"Mapping Medieval Peoples (MMP)" ist ein Projekt in Kooperation mit dem Institut für Mittelalterforschung (IMAFO), finanziert durch ÖAW Innovationsfonds "Forschung, Wissenschaft und Gesellschaft", geleitet von den beiden Principal Investigators Prof. Dr. Walter Pohl und Dr. Veronika Wieser des IMAFO. Das ACDH-CH Team stellt die technische Expertise und Infrastruktur für die Entwicklung und das Hosting einer digitalen Edition bereit, einer Web-Applikation, die die Datensammlung und Publikation nach aktuellen wissenschaftlichen Standards ermöglichen wird. 

"Ethnische Entität" stellt für die Erforschung des Frühmittelalters eine Schlüsselkategorie dar, die vor allem für die Formierung und Neuorganisation von sogenannten "barbarischen" Königreichen eine wesentliche Rolle spielte. Integration und/oder Exklusion konnten anhand von ethnischer Entität als Mittel angewandt werden, um politische Herrschaft zu legitimieren und zu stabilisieren. Eine klare Abgrenzung verschiedener ethnischen Merkmale war jedoch nicht möglich, wie auch "römisch" oder "barbarisch" nicht eindeutig voneinander abgrenzbar waren. Auch Sprache, Kleidung oder Waffen waren keine festen Kategorien für eine klare Abgrenzung. Die historische Forschung der letzten Jahrzehnte hat zu der Erkenntnis geführt, dass sich ethnische Entitäten über den Verlauf der Zeit entwickelten und verschiedensten Einflüssen unterlagen. Eine Reihe von Forschungsfragen haben sich ergeben: Wie und wann veränderten sich ethnische Begriffe und ihre Bedeutungen? Teilten Zeitgenossen zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte ein gemeinsames Verständnis von ethnischer Identität? Wie wirkmächtig waren diesen ethnischen Zuschreibungen im zeitgenössischen Kontext überhaupt? 

Das MMP-Projekt zielt darauf ab, eine innovative technische Lösung zu entwickeln, die die Beantwortung dieser Forschungsfragen durch fortgeschrittene Methoden zur Analyse und Visualisierung der gesammelten Daten unterstützt. Die Webanwendung wird die Erstellung und Verwaltung sowie das Durchsuchen der Daten ermöglichen. Außerdem wird sie über eine RESTful API den programmatischen Zugriff auf die Daten bereitstellen.

Das Herzstück der Entdeckungs- und Erkundungsfunktionalität ist eine interaktive Netzwerkvisualisierungskomponente, das charakteristische Merkmal der Anwendung, mit der verborgene Beziehungen zwischen den Erwähnungen von Ethnonymen und den entsprechenden Zuschreibungen entlang der zeitlichen und räumlichen Dimension aufgedeckt werden können. 

Die in mehreren Vorprojekten gesammelte Datenbasis besteht aus ca. 4.200 Textpassagen lateinischer Texte in einem Zeitraum zwischen 400 und 1200 Jahren, angereichert mit Kategorisierungen, extrahierten relevanten Schlüsselwörtern und anderen forschungsrelevanten Aspekten, und wird derzeit in der Datenbank GENS (Group Terminology and Ethnic Nomenclature a Semantic Base) verwaltet und präsentiert. 

Neben der kontinuierlichen allgemeinen Aufbereitung der Daten werden Teile des Materials in drei Fallstudien vertieft und analysiert: "Language of Belonging in Ninth-Century East", "Migration Ethnonyms: Neuformung von Geographie und Ethnographie im frühen Mittelalter", und "Steppenvölker". 

Projektlaufzeit:

1. November 2020 ­– 31. Oktober 2022

 

Kontakt:

Walter Pohl

Veronika Wieser

Peter Andorfer

 

Links:

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