Donnerstag, 26. Januar 2017, 16:00

Flucht und Bildung bei den südostasiatischen Karen

Flucht erschwert es, die Beziehungen zwischen den Generationen aufrecht zu erhalten – mit negativen Folgen für die Bildung. Die Sozialwissenschaftlerin Pia Jolliffe analysiert die Probleme bei der Weitergabe von Wissen bei vertriebenen Angehörigen der Karen, einer ethnischen Gruppe aus Burma/Myanmar.

Die im nördlichen Bergland von Burma/Myanmar lebenden Karen sind in einen langwierigen Konflikt mit der Zentralregierung verstrickt. Viele Karen sind deshalb in das benachbarte Thailand oder auch nach Großbritannien geflohen, um sich ein neues Leben aufzubauen. Die Sozialwissenschaftlerin vom Oxford Institute of Population Ageing, Pia Jolliffe, hat sich mit den Lebensbedingungen von geflüchteten Mitgliedern der Karen auseinandergesetzt und vor allem ihre Haltung zum Lernen analysiert.

Auf Einladung des ÖAW-Instituts für Sozialanthropologie spricht sie im Rahmen der ISA International Guest Lectures über „The ‚Gift of Education and Intergenerational Relations among the Karen People“. Sie wird ihre Erkenntnisse aus den Lebensverlaufsstudien mit den Karen vorstellen, die Bildung als das Annehmen eines „Geschenkes“ wahrnehmen. Die Lernenden sehen es als notwendigen Ausgleich an, dieses Geschenk später weiterzugeben beziehungsweise ihr Wissen zum Wohl der Älteren einzusetzen. Jenen Ausgleich zu praktizieren, ist aber als Flüchtling nahezu unmöglich, wie Pia Jolliffe im Zuge ihrer Arbeit mit den Karen erkannt hat.