Archäologische Prospektion in Carnuntum

Auswertung von Luftbildern, Oberflächensurveys und Geophysik

Bearbeiter: Ch. Gugl

Mit den in den letzten beiden Jahrzehnten in Carnuntum erfolgten großflächigen Prospektionsvorhaben wurde ein neues Kapitel in der Erforschung der römischen Donaumetropole aufgeschlagen. Die flächendeckenden luftbildarchäologischen und geophysikalischen Untersuchungen konnten mittlerweile durch eine Reihe von Oberflächensurveys in den Randbereichen der Lagervorstadt (canabae legionis) sowie der Zivilstadt (municipium Aelium, colonia Septimia) ergänzt werden.

Die großen Flächen, die man heute prospektionsarchäologisch untersuchen kann, bieten neue Chancen vor allem im Hinblick auf die Kontextualisierung sowohl von Einzelobjekten als auch von ganzen Siedlungszonen. Damit lassen sich die Beschränkungen traditioneller Methoden, die bestenfalls kleinräumige Einblicke in Siedlungsstrukturen bieten, überwinden. Durch die Kombination verschiedener Prospektionsmethoden und durch die kombinierte Auswertung von Grabungs- und Prospektionsdaten lassen sich neue Interpretationsansätze gewinnen, die im Rahmen dieses Projektes mit folgenden Schwerpunkten bearbeitet werden sollen:

Militärtopographie: Die Entdeckung der castra singularium wirft ein völlig neues Licht auf den Statthaltersitz Carnuntum, der sich nun dank der Messergebnisse sehr gut rekonstruieren lässt. Carnuntum ist deshalb mittlerweile eines der anschaulichsten Beispiele für das Aussehen eines Statthaltersitzes in den Grenzprovinzen des römischen Reiches.

Siedlungsbegrenzungen und das Umland von Carnuntum: Die Ausdehnung der antiken Siedlung sowie die Struktur des Umlandes kann man archäologisch nur mit Hilfe der Luftbildarchäologie oder mit geophysikalischen Großflächenprospektionen in den Griff bekommen. Letztere waren in Carnuntum besonders erfolgreich, um die konkreten Grenzen von Siedlungsräumen zu rekonstruieren. Aufgrund der offenen Landschaft ist die Region Carnuntum außergewöhnlich begünstigt für großräumige Untersuchungen des periurbanen und ländlichen Raums. Der besondere Reiz in Carnuntum liegt aber auch in den überlieferten epigraphischen Denkmälern, insbesondere den überlieferten Inschriften mit der Nennung einer „Leugengrenze“, die auf die soziale und administrativ-rechtliche Organisation der Bewohner rückschließen lassen.

Diesem Projekt zugeordnet sind folgende Dissertationen:

Benedikt Grammer: „Roman Settlement Patterns in Western Pannonia“, Universität Wien, Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie (Betreuer: M. Doneus, C. Gugl)

Mario Wallner: „Spatio-temporal analysis of the western 'suburbs' of the Roman town of Carnuntum, based on GIS based multi method integrated interpretation of prospection data", Universität Wien, Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie (Betreuer: W. Neubauer, C. Gugl)