Deir el-Bachît und das thebanische Pauloskloster


Grabungsleitung: Dr. Ina Eichner (Hauptkloster), Dr. Thomas Beckh (Außenanlagen)

Das Kloster Deir el-Bachît

Das Kloster Deir el-Bachît liegt auf dem Bergrücken von Dra’ Abu el-Naga auf dem Westufer Thebens in Oberägypten. Es umfasst von einzelnen Mönchen bewohnte, in ältere pharaonische Grabhöhlen eingebaute Eremitagen (sog. Anlage 26 und 27) als Ursprung der monastischen Besiedlung im 5. Jh. n. Chr.  sowie eine ummauerte, von einer koinobitischen Mönchsgemeinschaft bewohnte Klosteranlage, die erst im späten 6./frühen 7. Jh. n. Chr. entstand (Abb.1).

Damit lassen sich die Eremitagen der  Außenanlagen 26 und 27 als die ältesten monastisch genutzten Einheiten auf dem Hügel von Dra Abu el-Naga identifizieren.

In der Anlage 26 scheint ein Anachoret gelebt zu haben, der schon bald Besucher bzw. weitere Anachoreten anzog, die sich in den benachbarten, aus pharaonischer Zeit stammenden Grabhöhlen ansiedelten. Hinweise auf einen Apa Paulos, der vielleicht auch als Gründungsvater in Betracht kommt, finden sich inschriftlich sowohl in der Anlage 26 und 27 als auch auf Ostraka aus dem Bereich des Hauptklosters. Eine enge Verbindung dieser Anlagen ist damit gesichert.

Die Identifizierung des Klosters mit dem aus Texten bekannten  Pauloskloster ermöglicht es, dessen Korrespondenzen und Handelstätigkeit mit anderen Klöstern in Beziehung zu setzen. Untersuchungen der Gründungszelle in Anlage 26 und des Zugangs zum Kloster klärten die Vernetzung der Sakraltopographie auf dem Hügel von Dra‘ Abu el-Naga weitgehend.

Eine geophysikalische Prospektion, die 2014 mit begleitenden Sondierungsgrabungen innerhalb des Hauptklosters durchgeführt wurde diente dem Ziel, die Klosterkirche zu lokalisieren. Eindeutige Ergebnisse ließen sich aber nicht erbringen. Hingegen kam in der Eremitage der Außenanlage 26 eine kleine Kapelle zutage (Abb.2), die wohl noch bis ins 12. Jh. von Pilgern aufgesucht wurde.

Geschichte der Forschungen in Deir el-Bachît und weiterführende Forschungsziele

Ein erster Schwerpunkt in den Jahren 2004-2009 war die Erforschung der zentralen Bauten des Klosters und des Alltagslebens der koinobitischen Mönchgemeinschaft von Deir el-Bachît.  

In den Jahren 2010-2012 wurde das Umland der koinobitischen Klosteranlage durch einen Survey unter der Leitung von Dr. Thomas Beckh untersucht.

Ziel war es, die Siedlungsentwicklung der monastischen Einrichtungen auf dem Hügel von Dra‘ Abu el-Naga zu rekonstruieren. Dabei gelang auch die Identifizierung des Klosters als das bislang nur aus schriftlichen Quellen bekannte Pauloskloster in den Bergen von Djeme.

Resultierend aus den Erkenntnissen des Surveys steht seit 2012 die Erforschung der Sakraltopographie des gesamten Hügels von Dra Abu el-Naga unter dem Titel

Sakraltopographie einer Klosterlandschaft und ihre Entwicklung auf dem Hügel von Dra‘ Abu el-Naga / Oberägypten: Deir el-Bachît und das thebanische Pauloskloster – Pilotphase“ im Mittelpunkt.

Abbildungsnachweis 

Abb. 1: J. Sigl ©DAI/LMU; Abb. 2: T. Beckh ©DAI/LMU.