Bei der Aufteilung der großen internationalen Forschungsvorhaben im 19. Jahrhundert übernahm die Österreichische Akademie der Wissenschaften im Jahre 1890 die Herausgabe der griechischen und lateinischen Inschriften des antiken Kleinasien, während in Parallele dazu die Preußische [jetzt Berlin Brandenburgische] Akademie der Wissenschaften die Veröffentlichung der griechischen Inschriften des Mutterlandes und des Westens begann. Zur Herausgabe dieser in der heutigen Türkei gefundenen Inschriften gründete die ÖAW eine Kommission für die Archäologische Erforschung Kleinasiens und rief das Großprojekt der Tituli Asiae Minoris (TAM) ins Leben. In wachsendem Maße trat zur Epigraphik, der Inschriftenkunde, die altertumswissenschaftliche Erforschung Kleinasiens, da die Auswertung der Inschriften immer mehr mit einer solchen verschmolzen ist. Daher wurden in Ergänzung zu den TAM 1966 als eigenes Forum die Reihe der Ergänzungsbände zu den Tituli Asiae Minoris (ETAM) und 1991 die der Veröffentlichungen der Kleinasiatischen Kommission (VKK) eingeführt, die in einer sonst nicht vorhandenen Weise kleinasiatische Altertumskunde bis ins Detail erarbeiten.

Die Hauptzielrichtung der Forschungen der Kommission ist die epigraphische, aber ebenso die altertumskundliche, archäologische und historische Erforschung des antiken Kleinasien. Das ist ein außerordentlich weit gespannter Rahmen, innerhalb dessen je nach Forschungslage und neuen Forscherpersönlichkeiten Platz ist für Veränderungen des jeweiligen Schwerpunkts, innovatives Angreifen plötzlich aktuell werdender Fragestellungen und auch für dynamische Fortführung begonnener Projekte oder den Beginn neuer Vorhaben. Das geschieht etwa durch den Abschluss und die Publikation von Manuskripten. In den Surveys, deren Schwerpunkt derzeit in Lykien, Lydien und Westkilikien liegt, wird sich erst in einigen Jahren konkret ergeben, ob die betreffende Landschaft ausgeschöpft ist und eine andere an ihre Stelle treten kann. Eine Erhöhung der Zahl der jährlichen Surveys wird finanziell sehr schwierig sein, kann aber in ganz neuen Situationen (drohender Verlust antiker Denkmäler) zur dringenden Notwendigkeit werden. Jede Möglichkeit zur Kooperation innerhalb der Scientific Community wird ergriffen werden, ob nun die Kommission selbst an Wissenschaftler herantritt oder von außen Projekte an sie herangetragen werden. Jegliche Arbeit, neu oder fortgesetzt, hat natürlich das neueste Fundmaterial zu berücksichtigen. 

Einen grundsätzlichen Vorrang genießt die Corpus-Arbeit an den TAM, soweit in Österreich und international Mitarbeiter für diese entsagungsvolle Tätigkeit gewonnen werden. Die ständige Publikation neuer Ergebnisse und Sammlungen gehört zu den Hauptaufgaben der Kommission, da dadurch die Scientific Community der Altertumsforscher in der Welt ein stets wachsendes Material von oft ganz besonderer Bedeutung erhält, auf dem ein Vordringen in neue Erkenntnisse und Fragestellungen gewährleistet wird.

Im Rahmen dieses Prioritätenkatalogs reagiert aber die Kommission stets sensibel auf neue Erfordernisse. Ob sich zusätzlich zu den bisherigen Kooperationspartnern neue ergeben werden, wird von den jeweiligen Situationen der Forschung abhängig sein, ebenso ist die Kommission neuen Ideen stets bereitwillig offen, wie es sich in den letzten Jahren bei der vom damaligen Obmannstellvertreter k. M. P. Herrmann angeregten Fortsetzung des Nachdruckes der Kleinen Schriften Adolf Wilhelms sowie bei der vom derzeitigen Obmannstellvertreter k. M. P. R. Franke beigesteuerten Idee eines "Lexikons der Aufschriften auf griechischen Münzen" gezeigt hat. Anders als in den Naturwissenschaften kann es keine auf lange Zeit zu planende und zu berechnende Versuchsserie geben, sondern jede Arbeit ist vom unvorhersehbaren Fund abhängig.

Unsere Partnerfächer sind fast alle Disziplinen der klassischen Altertumswissenschaft: allgemeine Epigraphik, Alte Geschichte, Altertumskunde, Numismatik, Klassische Philologie, Archäologie und Kunstgeschichte, Indogermanistik, Byzantinistik, Religionsgeschichte, Hethitologie. Da alle diese Fächer, auch in ihren verschiedenen Standorten, eigene Schwerpunkte unter eigenen Rahmenbedingungen besitzen, ist immer die Bereitschaft zu ad hoc auftretenden Synergien anpassungsfähig und lebendig offen zu halten.