07.06.2019

PRÄHISTORISCHE TEIGRINGE AUS DEM MARCHFELD GEBEN RÄTSEL AUF

Archäolog/innen der ÖAW stießen bei der Auswertung von Funden aus Stillfried an der March auf 3.000 Jahre alte, ringförmige Teigprodukte. Die Analyse zeigt: Sie dienten vermutlich nicht der Ernährung, sondern könnten rituelle Zwecke erfüllt haben. Das berichten die Forscher/innen nun in PLOS One.

Sie erinnern ein wenig an Frühstücks-Cerealien – die runden, kleinen Teigringe, die Archäolog/innen in Stillfried an der March, rund 50 Kilometer von Wien an der österreichisch-slowakischen Grenze, bereits Anfang der 1980er Jahre entdeckt hatten. Nun konnten die bemerkenswert geformten Fundstücke von Forscher/innen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erstmals umfassend analysiert werden. Die Teigringe stammen aus einer Siedlung aus der späten Bronzezeit, die etwa um das Jahr 1.000 v.Chr. als Umschlagplatz und Lager von Getreide gedient hat, schließlich war die Region schon damals sehr fruchtbar. 

Archäobotaniker Andreas G. Heiss vom Österreichischen Archäologischen Institut der ÖAW, der sich im Rahmen eines vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council – ERC) geförderten Projekts mit der Entschlüsselung der Informationen aus prähistorischen Speiseresten beschäftigt, geht von einer rituellen Verwendung dieser aufwändig produzierten und durch Verkohlen im Feuer konservierten Teigringe aus. Das berichten er und seine Kolleg/innen, darunter auch Forscher/innen vom Institut für Orientalische und Europäische Archäologie der ÖAW, nun im Fachjournal PLOS One.

Aufwändig hergestellt aus Mehl und Weizen

Stillfried ist eine bedeutsame archäologische Fundstätte und blickt auf eine 30.000-jährige Besiedlungsgeschichte zurück, seit mehr als 130 Jahren werden dort Ausgrabungen durchgeführt. Die bisher gemachten Funde reichen von altsteinzeitlichen Steingeräten und Schmuck bis hin zu Keramik aus dem späten Mittelalter.

Die nun von den ÖAW-Forscher/innen untersuchten, ringförmigen Teigstücke haben etwa drei Zentimeter Durchmesser und sind in erstaunlich gutem Zustand. Optisch ähneln sie deutlich Webgewichten, die in Stillfried in einer Getreidesilogrube, gefunden worden sind. Webgewichte dienen dem Spannen von Kettfäden in Webstühlen und bestehen zumeist aus grob gebranntem Ton.

Laboranalysen zufolge wurden die Teig-Loops aus feinem Mehl aus Weizen und Gerste hergestellt – vermutlich waren sie nur getrocknet worden, bevor sie einem Brand zum Opfer fielen. „Der Herstellungsprozess war wesentlich aufwändiger als bei anderen Teigprodukten aus Stillfried. Diese Sorgfalt lässt zumindest auf eine besondere Bedeutung dieser Teigringe schließen“, sagt Heiss.

Dafür würde für den Bioarchäologen auch der Fundzusammenhang mit den tönernen Webgewichten und weiteren ungewöhnlichen Objekten sprechen. Doch welche konkrete Bedeutung sie auch gehabt haben mögen, für Heiss ist klar: „In jedem Fall sind diese Teigringe ein schönes und greifbares Zeugnis der Vielfalt prähistorischer Backkunst, wie man es nur sehr selten findet.“