24.02.2020

Der Mars bebt

Erste Ergebnisse der NASA-Mission "Insight" zum Inneren des roten Planeten wurden in Nature-Journalen veröffentlicht. An der Datenauswertung sind auch Weltraumforscher der ÖAW beteiligt. Der Mars sei seismisch aktiver als erwartet, sagen die Wissenschaftler/innen.

© NASA/JPL-Caltech

Erste Ergebnisse der im November 2018 auf dem Mars gelandeten NASA-Sonde "Insight" zeigen, dass der rote Planet seismisch aktiv ist. Rund 450 Marsbeben wurden bisher beobachtet, die Hinweise auf das Innere des Planeten liefern. Mittlerweile wurden 174 der Beben ausgewertet, wie ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung des Grazer Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in mehreren Artikeln in den "Nature"-Journalen "Geoscience" und "Communications" berichtet.

174 Marsbeben ausgewertet

Die untersuchten Beben haben sich in den ersten zehn Monaten der Mission ereignet und zeigen, "dass Mars ein seismisch aktiver Planet ist, der tektonische Vorkommen vor allem in der Region Cerberus Fossae zeigt“, erklärt ÖAW-Weltraumforscher und Ko-Autor Günter Kargl gegenüber der APA und ergänzt: „Das passt auch gut mit optischen Beobachtungen über Verwerfungen in dieser Region zusammen. In Summe ist Mars aktiver als viele erwartet haben, aber die Daten stimmen ganz gut überein mit Vorhersagen von Modellen, die während der Planung der Mission gemacht wurden."

Von den bisher ausgewerteten Marsbeben hatten 24 Magnituden zwischen 3 und 4, deren Wellen sich durch den Marsmantel ausbreiteten. Die anderen Ereignisse hatten vergleichsweise kleinere Magnituden. Marsbeben dauern mit zehn bis zwanzig Minuten relativ lange, da ihre Wellen aufgrund von Eigenheiten der Marskruste stark streuen, heißt es seitens der ebenfalls an der Mission beteiligten ETH Zürich. Die Wissenschaftler/innen vermuten, dass die seismische Aktivität auf dem Mars nicht nur eine Folge der Abkühlung und damit des Schrumpfens des Planeten ist, sondern auch durch tektonische Spannungen verursacht wird. Die gesamte auf dem Mars freigesetzte seismische Energie liegt zwischen derjenigen der Erde und der des Mondes.

Besseres Verständnis des Planeten

Das Seismometer "SEIS" der Mission erfasst auch das Hämmern der Mess-Sonde HP3. Die Grazer ÖAW-Wissenschaftler sind an der Auswertung der Daten dieses Geräts beteiligt. Sie analysieren aus den Messergebnissen die bodenmechanischen Eigenschaften. Demnach hat der Marslander "Insight" auf einer dünnen, sandigen Schicht von wenigen Metern Tiefe aufgesetzt, die in der Mitte eines zwanzig Meter großen alten Einschlagkraters liegt. Durch das Zusammenspiel der bisherigen HP3-Hammerdaten, des Seismometers und der seismologischen Auswertungen konnte bereits ein sehr komplexes Bild der unmittelbaren Umgebung von "Insight" gewonnen werden. "Die Daten, die produziert werden, sind vielleicht nicht ganz so sexy, wie die immer neuen Rover-Bilder, aber es ist Hard-Core-Grundlagenforschung, die uns hilft den Planeten und Planeten im Allgemeinen besser zu verstehen", so Günter Kargl.

 

AUF EINEN BLICK

Eine Zusammenfassung der ersten Ergebnisse der "InSight"-Mission unter:
dx.doi.org/10.1038/s41561-020-0544-y