Hun@aynNet

Transmission of Classical Scientific and Philosophical Literature from Greek into Syriac and Arabic (Erc-Starting-Grant ID 679083, 2016-2021)


Ein syrischer Palimpsestkodex von Galens Schrift „De simplicium medicamentorum temperamentis et facultatibus“ (11. Jh.) (Quelle: https://www.nytimes.com/2015/06/02/science/medicines-hidden-roots-in-an-ancient-manuscript.html?_r=0)

Das ERC-Projekt „Hun@aynNet“ erforscht die Übertragung klassischer wissenschaftlicher und philosophischer Literatur vom Griechischen ins Syrische und Arabische. Die Analyse dieser Übersetzungen macht deutlich, in welchem Umfang wissenschaftliche Kenntnisse und Gelehrsamkeit im mittelalterlichen Nahen Osten auf der gemeinsamen Tradition der griechischen Antike basierten, und beleuchtet die Bedeutung der Sprache im Austausch und der Übertragung von Wissen, auch zwischen christlichen und muslimischen Gelehrten.

Es wird oft als selbstverständlich angesehen, dass die griechisch-arabische Übersetzungsbewegung (8.-10. Jh.), die den gesamten Schatz der klassischen griechischen wissenschaftlichen und philosophischen Literatur auf Arabisch zugänglich machte (der später in lateinischen Übersetzungen an Europa weitergegeben wurde) sich auf die vorangegangenen Übersetzungen in die syrische Sprache durch aramäisch sprechende syrische Christen stützte. Das Problem der Kontinuität zwischen den beiden Perioden der Übersetzungstätigkeit wurde jedoch noch nicht gründlich untersucht, und so ist die tatsächliche Auswirkung der syrischen Übersetzungen auf spätere Übersetzungsmethoden bisher nicht angemessen beurteilt worden. Ein neuer Ansatz zum besseren Verständnis des Hintergrunds der griechisch-arabischen Übersetzungsbewegung besteht darin, einen umfassenden Vergleich von syrischen und arabischen Übersetzungen mittels einer lexikographischen Analyse durchzuführen. „Hun@aynNet“ entwickelt durch die Anwendung der Methoden der Online-Lexikographie und der Korpuslinguistik ein Korpus syrischer wissenschaftlicher und philosophischer Übersetzungen, das es ermöglichen wird, die syrische wissenschaftliche Terminologie und Übersetzungstechniken sowohl mit griechischen Originalen als auch mit arabischen Versionen analytisch zu vergleichen. Die lexikographische Datenbank wird ein effizientes Instrument sein, das definitive Daten für die Erforschung der syrischen und arabischen Übersetzungen und deren Verbindungen bietet. Sie wird zeigen, wie die syrischen Übersetzungen zusammen mit den zugrundeliegenden Methoden und Werkzeugen, die erstmals von syrischen Christen genutzt wurden, schließlich die Blüte der islamischen Wissenschaften ermöglichten. Auf der Grundlage des open access-Gedankens stellt die Datenbank ein innovatives Instrument für die Erforschung der Geschichte der Übersetzung der griechischen wissenschaftlichen Literatur in der Antike und im Mittelalter zur Verfügung.

Das Projekt wird in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt.

Publikationen


  • G. Kessel, A Syriac Medical Kunnāšā of Īšōʿ bar ʿAlī (9th c.): First Soundings. Intellectual History of the Islamicate World 5 (2017) 228–251
  • G. Kessel, Inventory of Galen’s Extant Works in Syriac, in: J. C. Lamoreaux (ed., tr.), Ḥunayn Ibn Isḥāq on His Galen Translations (Eastern Christian Texts, vol. 3). Provo 2016, 168-192.
  • G. Kessel, Membra disjecta sinaitica I: a reconstitution of the Syriac Galen Palimpsest, in: A. Binggeli – A. Boud’hors – M. Cassin (Hrsg.), Manuscripta Graeca et Orientalia. Mélanges monastiques et patristiques en l’honneur de Paul Géhin (Orientalia Lovaniensia Analecta 243). Leuven 2016, 469-496.
  • G. Kessel, A Neoplatonic treatment of Clytemnestra’s infidelity: an East Syriac Philosopher Denḥā on the power of music, in: E. Coda – C. Martini Bonadeo (Hrsg.), De l'Antiquité tardive au Moyen Age. Etudes de logique aristotélicienne et de philosophie grecque, syriaque, arabe et latine offertes à Henri Hugonnard-Roche (Études musulmanes, xliv). Paris 2014, 123-147.
  • B. Bhayro – R. Hawley – G. Kessel – P. E. Pormann, The Syriac Galen Palimpsest: Progress, Prospects and Problems. Journal of Semitic Studies 58 (2013) 131-148