06/11/2019

„Cyber Courts – Der Schutz der Persönlichkeit unter den Bedingungen privat-öffentlicher Netzkommunikation“ Vortrag Prof. Dr. Tobias Gostomzyk

Teil der CMC-Vortragsreihe "Medienpolitik - neu denken"

„Cyber Courts – Der Schutz der Persönlichkeit unter den Bedingungen privat-öffentlicher Netzkommunikation“

Vortrag Prof. Dr. Tobias Gostomzyk (Institut für Journalistik, Technische Universität Dortmund)

Anschließende Diskussion mit Dr. Florian Saurwein (CMC - Institut für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung)

 

 

11. Juni 2019, 18 Uhr

Sitzungssaal

Österreichische Akademie der Wissenschaften

Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien

 

Internet-Plattformen wie Facebook, Twitter und YouTube stehen vor der Herausforderung adäquat mit illegalen und unerwünschten Inhalten umzugehen, die über ihre Dienste verbreitet werden. Sie unterliegen dafür zum einen rechtlichen Regulierungen die derzeit tendenziell weiter verschärft werden (z.B. NetzDG, Urheberrechtsreform, digitales Vermummungsverbot). Zudem etablieren die Plattformen selbst eigene Gemeinschaftsstandards und komplexe Systeme zur manuellen und technischen Inhaltsregulierung um problematische Inhalte zu identifizieren, zu filtern, zu löschen oder zu kuratieren. Sowohl die rechtlichen Reformen als auch die Löschpraxis der Plattformen sehen sich mit zum Teil heftiger Kritik konfrontiert. Diese reicht von Beschränkungen der Äußerungsfreiheit durch Overblocking von Inhalten, hohen Kosten der Rechtsdurchsetzung bis zu massiven psychischen Belastungen für Inhaltsmoderatorinnen und -moderatoren.

 

Die kommende Veranstaltung der Vortragsreihe „Medienpolitik – neu denken“ widmet sich den Problemen der aktuellen Regulierungspraxis und skizziert Optionen für mögliche netzwerkgerechte Alternativen, wie zum Beispiel „Cyber Courts“ die schnell und flexibel über Streitfälle entscheiden und eine Spruchpraxis jenseits der bloßen Löschlogik entwickeln.

 

Programm

  • Vortrag „Cyber Courts – Der Schutz der Persönlichkeit unter den Bedingungen privat-öffentlicher Netzkommunikation“

Prof. Dr. Tobias Gostomzyk (Professor für Medienrecht - Institut für Journalistik, Technische Universität Dortmund)

Inzwischen geht der Trend zu immer stärkerer Regulierung der Information und Kommunikation über soziale Netzwerke. Das deutsche Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) ist ein Beispiel hierfür. Nach dem Motto „Clean the Internet“ sollen Äußerungen auf Beschwerde hin gelöscht werden, wenn sie beispielsweise gegen Strafnormen wie Beleidigung verstoßen. Das Problem ist, dass sich oftmals selbst bei größter Sorgfalt im Einzelfall nicht verlässlich sagen lässt, ob ein Inhalt rechtmäßig oder rechtswidrig ist. Deswegen ist davon auszugehen, dass etwa durch Facebook mehr gelöscht wird, als gelöscht werden muss. Letztlich - so die These - handelt es sich bei den bisherigen Ansätzen um eine Überforderung sowohl des Gesetzgebers als auch der sozialen Netzwerke.

Dabei existieren zweckdienlichere Alternativen. Eine Ansatz besteht in der Einführung von sogenannten Cybercourts – spezielle Institutionen für Rechtsfragen des Internets. Sie sollen nicht nur einer Privatisierung der Rechtsdurchsetzung entgegenwirken, sondern auch eine Spruchpraxis herausbilden, die der privat-öffentlichen Kommunikation im Netz gerecht wird – jenseits der simplen Löschlogik des NetzDG. Eine Kernfrage der Netzregulierung besteht letztlich darin, wie sich unter den Bedingungen übersichtlicher Öffentlichkeitsstrukturen normative Standards stabilisieren lassen.

 

  • Statement „Inhaltsregulierung auf Internet-Plattformen: Optionen zur Verbesserung von Verantwortlichkeit im nationalen Kontext“

Florian Saurwein (CMC - Institut für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung der ÖAW/AAU)

 

  • Publikumsdiskussion

 

Um Anmeldung wird gebeten: cmc(at)oeaw.ac.at

 

 

Die Vortragsreihe „Medienpolitik – neu denken“, initiiert vom Institute for Comparative Media and Communication Studies (CMC), dient als Präsentationsplattform für gegenwärtig und künftig relevante Themen zur Medienpolitik. Das CMC lädt dazu führende Kommunikations- und Medienwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ein das Wort zu ergreifen, um die aktuelle Forschung zu reflektieren, deren gesellschaftliche Tragweite auszuloten und zu medien- und demokratiepolitschen Fragen zu debattieren.

 

Nach den Vorträgen freuen wir uns auf Gespräche & Diskussionen bei einer Erfrischung im informellen Rahmen!

 

 

Weitere Vorträge der Reihe:

„Public Open Space – der öffentlich rechtliche Rundfunk als Plattform“

Prof. Dr. Barbara Thomaß, Institut für Medienwissenschaft, Ruhr Universität Bochum

t.b.a.