-Studium in Weltraumwissenschaften absolvieren kann. Die Technische Universität, die Karl-Franzens-Universität und die Medizinische Universität leisten hierfür Beiträge.

Sie sind aber nicht nur Lehrstätten, sondern auch praxisorientierte Einrichtungen der Weltraumforschung: Hier werden Satelliten entwickelt und gebaut, es wird ein Sonnenobservatorium betrieben und nach Leben auf dem Mars geforscht. Ein weiterer Pfeiler der „Weltraumhauptstadt“ sind die außeruniversitäre Forschungseinrichtung Joanneum Research, wo als Bindeglied zwischen Forschung und Industrie eine Software für Panoramabilder vom Mars entwickelt wird.

In Graz ausgebildete Wissenschaftler/innen sind international in führenden Positionen der Weltraumforschung tätig. So ist Wolfgang Veith seit 2010 für die Qualitätskontrolle und Sicherheit bei ESA-Missionen zuständig. Stephan Ulamec wiederum war im Zuge der „Rosetta-Mission“ am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt für die historische Landung einer Sonde auf dem Kometen „Tschuri“ verantwortlich. Und Rudolf Schmidt trägt den Titel des „Inspector General“ bei der europäischen Raumfahrtbehörde ESA. Er ist sozusagen der höchste Weltraumbeamte Europas und berät sogar Hollywood bei filmischen Weltraumabenteuern wie „Der Marsianer“. Seinen ersten Job hatte der Steirer übrigens am IWF der ÖAW, wo er von 1978 bis 1982 tätig war.


 

„Weltraumhauptstadt Graz“
ORF 2 – Österreich-Bild
Sonntag, 20. März 2016, 18.25 Uhr

Gestaltung: Günter Schilhan
Kamera: Erhard Seidl
ÖAW-Institut für Weltraumforschung

 


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