27.05.2020

Trauer um Oleh Hornykiewicz

Der renommierte Neurowissenschaftler und Parkinson-Forscher verstarb im Alter von 93 Jahren. Die ÖAW trauert um ihr hoch geschätztes Mitglied.

Oleh Hornykiewicz bei einem Festsymposium an der ÖAW zu seinem 90. Geburtstag im Jahr 2016. © ÖAW

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) betrauert einen großen Verlust: Das wirkliche Mitglied Oleh Hornykiewicz ist im Alter von 93 Jahren kürzlich in Wien verstorben. Der Neurowissenschaftler, der maßgebliche Beiträge zur Erforschung der Parkinson-Krankheit geleistet hat, zählte sowohl fachlich als auch menschlich zu den herausragendsten Wissenschaftler/innen Österreichs.

Geboren 1926 in der heutigen Ukraine, flüchtete Hornykiewicz als 13-Jähriger nach Wien, wo er nach Ende des Zweiten Weltkrieges das Studium der Humanmedizin begann. Seine wissenschaftliche Laufbahn begründete Hornykiewicz nach Abschluss seines Studiums am Institut für Pharmakologie der Universität Wien. Während eines Aufenthalts an der University of Oxford legte er den Grundstein für spätere neurobiologische Untersuchungen von Dopamin, die er nach seiner Rückkehr an die Universität Wien intensivierte. Dabei gelang ihm die 1961 publizierte Erkenntnis, dass dem Dopaminmangel im Gehirn eine zentrale Bedeutung bei der Parkinson’schen Erkrankung zukommt. Dies ermöglichte völlig neuartige und bis in die Gegenwart wertvolle Ansätze zur Behandlung dieser schweren Erkrankung.

Nach seiner Habilitation erfolgte Hornykiewiczs Berufung zum Professor für Pharmakologie am Clarke Institute der University of Toronto. Nach knapp 10 Jahren folgte er 1976 dem Ruf zurück an die Universität Wien, wo er die Leitung des neu gegründeten Instituts für Biochemische Pharmakologie übernahm. Hier vertiefte er nicht nur seine neurobiologischen Forschungen, sondern war darüber hinaus wesentlich an der Planung des Zentrums für Hirnforschung beteiligt. Auch nach seiner Emeritierung an der Universität Wien im Jahr 1995 blieb er Wissenschaft und Forschung treu. So zeichnete er beispielsweise für über 50 weitere wissenschaftliche Publikationen verantwortlich.

Nominierungen zum Nobelpreis

Für seine Erkenntnisse zum Dopamin, aber auch für zahlreiche weitere herausragende Forschungsleistungen, etwa zur Pathophysiologie der Epilepsie, wurde Hornykiewicz mit einer Reihe hochkarätiger Auszeichnungen geehrt. So wurde er unter anderem in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt, erhielt 1979 den Wolf-Preis in Medizin, 1993 den Ludwig-Wittgenstein-Preis der Österreichischen Forschungsgemeinschaft sowie 2008 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Mehrfach wurde er darüber hinaus für den Nobelpreis für Medizin nominiert.

Der ÖAW, deren Mitglied er seit 1977 war, blieb Hornykiewicz bis ins hohe Alter eng verbunden. Mit seinem Tod verliert nicht nur die ÖAW, sondern die Wissenschaft in Österreich insgesamt ein einzigartiges Vorbild, einen herausragenden Denker und einen auch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten und geschätzten Kollegen.


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