T.E.NOR.

TESTIMONIA EPIGRAPHICA NORICA

Römerzeitliche Kleininschriften aus Österreich


Leitung: M. Hainzmann

Erfassung und Bearbeitung:R. Wedenig

Mitarbeit und Beratung: T. Bezeczky, V. Hasenbach, E. Schindler Kaudelka, P. Schubert, S. Zabehlicky-Scheffenegger

Projektbeschreibung

Wer sich ein umfassendes Bild von den Schriftzeugnissen der Römerzeit in Österreich machen will, kann die sogenannten Kleininschriften als zahlenmäßig größte Gruppe nicht ignorieren. Zu dieser heterogenen Quellenkategorie werden sowohl handschriftliche Ritzungen und Pinselaufschriften auf diversen Objekten - insbesondere des Hausrates (instrumentum domesticum) - gezählt als auch gestempelte Herstellermarken auf lokal produzierten (z.B. Ziegel, Töpfereiprodukte) oder importierten Gegenständen (z.B. Tafelgeschirr, Transportbehälter, Metallgerät, Schmuck). 

Als unmittelbare Hinterlassenschaften des Privat- und Wirtschaftslebens besitzen Kleininschriften einen hohen Stellenwert, auch wenn ihnen der repräsentative oder urkundliche Charakter vieler Stein- und Bronzeinschriften fehlt. Dafür dokumentieren sie sonst kaum überlieferte Aspekte der antiken Alltagswelt, beispielsweise Schreibkundigkeit, örtliches Bevölkerungskolorit, private Religiosität, familiäre Besitzverhältnisse, Betriebsstrukturen, Handelsverbindungen oder lokales Marktgeschehen, um nur einige zu nennen. 

Für die umfassende Analyse wird eine lückenlose Erhebung, für die Suche nach Parallelen eine adäquate Bild- und Textdokumentation benötigt. Bei der Mehrzahl der beschrifteten Artefakte dreht es sich um Kleinfunde, wie sie häufig im Rahmen archäologischer Materialvorlagen ediert werden. Allerdings existiert noch keine vollständige Sammlung der Kleininschriften nach einheitlichen Kriterien. Das 1987 in Graz gestartete Datenbankprojekt soll hier Abhilfe schaffen. Zunächst werden die Kleininschriften aus dem Gebiet der Provinz Noricum erfaßt, die sich in den öffentlichen Sammlungen der Bundesländer Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol und Niederösterreich befinden.

Arbeitsschritte sind das Sichten des Materials vor Ort und die Dokumentation per Autopsie, sowie die Eingabe, Bearbeitung (Erstellen von Indices) und Veröffentlichung von Textdaten (Online- oder Printversion). Die Datenbank ist ein aus epigraphischer Sicht konzipiertes Arbeitsinstrument, dessen unkomplizierter Aufbau eine rasche Materialaufnahme begünstigt.

Das ergänzend angelegte Bildarchiv (Fotos, Abreibungen, maßstäbliche Zeichnungen und Skizzen) ist für die Kontrolle und Veranschaulichung der Lesungen unabdingbar, auch wenn keine vollständige archäologische Dokumentation der Schriftträger angestrebt wird.

Neben der laufenden Erfassung von Sammlungsbeständen ist eine Komplettierung der Datenbank (bisher über 15.000 Kleininschriften) durch eine systematische Literaturrecherche hinsichtlich verlorener oder verschollener Stücke erforderlich. Eine Aktualisierung unter Einbeziehung von Neufunden erfolgt nach Maßgabe des abgesteckten Projektrahmens.

Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Analyse diverser Kleininschriften nach speziellen Gesichtspunkten (wie Fundstelle, Materialgruppe, Inschriftentyp etc.) im Zuge von Vorträgen, Expertisen und wissenschaftlichen Beiträgen.