Cetius Mons: Römische Militärpräsenz im Wienerwald

Die von der Stadt Wien (MA 7 – Kulturabteilung) geförderte Studie »Cetius Mons« untersucht Spuren römischer Präsenz im Wienerwald. Ausgehend von einer befestigten Anlage im Areal der Gemeinde Hinterbrühl, welche nach momentanem Kenntnisstand als prinzipatszeitliches Kleinkastell anzusprechen ist, werden Fragen nach Ressourcennutzung/-sicherung, Handelsrouten und militärstrategischen Konzepten beleuchtet.

Der Wienerwald und das Imperium Romanum


Spätestens mit der Errichtung des Legionslagers Vindobona/Wien Ende des 1. Jhs. n. Chr. und der Munizipalisierung von Cetium/St. Pölten in hadrianischer Zeit rückte der durch die Donau im Norden, die Triesting im Süden, durch das Tullnerfeld im Westen und das Wiener Becken im Osten begrenzte Wienerwald (lat. Cetius Mons) verstärkt in das Blickfeld römischer Interessen. Die hügelige und heute dicht bewaldete Region war nicht nur für die Gewinnung von Rohstoffen (Wasser, Stein, Holz [?]) und als Handelstraverse relevant, sondern bildete auch die Grenze zwischen den Provinzen Noricum und Pannonien. Spuren römischer Militärpräsenz sind mit den Auxiliarkastellen Zeiselmauer und Klosterneuburg sowie den möglichen Wachtürmen Greifenstein, Maria Gugging und Heiligenstadt vorhanden. Eine bislang unbekannte befestigte Anlage in der Gemeinde Hinterbrühl (KG Weißenbach bei Mödling) lässt neue Erkenntnisse zur römischen Militär- und Handelsgeschichte des Wiener Raumes erwarten.

Befestigung Weißenbach


LiDAR-Analysen erbrachten den Grundriss der 60 × 55 m (0,3 ha) großen Befestigung Weißenbach, die auf einem mehr als 150 m vom Taleinschnitt Hinterbrühl–Sparbach abgehobenen Hügelrücken situiert ist. Die gerundeten Ecken der orthogonal verlaufenden Fortifikationsmauer und eine mögliche Doppeltoranlage legen eine Interpretation als römisches Kleinkastell nahe. Kleinkastelle konnten unterschiedlicher Funktionen sein: Neben der Stationierung einer Numerus-Einheit zur Überwachung von Rohstoffabbau oder für Beobachtungs- und Signalübertragungsaufgaben ist auch eine Interpretation als Benefiziarierstation anzudenken.

Projektziele und Methoden


Vorrangiges Projektziel ist die Klärung der genauen Struktur, Chronologie und Funktion der Befestigung Weißenbach. Dazu sollen zunächst detaillierte LiDAR-Auswertungen weitere Aussagen über Grundriss und das nähere Umfeld der Anlage ermöglichen. Eine daran anschließende hochauflösende topografische Geländeaufnahme zielt auf eine Verdichtung der Informationen ab. Basierend auf diesen Daten sind kleinflächige Grabungen, Suszeptibilitätsmessungen, Rammkernsondierungen und systematische Metallsonden-Prospektionen geplant. Die Bearbeitung der Befunde und Funde soll schließlich Gewissheit über die eingangs formulierten Fragestellungen verschaffen.

Ein weiteres Ziel ist die Zusammenfassung römischer Befunde und Funde im Projektgebiet. Die aus dem ViennaGIS und dem BDA-Fundstellen-Archiv zu generierenden Kataloge und Kartierungen sind mit Geodaten wie Geländemodellen, Rohstoffkarten sowie historischen Fluss- und Straßenverläufen zu verknüpfen. Darauffolgende GIS-Analysen erlauben die Erstellung von Modellen, die das Verständnis römischer Ressourcennutzungskonzepte, Handelsrouten und Militärstrategien im Wienerwald ermöglichen sollen.