Historische Demographie und Geschichte der Bevölkerungswissenschaft

Bevölkerungsentwicklung in Österreich seit 1819

Isabella Buber-Ennser, Richard Gisser

Ziel dieses Projekts ist die Analyse der demographischen Struktur und Dynamik in Österreich in den letzten zwei Jahrhunderten auf Basis möglichst geschlossener und konsistenter bevölkerungsstatistischer Langzeitreihen. Wichtige Schritte sind die Schließung inhaltlicher Informationslücken, die Herstellung über die Zeit hinweg vergleichbarer Gebietsstände und die Schätzung modernen Ansprüchen genügender demographischer Indikatoren. Hierzu werden systematisch historische Daten über Bevölkerungsstände sowie Geburten, Sterbefälle, Eheschließungen und Scheidungen aus der amtlichen Statistik elektronisch erfasst und aufgearbeitet. Die Analyse und Präsentation der Daten soll mittels der von Gérard Calot (Observatoire Démographique Européen) entwickelten Software SYSCODEM und anderer Programme erfolgen. Als Produkte sind Analysetabellen und ein demographischer Atlas für Österreich geplant. Der Datenbestand soll in weiterer Folge jährlich aktualisiert werden, um demographische Trends erkennen und in ihrer historischen Dimension interpretieren zu können.

Einwohner- und Häuserzahlen nach Gemeinden seit 1500 (?)

Kurt Klein

In langjähriger intensiver Archivarbeit hat Kurt Klein, Vizepräsident a.D. des Österreichischen Statistischen Zentralamtes, die Bevölkerungs- und Häuserzahlen aller Ortschaften in den österreichischen Bundesländern und Südtirol seit Beginn der Neuzeit zusammengestellt und auf den heutigen Gebietsstand der Gemeinden umgerechnet. Entsprechend der jeweiligen Quellenlage sind die vorhandenen Stichjahre je nach Land in der Zeit vor den modernen Volkszählungen unterschiedlich. Die Daten sind auf der Website des VID abrufbar und werden sowohl durch allfällige neue Archivquellen als auch durch aktuelle amtliche Statistiken periodisch aktualisiert. Damit stehen den Interessierten topographisch-statistische Angaben über mehr als fünf Jahrhunderte zur Verfügung.  Daten

Bevölkerungswissenschaft in Österreich in der Zwischen-kriegszeit (1918-1938): Personen, Institutionen, Diskurse

Gudrun Exner, Josef Kytir, Alexander Pinwinkler

In dem vom FWF geförderten Projekt wird die Bevölkerungswissenschaft in Österreich von 1918 bis 1938 analysiert. Die Studie befasst sich unter anderem mit dem Leben und Werk des bedeutendsten Demographen der Zwischenkriegszeit, Wilhelm Winkler. Unter „ Personen“ finden sich weiters Darstellungen über Julius Tandler, Wilhelm Hecke, Rudolf Goldscheid, Heinrich Reichel, Oda Oldenberg und andere Frauen sowie deren bevölkerungspolitische Konzepte. Der Abschnitt „ Institutionen “ bringt eine Bestandsaufnahme der wichtigsten bevölkerungs­wissenschaftlichen Einrichtungen der Zwischenkriegszeit: das Bundesamt für Statistik, die Universitäten, die Vereine und Publikationsorgane. Im Kapitel „ Diskurse “ wurden unter anderem der Diskurs über den Geburtenrückgang und die Teilnahme österreichischer Bevölkerungswissenschaftler an internationalen Tagungen, insbesondere des ISI und der IUSIPP, untersucht. http:/ www.oeaw.ac.at/vid/p_volumes.shtml

Bevölkerungsstatistik in Österreich 1938 bis 1955

Gudrun Exner, Peter Schimany

Das FWF-geförderte Forschungsvorhaben untersucht, ob und inwieweit die „großdeutsche“ Volkszählung 1939 in Österreich Datenmaterial für die Erstellung von Deportationslisten lieferte. Eine weitere zentrale Fragestellung zielt auf die personellen, institutionellen und diskursiven Kontinuitäten und Diskontinuitäten für die Zeit von 1938 bis 1945 bzw. von 1945 bis 1955 ab. Von Bedeutung ist auch die Frage nach der personellen, institutionellen und diskursiven Vernetzung von Bevölkerungsstatistik und -wissenschaft zwischen Österreich und Deutschland in der Zeit des Dritten Reiches. So wurden die Volkszählung 1939, der Aufbau der zentralen amtlichen Statistik, die Lebensläufe und Publikationen der wichtigsten handelnden Persönlichkeiten in den Jahren 1938-1945 und der Niedergang der (Bevölkerungs-)Statistik in den Kriegsjahren in allen Details nachgezeichnet.

 

 

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