Domitilla-Katakombe

Stand und Fortschritt der Projektarbeit 2006


Nach kurzer Vorbereitung konnte die Projektarbeit im Januar 2006 beginnen. Seitdem arbeiten die Archäologen und Architekten des Teams in ihren jeweiligen Aufgabenbereichen, z. T. in gemeinsamer Feldforschung in der Katakombe, z. T. getrennt zur Auswertung der Ergebnisse an den jeweiligen Instituten. Die Arbeiten sind zunächst ganz auf das erste Projektziel, die Erstellung des Repertoriums der Malereien der Domitilla-Katakombe, ausgerichtet. 

Im Mittelpunkt der Arbeit in der Katakombe steht einerseits die Dokumentation mit dem 3D-Laserscanner. Im Jahr 2006 wurden drei Scankampagnen durchgeführt. Die erste Kampagne im Januar hatte noch experimentellen Charakter und diente dazu, Vorgehensweise und Arbeitsabläufe beim Scannen in der Katakombe abzustimmen. Zunächst wurden eine Reihe Einzelprojekte von Standardsituationen erzeugt, von denen einige gezeigt seien: 

Der Scanner orientiert sich an temporär angebrachten Reflektorpunkten (Abb. 1). Er erzeugt in 360-Grad Panorama-Scans sog. Punktewolken, die den ihn umgebenden Raum ab einem Abstand von ca. 1m als 3D-Struktur abbilden. Um mehrere Scans miteinander zu verbinden, werden weitere Scan-Positionen so gewählt, daß zumindest fünf Reflektorenpunkte bereits bekannt sind. Eine auf dem Scanner angebrachte Digitalkamera erzeugt zugleich Photodaten, mit denen die Punktewolke direkt gefärbt werden kann. Der große Vorteil der Methode liegt in der freien Beweglichkeit dieser Punktewolken, die von außen und innen betrachtet und auch virtuell betreten werden können. Je nach Projektion und Standort sind sofort Grundriß, Längs- und Querschnitte oder 3D-Raumansichten abrufbar. 

Als Beispiel einer kleinen Grabkammer mit Malerei wurde das Cubiculum der Veneranda im Retrosanctos-Bereich hinter der Basilika ausgewählt (Abb. 2). Im Bild sind die neun Scan-Positionen angegeben, die zur vollständigen Dokumentation der gesamten Kammer nötig waren. An der Rückwand sind bereits die Photodaten der Malerei im Bogenfeld des Arkosols aufgespielt, man sieht die Darstellung der Verstorbenen Veneranda, die von der Hl. Petronilla in einen Paradiesesgarten eingeführt wird.

Bei einer Gruppe von Kammern in einer Galerie im Retrosanctos-Bereich wurden die Scans bereits nach Zuordnung zu einzelnen Kammern gefärbt (Abb. 3). Man erkennt z. B. deutlich die heute nach oben verschlossenen Lichtschächte (Abb. 4). 

Besonders komplex ist die Situation in der Flaviergalerie, einem ursprünglich mit Nischen für Sarkophagbestattung angelegtem Stollengang, der vollständig ausgemalt ist (Abb. 5). Die Verbindung von Architektur und Malerei tritt bereits eindrucksvoll hervor, wenn nur ein einziges Photo auf die Punktewolke gelegt wird (Abb. 6). 

Schließlich gibt der Blick auf die gesamte, in der ersten Kampagne gescannte Region der Basilika und des Retrosanctos einen guten Eindruck vom Potential der Methode des 3D-Laserscannings, die am Computer zudem Bewegungen und stufenlose Ansichtswechsel aus der Grundrißperspektive (Abb. 7) in Seitenansichten (Abb. 8) zulässt. 

Einen zweiten Schwerpunkt bilden die Arbeiten zur Erstellung von photorealistischen Raummodellen einzelner mit Malerei ausgezeichneter Kammern. Diese dreidimensionalen Modelle sind eine wichtige Erweiterung für das Repertorium der Malerei im Vergleich zu den bislang üblichen s/w-Strichplänen.

Die archäologisch-kunsthistorische Forschung ist ebenfalls zunächst auf die Malereien konzentriert. Neben der Bearbeitung der umfangreichen Bibliographie, die für jede Malerei zusammengestellt wird, stand 2006 die systematische Bestandsaufnahme im Monument selbst im Mittelpunkt. Zahlreiche Malereien wurden neu entdeckt gedeutet. Die Fülle neuen Materials erweitert unser Wissen erheblich, etwa um die malerische Gestaltung von Eingangssituationen und neue Szenen im Bildrepertoire der christlichen Bilder. Sie bieten neue Deutungsansätze sowie nicht zuletzt wichtige Hinweise für die chronologische Einordnung einzelner Bereiche der Katakombe. Mit der Vorlage dieses neuen Materials wurde begonnen (s. Bibliografie).