Domitilla-Katakombe:

Stand und Fortschritt der Projektarbeit 2009 


Im Jahr 2009 wurden drei weitere Kampagnen durchgeführt, um das oberirdische Terrain einzubeziehen sowie zur Ergänzung von unzureichend erfassten Details in der Katakombe. Das riesige erhobene Datenvolumen besteht nun aus rund 1.900 Scanpositionen, für deren Handhabung und möglichst umfassende Verwertung in der archäologischen Arbeit ganz neue Verfahren zu entwickeln sind. 

Zunächst wurde aus der 3D-Punktewolke der erste digitale Gesamtplan der Katakombe generiert (Abb. 16), ein lang erwartetes, wichtiges Ergebnis. Um im Weiteren die exakten Scan-Daten möglichst unverfälscht und direkt benutzen zu können, wurde das Domitilla-Team um neue Kooperationspartner erweitert: das Institut für Computergraphik und Algorithmen der Technischen Universität Wien und die Firma Imagination, die gemeinsam den Punktwolken-Viewer „ Scanopy“ entwickeln. Mit seiner Hilfe können extrem große Punktewolken in Echtzeit betrachtet werden, und das Ziel ist, dieses Programm nach den Bedürfnissen von Archäologen und Bauforschern weiterzuentwickeln.

Im Zusammenhang mit der Auswertung der Malereien konnte ein erster Vorschlag für die Rekonstruktion des Sanktuars der Titelheiligen der Katakombe, der Martyrer Nereus und Achilleus, in der Fassung vermutlich der damasianischen Zeit erarbeitet werden (Abb. 17). Der Weg, den die Pilger zur Verehrung der Martyrer über eine eigens geschaffene Zugangstreppe in einer Art Rundgang machten, kann trotz des heute stark veränderten Räumlichkeiten virtuell im Modell nachvollzogen werden.

Die laufenden Arbeiten

Für viele der bislang erfolgten, anspruchsvollen Arbeiten mussten und müssen neue Lösungswege gefunden werden, viele Lösungen werden erstmals so bzw. so komplex angewendet. Zugleich treten die archäologischen Ziele nicht in den Hintergrund: die Arbeiten am Repertorium der Malereien sind in der Endphase, die texturierten Modelle werden auch in bewährter Weise als gedruckte Plänen und Tafeln aufbereitet. In einem neuen FFG-Gemeinschafts-Projekt mit dem Namen „ Terapoints“ können jetzt für den Punktwolken-Viewer Scanopy (s.o.) spezielle Tools perfektioniert werden (Abb. 18)

Nicht nur die freie Bewegung im gesamten Katakombenmodell ist nun möglich, sondern auch Funktionen wie Distanzmessen (Abb. 19), Markieren, Löschen von Teilen der Punktewolke sind anwendbar, ebenso sinnvolle Manipulationen des Datensatzes wie das Einfärben/ Kopieren/ Löschen/ Freistellen von einzelnen Grabräumen/ Gängen/ Regionen der Katakombe, das Erzeugen und Exportieren von Schnittlinien und die Verknüpfung des Modells mit Datenbanken. 

In das Gesamtmodell lassen sich die hochaufgelösten 3D-Modelle mit Photo-Textur, die von allen Bereichen mit Malerei erstellt werden, integrieren. Im Beispiel der Kammer 19 sind dabei auch die heute im Museum befindlichen Fragmente virtuell re-integriert (Abb. 20). Da auch die Oberfläche gescannt wurde, ist der topographische Kontext direkt gegeben. Der Gesamtorganismus der Katakombe wird in einer völlig neuen Art und Weise nicht nur für Forscher zugänglich und verstehbar.