01.12.2015

Birgit Kellner leitet Kultur- und Geistesgeschichte Asiens

Die Tibetologin und Buddhismusforscherin ist neue Direktorin des Instituts für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens der ÖAW. Eines ihrer Ziele ist: in der Gesellschaft die Offenheit gegenüber den Kulturen Asiens zu fördern.

Das Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens (IKGA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat eine neue Direktorin: Die Tibetologin und Buddhismusforscherin Birgit Kellner, die zuletzt in Heidelberg wirkte, steht am IKGA seit 1. Dezember 2015 25 Mitarbeiter/inne/n und den hier betriebenen Forschungen vor.

Kellner, korrespondierendes Mitglied der ÖAW, ist eine international ausgewiesene Expertin des Faches. Sie promovierte nach ihrem Magisterstudium der Tibetologie und Buddhismuskunde an der Universität Wien an der Universität Hiroshima im Fach indische Philosophie. In mehreren Projekten forschte sie an der Universität Wien zu verschiedenen Aspekten buddhistischer Bewusstseinstheorien und zu philosophischen Debatten im spätmittelalterlichen Indien. Als Fellow der Alexander-von-Humboldt-Stiftung ging sie an die Universität Hamburg, eine Gastprofessur führte sie an die University of California in Berkeley. 2010 trat sie eine Professur für Buddhismusstudien an der Universität Heidelberg an. Hier konnte sie ihr Forschungsspektrum am Exzellenzcluster “Asien und Europa im globalen Kontext – die Dynamik der Transkulturalität” auf kulturelle Austauschprozesse zwischen Südasien und Tibet in Geschichte und Gegenwart erweitern und zugleich vielfältige Erfahrungen im Bereich der digitalen Geisteswissenschaften sammeln.

Austausch und Vernetzung

Als Direktorin des IKGA will sie neue Akzente in der Forschung setzen, die das Institut in den Bereichen Indologie, Tibetologie, Sinologie, Japanologie, Buddhismuskunde, Religionswissenschaft und Philosophie mit Schwerpunkten auf der Philosophie- und Religionsgeschichte Indiens und Tibets sowie der Religionsgeschichte Japans betreibt. So möchte Kellner am Institut beispielsweise die Forschung zur tibetischen Scholastik fördern und die kritische Reflexion von Begriffen, Theorien und Methoden unterstützen. Große Aufmerksamkeit wird Kellner ferner der Intensivierung der Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern schenken. So soll etwa die seit 2004 mit dem China Tibetology Research Center laufende Kooperation zur Erschließung buddhistischer Sanskrithandschriften aus Tibet gestärkt und auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit benachbarten ÖAW-Instituten und Wissenschaftseinrichtungen, wie dies etwa im FWF-Sonderforschungsbereich VISCOM: Visions of Community bereits der Fall ist, gepflegt werden. Die weitere Verdichtung der internationalen Vernetzung des IKGA soll darüber hinaus mit einem neuen Visiting-Fellow-Programm gelingen.

Offenheit fördern

Eine klare Vorstellung hat Kellner auch von der gesellschaftlichen Rolle des Instituts. Da die hier betriebenen Forschungen nicht nur als Grundlage für weiterführende internationale Forschungen fungieren, sondern zugleich einen Beitrag zum Verständnis des Denken und Handelns asiatischer Gesellschaften – von der Vormoderne bis in die Gegenwart – liefern, sieht es die neue Direktorin als eine zentrale Aufgabe, „Offenheit und Aufgeschlossenheit gegenüber Kulturen und Gesellschaften Asiens zu fördern”.