10.10.2013

200 Jahre aromunische Grammatik

Internationales Symposium anlässlich des Erscheinens der ersten aromunischen Grammatik vor 200 Jahren, verfasst von Michaël Bojadschi in Wien 1813

Unter den vier heute lebendigen Varianten des Balkanromanischen – Rumänisch, Aromunisch, Meglenorumänisch, Istrorumänisch – hat lediglich das Rumänische eine Nationalsprache ausbilden können. Das Aromunische wird trotz seiner auf das frühe 18. Jahrhundert zurückgehenden schriftlichen Tradition von den meisten Aromunen heute nicht geschrieben. Nach der UNESCO (1999) ist das Aromunische als gefährdet eingestuft, auch wenn die wachsenden sprachpflegerischen Aktivitäten der bis zu einer halben Million potentieller Sprecher ausmachenden Gruppe Anlass zur Annahme geben, dass sich ihre Sprache an einzelnen Orten erhalten ließe. Außer in der Republik Makedonien ist das Aromunische nirgendwo eine staatlich anerkannte Minderheitensprache.

Vor genau 200 Jahren erschien in Wien die weltweit erste aromunische Grammatik, verfasst von Michaël Bojadschi. Bojadschi war Griechischlehrer an der griechischen National-Schule in Wien und verfasste auch eine griechische Grammatik und eine serbische Fibel. Sein Buch erfuhr 1863, 1915 und 1988 Neuauflagen bzw. Abdrucke. Die Grammatik des Bojadschi ist zweisprachig (Deutsch und Griechisch) gehalten, da es sich sowohl an Aromunen auf dem Balkan als auch die nach Österreich-Ungarn ausgewanderten Aromunen richtete. Es handelt sich um ist ein äußerst wichtiges Dokument, da es die erste aromunische Grammatik mit wissenschaftlichem Anspruch sowie die erste aromunische Textsammlung mit nicht-religiösem Inhalt darstellt. Der Darstellung aromunischer Grammatik folgen Beispieltexte und Dialoge aus der Alltagssprache. Schließlich beginnen seine romanisch-griechisch-deutschen Gespräche. Die Textbeispiele und Dialoge sind in Aromunisch mit lateinischer Schrift geschrieben mit deutscher und griechischer Übersetzung versehen.


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