20.11.2018

Frauen nach vorn

Exzellenten Forscherinnen eine Plattform geben – darum ging es beim bereits zweiten „ÖAW-Frauen-Vernetzungs-Frühstück". Special Guest war diesmal die ehemalige Frauenministerin Maria Rauch-Kallat.

Keine Frage: Bis zur Gleichstellung der Geschlechter ist in der Wissenschaft immer noch ein langer Weg zurückzulegen. Rund 24 Prozent beträgt der Frauenanteil bei den Professuren an österreichischen Universitäten. Und auch an der Akademie ist der Anteil an Frauen unter den Mitgliedern in den letzten Jahren zwar beständig gestiegen, liegt aber dennoch bei den Mitgliedern unter 65 Jahren ungefähr auf dem Niveau der aktiven Professor/innen. Es bleibt also noch viel zu tun.

Aber: es bewegt sich auch etwas. So wurden 2018 insgesamt 16 Forscherinnen aus unterschiedlichsten Disziplinen aufgrund ihrer herausragenden wissenschaftlichen Leistungen und ihres fachlichen Ansehens in die ÖAW aufgenommen, gegenüber 13 Forschern. Auch in den 28 ÖAW-Instituten sind bereits 15 Leitungspositionen – als Direktorinnen oder stellvertretende Direktorinnen – weiblich besetzt. Bei der Nachwuchsförderung haben Frauen schon länger die Nase vorn. Mehr als die Hälfte der Personen, die in ÖAW-Stipendienprogrammen bisher gefördert wurden sind weiblich. Und seit inzwischen elf Jahren gibt es mit „For Women in Science“ ein eigenes Stipendienprogramm für Forscherinnen.

Vernetzung für die Karriere

Beim bereits zweiten „ÖAW-Frauen-Vernetzungsfrühstück“ am 15. November 2018 stand daher die Frage im Zentrum, was über das bislang Erreichte hinaus getan werden kann, um Frauen in der Wissenschaft weiter nach vorne zu bringen. Maria Rauch-Kallat, ehemalige Frauenministerin und Gastrednerin, machte den zahlreich versammelten weiblichen ÖAW-Führungskräften Mut: Traut euch! „Glauben Sie, dass ich das kann?“ Diese Frage habe sie in ihrer politischen Laufbahn und Karriere als Unternehmerin oft von Frauen gehört wenn es um eine verantwortungsvolle Position gegangen sei, sagte Rauch-Kallat. Die Antwort sei jedes Mal die gleiche gewesen: Ja, natürlich kann frau das! Ebenso gelte, sich gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz zu wehren: „Machen Sie den Mund auf“, legte sie allen Frauen ans Herz.

Ganz gleich, ob es um Unterstützung oder um das Auftreten gegen Diskriminierung gehe. Am wichtigsten sei es, als Frauen aktiv zusammenzuhalten und sich untereinander gut zu vernetzen. „Es gibt die Solidarität unter Frauen“, so Rauch-Kallat. Und diese Solidarität zu stärken ist auch das Ziel des Frauen-Vernetzungsfrühstücks an der ÖAW.

Austausch über Fächergrenzen hinweg

Für einen spielerischen Zugang zu einer besseren Vernetzung von Frauen sorgte bei der Veranstaltung im festlichen Johannessaal der ÖAW dann ein „Magic Hat“-Wettbewerb. Per Zufallsziehung wurden Zweier-Teams aus unterschiedlichen Bereichen und Fächern gebildet, die sich über die Veranstaltung hinaus zum Austausch treffen können. Die spannendsten Vernetzungsgeschichten und besten Selfies der Tandems werden dann online veröffentlicht – und sollen damit auch Vorbildwirkung haben für Frauen, die am Anfang ihrer Karriere in der Wissenschaft stehen.