28.07.2020

Luzius Wildhaber verstorben

Die ÖAW trauert um ihr Ehrenmitglied Luzius Wildhaber. Der ehemalige Präsident des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ist im 83. Lebensjahr verstorben.

ÖAW-Ehrenmitglied Luzius Wildhaber war von 1998 bis 2007 Präsident des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. © Council of Europe

„Seine gehaltvollen Vorlesungen und Seminare sowie seine fundierten Stellungnahmen und Voten zeugten nicht nur von seinem beeindruckenden juristischen Sachverstand, sondern auch von seiner stets vorgelebten humanistischen und liberalen Grundhaltung.“ Diese Worte finden sich in der Traueranzeige der Universität Basel, an der Luzius Wildhaber als Professor lehrte und der er zwei Jahre lang als Rektor vorstand. Wildhaber ist am 21. Juli 2020 im Alter von 83. Jahren verstorben.

Menschenrechte und Weisenbericht

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) kann sich diesen Worten nur wärmstens anschließen. Sie wählte Wildhaber im Jahr 2017 aufgrund seiner großen Leistungen für Wissenschaft und Gesellschaft zu einem ihrer Ehrenmitglieder. Der gebürtige Schweizer erwarb als Präsident des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte hohes Ansehen.

Seine besonderen Verdienste für Österreich liegen auch darin, dass er wesentlich zur Aufhebung der von der EU verhängten Maßnahmen gegenüber Österreich im Jahr 2000 beigetragen hat. Wildhaber war damals von der Union mit der Auswahl eines dreiköpfigen Rats der Weisen beauftragt worden, der die Menschenrechtssituation in Österreich beurteilen sollte. Der Weisenbericht trug maßgeblich zur Entschärfung der Krise bei.   

Professor und Richter

Wildhaber wurde 1937 in Basel geboren. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Basel sowie in Paris, Heidelberg, London und Yale. Er promovierte 1961 und habilitierte sich 1969. Dazwischen lagen noch ein LL.M. an der Yale Law School 1965 und 1968 der Doctor of Juridical Science.

Seine berufliche Laufbahn begann mit einer Professur an der Université de Fribourg im Jahr 1971. Von 1977 bis 1998 war Wildhaber Professor für Völker-, Staats- und Verwaltungsrecht und vergleichendes Staatsrecht an der Universität Basel. Seiner Alma Mater stand er von 1992 bis 1994 auch als Rektor vor.

Wildhabers Karriere als Richter nahm ihren Ausgang am Staatsgerichtshof von Liechtenstein, dem Verfassungsgerichtshof des Landes. Nach einer Position als Richter bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank wurde er 1991 an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte berufen. Als Präsident wirkte er dort von 1998 bis zum Jahr 2007.

Internationale Ehrungen und ÖAW-Mitglied

Für seine Verdienste wurde Wildhaber mit zahlreichen internationalen Auszeichnungen geehrt. So wurde ihm etwa der Stern von Rumänien verliehen oder der Orden von Oranien-Nassau. Im Jahr 2006 erhielt er auch das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich. Er war Mitglied der Academia Europaea und wurde 2017 als Ehrenmitglied der philosophisch-historischen Klasse in die ÖAW aufgenommen.

Die Akademie hat mit großer Traurigkeit vom Tod ihres geschätzten Mitglieds erfahren. Er ist ein liebenswürdiger und humorvoller Mensch gewesen, heißt es im Trauerschreiben der Universität Basel. Auch diese Charakterisierung kann die ÖAW ganz klar bekräftigen. Sie wird Luzius Wildhaber ein ehrendes Andenken bewahren.


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