Die Zeichen, welche die Seidenstraße prägten

Eine Datenbank und Digitale Paläographie der Tarim Brahmi

Im Tarimbecken in der heutigen Region Xinjiang in China entstanden im Laufe des 2. Jahrhunderts n. u. Z. entlang der Handelswege der Seidenstraße unzählige buddhistische Gemeinden und Klöster. Diese waren wie die mittelalterlichen Klöster Europas Heimstätten einer Kultur des Schreibens.

Die bedeutendsten Sprachen dieser Klöster waren die alten indogermanischen Sprachen Sanskrit, Tocharisch und Sakisch. Die wichtigste Schrift, in welcher diese Sprachen geschrieben wurde , war eine eigene zentralasiatische Form der aus Indien stammenden Brahmi-Schrift , die Tarim Brahmi. Die frühen Schrifttümer der geistigen Zentren des Tarimbecken s gehören zu den ältesten erhaltenen Textzeugnissen des Buddhismus.

Das in Tarim Brahmi geschriebene Material war bisher auf viele unterschiedliche Ausgaben verstreut und zu einem großen Teil nicht computergestützt untersuchbar. Ziel dieses FWF START-Projektes ist daher, alle in der Tarim Brahmi geschriebenen Texte nach den Richtlinien der Text Encoding Initiative zu erfassen, die Textzeugen auf Zeichenebene mit dem jeweiligen Faksimile zu verknüpfen und zusammen mit einem TEI-kodierten Wörterbuch in einer Online-Datenbank zugänglich zu machen. Damit wird erstmals möglich, diese Schrift einer umfassenden paläographischen Untersuchung zu unterziehen. Dazu werden die quantifizierbaren Eigenschaften jedes einzelnen Zeichens bzw. jeder Zeichenkombination oder jedes Wortes mit Hilfe von Computerprogrammen extrahiert und miteinander verglichen. In der XML-Datenbank werden sämtliche sprachliche, philologische und paläographische Daten miteinander verknüpft und in einer Webapplikation publiziert.

Das Kooperationsprojekt mit der Universität Wien wird geleitet vom Sprachwissenschaftler und Zentralasienforscher Hannes A. Fellner; am ACDH erfolgt die Datenmodellierung, die Entwicklung der Datenbankapplikation sowie der texttechnologischen Anreicherungs- und Auswertungsapplikationen.