24.10.2018

Amsterdam in Wien

Am 11. Oktober war die Königlich-Niederländische Akademie der Wissenschaften zu Gast an der ÖAW. Es ging um die Frage, was Akademien zu aktuellen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen voneinander lernen können.

Welche ethischen Fragen ergeben sich für Forschung in autoritären Ländern? Wie sollen sich Wissenschaftsakademien im Verhältnis zu Universitäten, Industrie und Gesellschaft positionieren? Und wie kann man die Forschung und ihre Ergebnisse noch stärker von den Hauptstädten ins gesamte Land tragen? Fragen wie diese beschäftigen nicht nur die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), sondern auch andere Akademien in Europa. Denn trotz regionaler Unterschiede sind sie alle oftmals mit ähnlichen Aufgabenstellungen und Herausforderungen konfrontiert. Für die ÖAW also Grund genug, erstmals einen Joint Academy Day ins Leben zu rufen, der Vertreter/innen einer anderen Akademie in Wien mit Mitgliedern und Wissenschaftler/innen der ÖAW zusammenbringt.

Zum Auftakt am 11. Oktober 2018 war die 1808 gegründete Königlich-Niederländische Akademie der Wissenschaften (Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen, KNAW) zu Gast an der ÖAW. Nach der Begrüßung durch ÖAW-Präsident Anton Zeilinger und Oliver Jens Schmitt, Präsident der philosophisch-historischen Klasse der ÖAW, diskutierten die rund 80 Teilnehmer/innen einen Tag lang und in insgesamt 6 Panels aktuelle Fragen, die sich für Wissenschaftsakademien gegenwärtig stellen.

Wissenstransfer

Zur Sprache kam dabei auch das Thema „Research Impact (Academy – University – Industry – Society)“. Dabei ging es nicht nur um die Frage, wie sich der Wissenstransfer von der Grundlagenforschung zur industriellen Anwendung optimieren lässt, sondern auch darum, wie durch einen verbesserten Wissenstransfer von der Forschung zur Gesellschaft einer immer noch verbreiteten Wissenschaftsskepsis entgegengewirkt werden kann. Gerade Akademien komme hier eine zentrale Rolle zu, waren sich die Vertreter/innen von ÖAW und KNAW einig. Durch die breite und vielfältige Expertise ihrer Mitglieder und Mitarbeiter/innen, seien sie in besonderem Maße in der Lage, sowohl den gesellschaftlichen Wert der Grundlagenforschung zu vermitteln als auch faktenbasiertes Wissen in öffentliche Diskurse einzubringen.

Eine intensivere Zusammenarbeit und ein regelmäßiger Austausch von Wissenschaftsakademien über Ländergrenzen hinweg, wie beim Joint Academy Day, sind dafür essentiell. Die niederländischen und österreichischen Teilnehmer/innen jedenfalls zeigten sich vom Zukunftspotential dieser Initiative überzeugt. Der nächste Joint Academy Day ist daher bereits in Planung und wird im Herbst 2019 an der Akademie in Wien stattfinden.