10.02.2016

NEURO-ENHANCER: GEISTIGE LEISTUNGSSTEIGERUNG ODER BEDENKLICHES GEHIRNDOPING?

Substanzen und Techniken, die versprechen, die Gehirnleistung zu steigern, werden bisher kaum öffentlich diskutiert. Das EU-Projekt NERRI, an dem auch das Institut für Technikfolgen-Abschätzung der ÖAW beteiligt ist, möchte das ändern. Es hat daher Bürger/innen und Fachleute zu sogenannten „Neuro-Enhancern“ zu Wort kommen lassen. Am 16. Februar werden die Ergebnisse präsentiert.

Geistig wendig, leistungsfähig und belastbar. Neuro-Enhancer versprechen, das menschliche Gehirn auf Hochtouren zu bringen. Das Anlegen von elektrischer Spannung oder von Magnetfeldern sowie die Einnahme psychoaktiver Stoffe wie Ritalin soll eine merkliche Leistungssteigerung ermöglichen. Doch wie stehen Bürgerinnen und Bürger, aber auch Stakeholder und Fachleute diesen Techniken und Substanzen gegenüber? Halten sie die Anwendung von Neuro-Enhancern für legitim oder für bedenkliches Gehirndoping?

Einstellungen zu Neuro-Enhancern

Das EU-Forschungsprojekt NERRI (Neuro-Enhancement: Responsible Research and Innovation) hat sich mit den gesellschaftlichen Einstellungen zu Mitteln und Methoden geistiger Leistungssteigerung in den Jahren 2013 bis 2016 eingehend befasst. In Österreich war das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gemeinsam mit der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) beteiligt. Ziel war es, in Diskussionsforen eine Debatte zu den Möglichkeiten und Grenzen geistiger Leistungssteigerung anzuregen und so die gesellschaftlichen Positionen zu Neuro-Enhancement kennenzulernen.

Dafür wurde das Thema in Kooperation mit Partnerorganisationen aus elf EU-Ländern, wie der London School of Economics oder der Radboud Universität Nijmegen, in über 60 Veranstaltungen diskutiert. Die allgemeine Öffentlichkeit, Betroffene, Politiker/innen sowie Expert/innen aus den Bereichen Neurologie und Neurophysiologie, den Sozialwissenschaften und der Wissenschaftskommunikation nahmen daran teil. In Österreich fanden Workshops mit Schüler/innen und Lehrer/innen, Ärzt/innen und Wissenschaftler/innen, aber auch mit Betroffenen von Burn-Out statt. Zudem wurde eine europaweite webbasierte Umfrage durchgeführt.

Podiumsdiskussion: Kluge Grenzen oder grenzenlos klug?

Unter dem Titel „Kluge Grenzen oder grenzenlos klug? Wie sinnvoll ist geistige Leistungssteigerung?“ werden die Ergebnisse des Projekts nun erstmals präsentiert und im Rahmen eines öffentlichen Podiumsgesprächs diskutiert.

Termin

Dienstag, 16. Februar 2016, 18:00 Uhr

Museum für Volkskunde, Laudongasse 15-19, 1080 Wien

Mit den Studienleitern Helge Torgersen (ITA) und Nicole Kronberger (JKU) diskutieren:

  • Jürgen Hampel, Institut für Sozialwissenschaften, Universität Stuttgart
  • Petra Schaper-Rinkel, Innovation Systems Department, Austrian Institute of Technology
  • Ilina Singh, Professorin für Neurowissenschaften und Gesellschaft, Oxford University
  • Harald Sitte, Professor für Physiologie und Pharmakologie, Medizinische Universität Wien

Moderation: Rainer Rosenberg (ORF)

Anmeldung an denise.riedlinger(at)oeaw.ac.at


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