Virunum

Römisches Militär in der norischen Provinzhauptstadt


Projektleitung: W. NeubauerC. Gugl

Während die zentralen und westlichen Bereiche des Stadtplanes der norischen Provinzhauptstadt schon in den 1980er-Jahren durch luftbildarchäologische Untersuchungen weitläufig ergänzt werden konnten, herrschte über den Umfang und die Struktur der Verbauung am Ostrand Virunums noch große Unklarheit. Der Sommer des Jahres 2001 war im südlichen Österreich außergewöhnlich trocken. Diese Trockenheit war die Voraussetzung dafür, dass auf den Feldern am Ostrand von Virunum sogar im Mais Trockenmerkmale im Bewuchs zu erkennen waren, die sich aus der Luft fotografisch dokumentieren ließen.
Die von Renate Jernej angefertigten Ballonaufnahmen  zeigten erstmals großflächige Bebauungsspuren auf den Feldern abseits der bekannten antiken Großbauten, wie dem Amphitheater, dem Bühnentheater und dem sogenannten Statthalterpalast. Das antike Virunum erstreckte sich somit über den Nord-Süd laufenden Höhenrücken, der das Zollfeld im Osten begrenzt, auf die höher gelegenen Flächen im Osten des Stadtzentrums hinaus. Die damals am Ostrand Virunums dokumentierten Bewuchsmerkmale wurden als römisches Militärlager mit südlich anschließender ziviler Bebauung gedeutet. 

Am 19.11.2013 führte das Ludwig-Boltzmann-Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie eine geophysikalische Prospektion mit dem hochauflösenden Bodenradarmesssystem MIRA II auf den Grundstücken 472 und 484 (KG St. Michael am Zollfeld) durch, um diese Thesen zu überprüfen. Dabei konnte eine Fläche von ca. 2,56 ha untersucht werden. Im Radarmessbild erkennbar sind zahlreiche (offensichtlich römerzeitliche) Gebäudestrukturen im Nordteil der Parzelle, die sich innerhalb eines ummauerten Areals erstreckten. Während an der Ostseite der Ummauerung kein Tor zu sehen ist, wies die Südseite einen Torbau auf. Abgesehen von der Südostecke konnte nun erstmals die Südwestecke nachgewiesen werden. Die West- und Nordseite dieses ummauerten Areals dürften demnach mit den Grenzen der Waldparzelle 471 zusammenfallen. Innerhalb der Einfriedung fallen drei langrechteckige Bauwerke auf, bei denen es sich offensichtlich um römische Militärbaracken mit Doppelkammern und Kopfbauten handelt. Im Zentrum der Anlage befand sich ein massives Gebäude, von dem nur die Südostecke gemessen werden konnte. Das südliche Vorfeld der Ummauerung war ebenfalls dicht bebaut. Die Auswertung der Messergebnisse ist derzeit im Gange. Schon aus derzeitiger Sicht ist klar, dass diese Messungen entscheidende Anhaltspunkte liefern werden für die Diskussion der Frage, wie römische Truppen am norischen Statthaltersitz untergebracht waren.