Das Mausoleum von Belevi


Der FiE-Band zur Bauforschung (R. Heinz) befindet sich derzeit in Druck, der FiE-Band zu den archäologisch-kunsthistorischen Studien (P. Ruggendorfer) ist im Herbst 2016 erschienen. 

Projektleitung:F. Krinzinger

Bearbeiter: R. Heinz (Bauforschung); P. Ruggendorfer (Archäologie);  M. Trapichler (Keramik)

Kontakt:P. Ruggendorfer


Das Mausoleum von Belevi ist der in seiner Substanz am besten erhaltene monumentale Grabbau aus der Zeit des frühen Hellenismus. Das Monument liegt im östlichen Abschnitt des Kaystros-Tals etwa 14 km nordöstlich von Ephesos und wurde in den Jahren zwischen 1931 und 1935 von J. Keil, C. Praschniker und M. Theuer untersucht.

Die Vorlage der Ergebnisse erfolgte gemeinsam mit den Nachuntersuchungen von W. Alzinger und R. Fleischer im Jahre 1979 im sechsten Band der 'Forschungen in Ephesos'.
Im Jahre 2000 hat das Institut für Kulturgeschichte der Antike die Forschungen am Mausoleum wiederaufgenommen, wobei die ÖAW die Finanzierung der archäologischen Arbeiten übernommen hat und die Bauforschung durch den Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) gesichert wird. Ziele des Projekts sind die abschließenden archäologischen und bauhistorischen Untersuchungen vor Ort, die Neubearbeitung und -bewertung der kunsthistorischen und architektonischen Befunde und die Publikation der Ergebnisse.

Die Feldforschungen werden in enger Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) organisiert, die Opel Türkiye Ltd. stellt dem Projekt während der Kampagnen kostenlos Fahrzeuge zur Verfügung.

Der Kern des Mausoleums wurde direkt aus dem anstehenden harten Kalkstein eines Bergvorsprungs herausgeschnitten. Östlich des Grabbaus legte man eine Terrasse an, die von einer mächtigen Mauer begrenzt wurde und während der Bauarbeiten zunächst als Arbeitsfläche und nach der Fertigstellung wohl für Feierlichkeiten im Rahmen des Totenkults gedient hat.
Das dorische Untergeschoß erhebt sich mit einem dreistufigen Unterbau auf einer beinahe quadratischen Grundfläche von etwa 29,69 m Seitenlänge und wurde in rund 10 m Höhe mit einem Gebälk aus Wandarchitrav, Metopen- Triglyphenfries und Kranzgesims abgeschlossen. Die grob geglättete Oberfläche seines Felskerns war mit Marmorblöcken verkleidet, die an den Außenseiten den Eindruck eines massiv durchgeschichteten Sockels erweckten.
An der Südseite ist in den Felskern – von außen nicht erkennbar – die Grabkammer eingearbeitet. Der monumentale Klinensarkophag mit der gelagerten männlichen, ehemals bekränzten Deckelfigur (heute im Museum von Selçuk) war an der rechten Wand der Hauptkammer angeordnet, während die lebensgroße Statue eines persisch gekleideten Dieners (heute im Museum von Izmir) ursprünglich vor der Nordwand der Kammer gestanden hat. Alle Teile des statuarischen Ausstattungsprogramms der Grabkammer datieren in die Entstehungszeit des Monuments. 

Der rechteckige Kernbau im Obergeschoß war von einer umlaufenden Säulenhalle umgeben und im Norden an der Hauptansichtsseite durch ein Bathron und eine zweite Säulenreihe besonders betont. Vom Kernbau haben sich in situ an der Oberseite des Sockels v. a. Teile der Nordwand erhalten. Die ionischen Säulen der Persistasis erhoben sich auf attischen Basen und trugen korinthische Kapitelle, welche ebenso wie große Teile der Architektur polychrom bemalt waren. In den zentralen Feldern der Kassettendecke der Säulenhalle hatten Reliefdarstellungen an der Nordseite gymnische und hippische Agone und an den übrigen Seiten eine Kentauromachie zum Thema. Während der aktuellen Grabungen konnte das bislang fehlende Kassettenrelief S3, das im Interkolumnium über der Grabkammer versetzt war, zu großen Teilen in Versturzlage an der Südseite gefunden werden. Den Dachschmuck bildeten an den Ecken die Statuen lebensgroßer Pferde, an den Langseiten waren persische Löwengreifen antithetisch um Grabvasen gruppiert.

Die Rekonstruktion des Obergeschosses, die in den 30er und 70er Jahren des 20. Jh. erarbeitet wurde, war zunächst stark von den Vorstellungen zum Maussolleion von Halikarnassos beeinflußt. Aufgrund der fehlenden architektonischen Evidenz für ein Pyramidendach wurde in Belevi bereits 1935 als Alternative für den Kernbau eine hypäthrale Lösung mit Innenhof entwickelt, welche nun durch die aktuellen Forschungen verifiziert werden konnte.

Die bei den Grabungen an der Westseite gefundene Keramik legt ebenso wie die Datierung der Bauornamentik eine Errichtung des Mausoleums im frühen 3. Jh. v. Chr. nahe. Die Bauarbeiten wurden offenbar rasch abgeschlossen, so daß Teile der Architektur bzw. der Skulptur sowie die Platzanlage im Osten nicht mehr zur Gänze fertiggestellt wurden. Hinweise auf eine zweite Bauphase, die bislang um die Mitte des 3. Jhs. v. Chr. angenommen wurde, haben sich nicht ergeben. 

Die archäologischen und architektonischen Projektarbeiten wurden von naturwissenschaftlichen Untersuchungen begleitet, wie etwa von materialkundlichen Analysen des hellenistischen Hinterfüllungsmörtels (J. Weber, Institut für Kunst und Technologie, Universität für Angewandte Kunst Wien), von dem noch große Reste in den Hohlräumen zwischen dem Felskern und der Marmorverkleidung des Sockels angetroffen wurden. Daneben erfolgte eine umfangreiche Beprobung der verwendeten Marmore und der für die Gewinnung relevanten Steinbrüche (W. Prochaska, Institut für Geowissenschaften, Montanuniversität Leoben), durch welche unter der Anwendung verschiedener petrographischer und geochemischer Methoden die Provenienz der verwendeten Gesteine geklärt werden konnte.

 

Bibliografie