Die Tradition des italienischen Oratoriums im Wien des 17. und 18. Jahrhunderts. Internationale Konferenz

Die internationale Konferenz hat zum Ziel, die Entwicklung des Oratoriums in Wien zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert umfassend und interdisziplinär zu erforschen, wobei idealerweise die Produktionen von Nicolò Minato und Pietro Metastasio als zeitliche Grenzen dienen.

Seit der Ära Leopolds I. verbreitete sich das Genre des geistlichen Dramas auch in der kaiserlichen Residenz als spektakuläres Element eines ohnehin schon reichen liturgischen Kalenders, besonders intensiv während der Feierlichkeiten im Advent, der Fastenzeit und der Karwoche. So wurde Wien bald zu einem der wichtigsten Zentren für die Produktion und Verbreitung einer großen Vielfalt an sakralen dramatischen Formen wie dem Oratorium, dem Componimento sacro, der Azione sacra oder der Sacra Rappresentazione, insbesondere der Darstellung vor dem Heiligen Grab.

Die Gattung, die mit der Idee der Prachtentfaltung des kaiserlichen Hofes und der Darstellung der Pietas austriaca verbunden war, wurde von den wichtigsten am Hof tätigen Dichtern wie Minato, Apostolo Zeno, Pietro Pariati und Metastasio sowie von Komponisten wie Antonio Draghi, Giovanni Bononcini, Johann Joseph Fux, Antonio Caldara, Giuseppe Porsile und vielen anderen gepflegt. Die Konferenz soll sich durch eine interdisziplinäre Herangehensweise an das Thema auszeichnen und sich zwischen Musikwissenschaft, romanischer Philologie und Theologie bewegen.

Vorschläge für Beiträge zu den folgenden Forschungsbereichen sind besonders willkommen:

  • die Entstehung des dramatischen Textes: von der katholischen geistlichen Tradition zum Oratorienlibretto (hagiographische und literarische Quellen);
  • die didaktische Funktion des geistlichen Librettos;
  • die Rhetorik der Affekte zwischen dem poetischen Text und der Vertonung;
  • das Oratorium als Vehikel für politisch-ideologische Botschaften im Zusammenhang mit der Verherrlichung des Hauses Habsburg;
  • die Orte der Oratorienaufführung in Wien: kleinere Zentren wie Frauenklöster und Freilichtbühnen neben der Hofkapelle als Zentrum des liturgischen Gottesdienstes der kaiserlichen Familie;
  • die geistliche Dichtungsproduktion im soziokulturellen Kontext der Frühaufklärung.

Die offiziellen Sprachen der Konferenz sind Italienisch, Englisch und Deutsch.

Bitte senden Sie Ihre Vorschläge für Beiträge (mit einem Abstract von 300 Wörtern und einer Kurzbiografie von 100 Wörtern) bis zum 15. Juni 2024 an die folgende Adresse: adriana.defeo(at)oeaw.ac.at

Eine Benachrichtigung über die Annahme wird bis zum 30. Juni 2024 versandt.

Die Veröffentlichung eines Sammelbandes mit einer Auswahl der auf der Tagung vorgetragenen Beiträge ist geplant.