Musik spielt in Selbstverständnis und Repräsentation der Dynastie der Habsburger eine wichtige Rolle. Zentren der Musikpflege sind die diversen Hofkapellen, die schon an den mittelalterlichen Höfen existierten. Verbunden mit einem Wandel in Selbstverständnis und Repräsentation der Herrscher zu Beginn der Frühen Neuzeit war eine Verstärkung der öffentlichen Präsenz sowie die Schaffung von Kunstwerken, durch die „für alle Zeiten“ die Memoria und der Ruhm des Fürsten und seiner Familie gesichert sei. Musik und eine nun vermehrt auch bei weltlichen Anlässen auftretende Hofmusikkapelle spielen in diesen Präsentationen eine wichtige Rolle.

Maximilian I. war der erste Kaiser, der offensiv diese neuen Möglichkeiten nützte und dementsprechend seine Hofmusik 1498 reorganisierte. Die Kontinuität und Konstanz, mit der die Habsburger seit Ferdinand I. und Ferdinand II. v. a. ab 1619/20 in Wien ihre Hofkapelle ausbauten und zu einer der führenden Kapellen Europas machten, hat zu ihrem Nimbus der „Einzigartigkeit“ beigetragen, der spätestens ab der Zeit Leopolds I. in Berichten aus Wien und vom Wiener Hof weit über die Grenzen des Reiches getragen wurde. Wie weit hier Mythos, gelungene Staats- bzw. Dynastiepropaganda und Realität sich vermengten, ist kritisch zu hinterfragen. Die junge Musikwissenschaft an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hat daraus jedenfalls ein „musikalisches Heldenzeitalter“ konstruiert, in dem Prinz Eugen Johann Joseph Fux an die Seite gestellt wurde. Obwohl sich die Habsburger ab der Mitte des 18. Jahrhunderts in ihren künstlerischen Produktionen immer stärker aus der Öffentlichkeit zurückzogen, die Hofmusikkapelle zu ihren Wurzeln, dem Kirchendienst, zurückkehrte und andere Formen der Repräsentation von Dynastie, Staat und Macht entwickelt wurden, blieb die Hofmusikkapelle sowie der Mythos von der einzigartigen Musikliebe und musikalischen Begabung der Habsburger als Teil der österreichischen Identität auch in der Republik bestehen.

Die Arbeiten an diesem Projekt beschäftigen sich einerseits in Einzelstudien mit Aspekten der Musikpflege an den österreichischen Höfen des Hauses Habsburg und deren Wechselwirkung sowohl mit den Adelshöfen innerhalb der habsburgischen Länder als auch mit dem europäischen Höfe-Netzwerk. Einen weiteren Aspekt des Projektes stellen – in Verbindung zum Schwerpunkt „Habsburgische Repräsentation“ des IKM – Forschungen zu Relevanz und zeremonieller Einbettung von Musik an den Höfen dar; neben Fragen nach Spezifika von Stil und Gattungen (Stichwort: „Kaiserstil – Imperialstil“) sollen auch sozialgeschichtliche Aspekte zu Aufgaben und Funktion der Musiker und Künstler sowie deren Einbettung in den Hof erforscht werden.

Publikationen zum Projekt

Publikationen zum Projekt

  • Mader-Kratky, Anna; Hilscher, Elisabeth (2020) Die gespiegelte Inszenierung? Repräsentation und Hierarchie im Theaterparterre am Wiener Kaiserhof in mariatheresianischer Zeit. In: Scharrer, Margret; Laß, Heiko; Müller, Matthias (Hrsg.), Musiktheater im höfischen Raum des frühneuzeitlichen Europa. Hof - Oper - Architektur (Musiktheater im höfischen Raum. Internationale Tagung des Rudolstädter Arbeitskreises zur Residenzkultur in Zusammenarbeit mit der Stiftung Schloss Friedenstein, 27.-29. Oktober 2016, Schloss Friedenstein in Gotha) In Reihe: Höfische Kultur interdisziplinär. Schriften und Materialien des Rudolstädter Arbeitskreises 1; Heidelberg: University Publishing, S. 461-492.
  • Hilscher, Elisabeth (2019) Germania, quid ploras, Musica, cur siles? - Deutschland, was weinst du, Musik, warum schweigst du? - Trauermotetten und musikalische "memoria" für Maximilian I. In: Haltrich, Martin (Hrsg.), Des Kaisers neuer Heiliger. Maximilian I. und Markgraf Leopold III. in Zeiten des Medienwandels. Begleitband zur Jahresausstellung 2019 im Stift Klosterneuburg; Klosterneuburg: Stift Klosterneuburg, Eigenverlag, S. 93-95.
  • Hilscher, Elisabeth (2018) Wer glaubt was?. Internationale Barocktage Stift Melk, Bd. 2018, S. 40-44.
  • Hilscher, Elisabeth (2018) Mond und Sterne - Weltenraum. Internationale Barocktage Stift Melk, Bd. 2018, S. 65-68.
  • Hilscher, Elisabeth (20.04.2018) Maria Theresia und die Kirchenmusik. magazin Klassik (4/2017), S. 5-6.
  • Hilscher, Elisabeth (2018) Gesamtkunstwerk Barockoper. Wiener Staatsoper. Programme, Bd. Premieren 2018, Ariodante, S. 37-41.
  • Hilscher, Elisabeth (2017) Von barocker Repräsentation zum Kommerz? Musik und Musikleben zur Zeit Maria Theresias. In: Iby, Elfriede; Mutschlechner, Martin; Telesko, Werner; Vocelka, Karl (Hrsg.), Maria Theresia 1717-1780. Strategin, Mutter, Reformerin (Austellungskatalog Schloß Schönbrunn / Kunsthistorisches Museum Wien), 2. Aufl.; Wien: Amalthea, S. 160-165.
  • Hilscher, Elisabeth (2017) Die fünfte Jahreszeit, Oder: Das neue Leben des alten Vivaldi. Wiener Volksoper. Programme, Bd. Premieren 2017, Vivaldi - die fünfte Jahreszeit, S. 16-28.
  • Hilscher, Elisabeth Theresia (29.05.2017) Die Mannheimer Schule. Eine Einführung. Magazin Klassik (5 / Sommer 2017), S. 20-21.
  • Hilscher, Elisabeth (2017) Von barocker Repräsentation zum Kommerz? Musik und Musikleben zur Zeit Maria Theresias. In: Iby, Elfriede; Mutschlechner, Martin; Telesko, Werner; Vocelka, Karl (Hrsg.), Maria Theresia 1717-1780. Strategin, Mutter, Reformerin (Austellungskatalog Schloß Schönbrunn / Kunsthistorisches Museum Wien); Wien: Amalthea, S. 160-165.
  • Hilscher, Elisabeth Theresia (2017) Maria Theresia und die Musik. Österreichische Musikzeitschrift, Bd. 72, 1, S. 13-18.
  • Hilscher, Elisabeth Theresia (01.02.2017) Maria Theresia und die Kirchenmusik. Magazin Klassik (4 / Frühjahr 2017), S. 5-6.
  • Fritz-Hilscher, Elisabeth (2016) Wie man Hofkapellmeister wird. Akquisition und Karrieremodelle für musikalische Spitzenkräfte am Kaiserhof. In: Ammerer, Gerhard; Hannesschläger, Ingonda; Hlavacka, Milan; Holy, Martin (Hrsg.), Präzedenz, Netzwerke und Transfers. Kommunikationsstrukturen von Herrscherhöfen und Adelsresidenzen in der Frühen Neuzeit.; Leipzig: Universitätsverlag, S. 134-148.
  • Hilscher, Elisabeth (07.09.2016) Leopold I., Herrscher mit Leier und Schwert. Stretta (August/September 2016), S. 11-13.
  • Hilscher, Elisabeth (2014) Als Bruckner 1854 die kaiserliche Braut - doch nicht - begrüßen durfte. Oder: Über einen Männerchor mit merkwürdiger Bläserbegleitung ("Laßt Jubeltöne laut erklingen", WAB 76). In: Theophil Antonciek, Andreas Lindner, Klaus Petermayr (Hrsg.), Bruckners Verhältnis zur Blas- und Bläsermusik. Symposion 2012, Bericht (Bruckners Verhältnis zur Blas- und Bläsermusik. Bruckner-Symposion 2012) In Reihe: Bruckner-Symposion. Berichte, hrsg. v. Theophil Antonciek, Andreas Lindner, Klaus Petermayr; Linz: Anton Bruckner Institut Linz / Musikwissenschaftlicher Verlag, S. 115-133.
  • Hilscher, Elisabeth (2014) Die großen Oratorien-Produktionen der "Tonkünstler-Societät" in Wien - Kontrapunkt oder Nachfolger der höfischen Oratorienpflege des Barock?. Musicologica Brunensia, Bd. 49 (Heft 1), S. 211-234.
  • Fritz-Hilscher, Elisabeth (2013) Linz 1636 - aus dem Reisebericht des William Crowne. Zum Linzer Jesuitentheater und zur Geschichte von Linz in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (mit einer Übertragung des Jesuitendramas S. Aloisius durch Hubert Reitterer und Elisabeth Fritz-Hilscher). In: Klaus Petermayr, Andreas Lindner (Hrsg.), Streifzüge III. Beiträge zur oberösterreichischen Musikgeschichte; Linz: Oberösterreichisches Volksliedwerk/Anton Bruckner Institut Linz, S. 31-65.
  • Fritz-Hilscher, Elisabeth (2013) Dynastie - Staat - Identität. Panegyrische topoi in den Opern und componimenti musicali für Karl VI. In: Petr Macek, Jana Perutková (Hrsg.), The Eighteenth-Century Italian Opera Seria. Metamorphoses of the Opera in the Imperial Age (42.th International Musicological Colloquium: the Eighteenth-Century Italian Opera Seria, Dietrichstein Palace, Brno, 24-26 September 2007) In Reihe: Colloquium Musicologicum Brunense 42; Praha: KLP - Koniasch Latin Press, S. 11-19.
  • Fritz-Hilscher, Elisabeth (2013) Der Traunwart-Johann. Erzherzog Johann Salvator bzw. Johann Orth - ein hoffnunglos Vielbegabter. In: Kurt Druckenthaner, Stephan Gaisbauer, Klaus Petermayr (Hrsg.), Seegang. Ergebnisse einer Feld-, Fels- und Wasserforschung am Traunsee; Linz: Oberösterreichisches Volksliedwerk, Stifterhaus, S. 231-238.
  • Fritz-Hilscher, Elisabeth (2013) Musik im Dienste einer Staatsidee. Aspekte höfischen Musiklebens zwischen 1735/1740 und 1745. In: Fritz-Hilscher, Elisabeth (Hrsg.), Im Dienste einer Staatsidee. Künste und Künstler am Wiener Hof um 1740; Wien-Köln-Weimar: Böhlau, S. 209-225.

Vorträge zum Projekt

Vorträge zum Projekt

  • 08/11/2006 , Wien
    Elisabeth Fritz
    Antonio Salieri und der Wiener Hof
    Antonio Salieri - Zeitgenosse W. A. Mozarts, Hofkapellmeister und Musikpädagoge
  • 14/10/2005 , Seggau bei Leibnitz/Steiermark
    Fritz Elisabeth Th.
    Musik und Hofmusikkapelle im Zeremoniell der Habsburger-Höfe des frühen 18. Jahrhunderts
    Johann-Joseph-Fux-Symposion 2005

 

 


Projektleitung und Kontakt

Dr. Elisabeth Hilscher


Laufzeit

seit 2008


Finanzierung