'Byzantinischer Palast' (= Bischofspalast) von Ephesos


Leitung: A. Pülz

Der 'Byzantinische Palast' in der Unterstadt von Ephesos wurde in den Jahren zwischen 1954 und 1956 von F. Miltner großflächig freigelegt. Wegen des plötzlichen Todes des Ausgräbers konnte jedoch keine umfassende Publikation der ca. 75 x 50 m großen Anlage, die eines der wenigen gut erhaltenen Gebäude nicht sakralen Charakters aus spätantik-byzantinischer Zeit in Ephesos darstellt, vorgelegt werden.

Das Gebäude setzt sich aus zwei Hälften (Bade- und Repräsentationstrakt) zusammen, die durch einen quergelagerten Vorraum zu einer Einheit verbunden waren. Im Süden der Anlage befindet sich ferner eine kleine Kapelle, die nachträglich an den Palast angesetzt worden ist. Nähere Informationen zum Wohn- und Wirtschaftstrakt des Palastes, die im Zuge einer geophysikalischen Prospektion (2008) zum Teil erfasst werden konnten, liegen bis dato nicht vor.
Aufgrund des in situ Bestandes interpretierte der Ausgräber das Monument als Badeanlage 'byzantinischen Typs'. Diese Deutung wurde allerdings bereits einige Jahre später zugunsten der Interpretation als Verwaltungssitz des römischen proconsul der Provinz Asia bzw. des strategos des im 7. Jahrhundert neu eingerichteten byzantinischen Verwaltungs- und Militärdistriktes (Thema) Thrakesion aufgegeben.  Nach letzten Erkenntnissen ist der gesamte Komplex aber wohl als Residenz des ephesischen Bischofs zu interpretieren.

Wie die jüngsten Untersuchungen ergeben haben, kann das Monument einem umfassenden Aufbauprogramm in Ephesos zugeordnet werden. Ein solches war - wie auch in anderen Städten Kleinasiens - nach den Naturkatastrophen des 3. und 4. Jahrhunderts notwendig geworden. Nicht nur einzelne Gebäude, sondern ganze Stadtareale konnten ihre ursprüngliche Funktion nach den Erdbebenzerstörungen wohl nicht mehr erfüllen und boten somit reichlich Baumaterial und -land, das nun für die Wiedererrichtung und den Neubau verwendet werden konnte.

In diesen Zusammenhang gehören etwa die massiven Überbauungen im Bereich des Hafengymnasiums und der Verulanushallen. Hier wurden zahlreiche Wohnhäuser, die bautypologisch ganz in der hellenistisch-römischen Tradition stehen (Peristylhäuser) errichtet. Polychrome opus sectile Böden sowie mehrfarbige Mosaikpavimente zeugen von der ehemals exquisiten Ausstattung der Häuser und damit von der Prosperität ihrer Besitzer.

Literatur

Die Arbeiten vor Ort wurden mittlerweile abgeschlossen. Eine umfassende Publikation der Ergebnisse ist in Vorbereitung.