Sakraltopographie einer Klosterlandschaft

(FWF-Projekt: I 3190-G25)

2017-2020

Der Österreichische Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligten dem Institut für Kulturgeschichte der Antike (IKAnt) an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem DAI Kairo ein gemeinsames dreijähriges Forschungsprojekt in Ägypten.

Das Projekt zur „Sakraltopographie einer Klosterlandschaft und ihre Entwicklung auf dem Hügel von Dra‘ Abu el-Naga / Oberägypten: Deir el-Bachît und das thebanische Pauloskloster“ wurde im Rahmen des D-A-CH Lead-Agency Verfahrens gemeinsam vom IKAnt und DAI beantragt.

Das Kloster Deir el-Bachît (Pauloskloster) erstreckt sich auf der Hügelkuppe von Dra’ Abu el-Naga und umfasst eine kleinteilige Sakraltopographie, die sich zwischen dem 5. bis 10. Jh. n. Chr. entwickelte. Diese Klosterlandschaft umfasst neben dem kompakten Hauptkloster mehrere zugehörige, von Mönchen bewohnte Außenanlagen (in pharaonische Gräber eingebaute Eremitagen und Funktionseinheiten) sowie ein verzweigtes antikes Wegesystem mit Zubringer zur Karawanenstraße und ist in dieser Ausprägung bislang einzigartig. Die einzelnen Anlagen waren hierarchisch strukturiert und standen über eine komplexe interne Organisation miteinander in Beziehung, was aus Papyrusurkunden, Ostraka und Graffiti hervorgeht.

Die Entdeckung dieser eng vernetzten Anlagen bildet den Ausgangspunkt für neue, weiterführende Fragestellungen, die jetzt mit Hilfe des neu bewilligten Ausgrabungsprojekts geklärt werden sollen: Welche funktionalen, sozialen und religiös-kultischen Zusammenhänge bestehen zwischen den monastischen Einrichtungen in Dra‘ Abu el-Naga?Was waren die Auslöser für die Wandlung und Verlagerung der monastischen Strukturen von Anachoretenbehausungen hin zu einer koinobitischen Gemeinschaft (Hauptkloster)?Welche Hierarchien lassen sich in der monastischen Gemeinschaft erkennen?

Die neuen Ausgrabungen konzentrieren sich daher im Hauptkloster auf die zugehörige Nekropole und die Schlafzellen der Mönche, an denen sich die sozialen Hierarchien der Klostergemeinschaft ablesen lassen sowie auf die Eremitagen der zum Kloster gehörigen Außenanlagen.

Ausgrabungen in Deir el-Bachît werden bereits seit 2001 durchgeführt. Ina Eichner, Mitarbeiterin am Institut für Kulturgeschichte der Antike an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien und Daniel Polz, Wissenschaftlicher Direktor der Abteilung Kairo des Deutschen Archäologischen Instituts, leiten das neue Forschungsprojekt.