08/18/2017

DIGITALE GEISTESWISSENSCHAFTEN 4 YOU

Das ACDH bietet Praktika an. Für die beiden Studierenden Ladina Lange und Arthur Schodterer eine ideale Möglichkeit, um aus nächster Nähe zu erleben, wie digitale Methoden in den Geisteswissenschaften entwickelt werden.

Wer studiert will später vielleicht auch einmal in der Forschung arbeiten. Ein Praktikum bietet daher einen guten ersten Einblick in den Alltag von Wissenschaftler/innen. Studierende erhalten so die Möglichkeit, sich beruflich zu orientieren und können erste Kontakte für einen Berufseinstieg nach dem Studium knüpfen. In der geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung sind Praktikumsplätze jedoch gar nicht so leicht zu finden.

Am ACDH ist das anders. Wir bieten jedes Jahr in den Monaten Februar, Juli, August und September die Möglichkeit, ein mehrwöchiges Praktikum zu absolvieren. Damit sollen Studierende in ihrer Berufsfindung gezielt unterstützt und ihnen Perspektiven in den digitalen Geisteswissenschaften eröffnet werden.

Mittendrin statt nur dabei

„Das Praktikum hier am Institut ist sehr frei gestaltet. Man kann seine Interessen kundtun und wird dann einem Projekt zugeteilt“, erzählt Ladina Lange. Die gebürtige Schweizerin hat ihr Praktikum am ACDH Mitte Juli begonnen. An der Universität Wien macht sie gerade ihren Master in Arabistik. Der Fokus liegt dabei auf arabischen Dialekten. Über ihre Motivation Sprachwissenschaften zu studieren erzählt sie: „Ich habe mich schon immer für Sprachen interessiert. Die arabische Schrift zu lernen ist relativ einfach, aber die Grammatik ist recht schwierig.“ Sie selbst spricht libanesisches Arabisch, da sie ein halbes Jahr in Beirut studiert hat.

„Das Praktikum ist sehr vielfältig und durch die Gespräche mit den Forscherinnen und Forschern am Institut habe ich sehr viel Neues erfahren.“

Am ACDH ist Ladina Lange daher in ein Projekt eingegliedert, das arabische Dialekte erforscht. „Das Projekt heißt VICAV und wird von Direktor Karlheinz Mörth betreut“, so Lange. VICAC steht für Vienna Corpus of Arabic Varieties und ist eine Kooperation zwischen dem Institut für Orientalistik der Universität Wien und dem ACDH. Es soll einerseits als virtuelle Forschungsplattform dienen, die auf die besonderen Bedürfnisse der arabischen Dialektologie abzielt, andererseits sollen neu entwickelte texttechnologische Methoden und Werkzeuge getestet werden.


„Mir hat das Praktikum sehr gut gefallen. Es ist sehr vielfältig und durch die Gespräche mit den Forscherinnen und Forschern am Institut, habe ich sehr viel Neues erfahren. Auch war ich sehr frei hinsichtlich der Einteilung“, sagt Ladina begeistert. Ihre ursprünglichen Ziele, durch das Praktikum herauszufinden, was sie nach ihrem Master machen könnte und Kontakte zu knüpfen, hat sie damit erreicht. „Ich weiß nun, welche Tools hier angeboten und entwickelt werden. Für meine Studien könnte ich immer wieder hierher zurückkommen und die Tools verwenden“, resümiert Lange.

Werkstattgespräche mit Forschenden

Ähnliche Erfahrungen hat auch ihr Kollege Arthur Schodterer gemacht. „Ich habe von der Möglichkeit hier ein Praktikum zu machen durch Martina Werner gehört, die am ACDH ein sprachwissenschaftliches Projekt leitet“, erzählt der Wiener. „Martina hat an der Universität Wien, wo ich gerade meinen Bachelor in Germanistik mache, ein Proseminar gehalten.“ Nun arbeitet Schodterer bei Werners Projekt mit.

„Mich interessieren die Sprachwissenschaften allgemein und aus dem Blickwinkel des Deutschen. In dem Projekt geht es um Nominalisierungen. Nehmen wir etwa das Wort drehen – aus diesem können die Nomen Drehung oder Drehen gebildet werden“, erklärt Schodterer. Wird ein Verb zu einem Nomen umgewandelt, spricht man von einer Nominalisierung. Die Nominalisierung des Infinitivs, also der Grundform des Verbs, tritt besonders häufig im zeitgenössischen Deutsch auf. „Meine Aufgabe ist es unter anderem in einem Corpus nach solch einer Spracherscheinung zu suchen und diese dann statistisch auszuwerten.“

„Das Praktikum ist sehr vielfältig und durch die Gespräche mit den Forscherinnen und Forschern am Institut habe ich sehr viel Neues erfahren.“

Arthur Schodterer steht erst am Beginn seines einmonatigen Praktikums, aber schon jetzt sagt er: „Mir gefällt das Praktikum sehr gut und ich lerne sehr viel. Besonders spannend finde ich die Meet the Researchers-Treffen.“ In eigenen, für die ACDH-Interns organisierten Werkstattgesprächen, erklären die Forscher/innen am Institut ihre Arbeit, die Methoden die sie dafür anwenden und erzählen von ihrem eigenen wissenschaftlichen Background.

Wer sich nun selbst für ein Praktikum am ACDH interessiert muss sich noch etwas gedulden. Für dieses Jahr sind bereits alle verfügbaren Plätze ausgebucht. Aber für Februar 2018 werden Bewerbungen bereits angenommen. Mehr unter www.oeaw.ac.at/acdh/team/internships/