07.01.2017

Nobelpreisträger, Maria Theresia und die Digitalisierung

Wissenschaftsinteressierte erwartet 2017 ein reichhaltiges Programm an der ÖAW. Einige Highlights des Jahres, die man sich bereits jetzt im Kalender vormerken sollte.

© Klaus Pichler/CeMM/ÖAW
© Klaus Pichler/CeMM/ÖAW

Ob Physik-Nobelpreisträger Carlo Rubbia, der 300. Geburtstag von Maria Theresia oder die Zukunft der Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung – auch 2017 bietet die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ein spannendes und vielfältiges Veranstaltungsprogramm für alle an Wissenschaft und Forschung interessierten Menschen. Eine Auswahl von Highlights zum Start in das Wissenschaftsjahr 2017.

© CERN

Physik-Nobelpreisträger Carlo Rubbia spricht in Wien

Die Entdeckung der sogenannten W- und Z-Bosonen im Jahre 1983 war einer der größten Erfolge des europäischen Kernforschungszentrums CERN und sorgte für ähnliches Aufsehen wie das berühmte Higgs-Teilchen knapp dreißig Jahre später. Einer der Entdecker der W- und Z-Bosonen war der italienische Physiker Carlo Rubbia. Gemeinsam mit seinem niederländischen Kollegen Simon van der Meer erhielt er dafür im Jahre 1984 den Nobelpreis für Physik. Von 1989 bis 1994 war Rubbia selbst Generaldirektor des CERN und machte sich dort auch um eine Erfindung verdient, die heute die Welt prägt: das World Wide Web, das der CERN-Mitarbeiter Tim Berners-Lee ab 1989 entwickelte. Aktuell befasst sich Rubbia mit der Energieversorgung der Zukunft und der verbesserten Erschließung von erneuerbaren Energiequellen, wie der Solarenergie. Am 25. Jänner 2017 ist Carlo Rubbia für einen Vortrag im Festsaal der ÖAW zu Gast.

© SeanPavonePhoto

Technik im Fokus

Von Robotik bis Big Data über neue Materialien bis hin zu biomedizinischer Technologie: Die aktuellen Viktor Kaplan Lectures der ÖAW widmen sich 2017 ganz den Entwicklungen und Durchbrüchen in den Technikwissenschaften. Andreas Kugi von der TU Wien erzählt von den Fortschritten bei „Automatisierung und Robotik“ (22. Februar), Georg Gottlob von der University of Oxford befasst sich mit der Datensammelwut im Internet unter dem Titel „Big Data from the Web“ (22. März), Kerstin Thurow von der Universität Rostock betrachtet „Das Labor der Zukunft“ (5. April), TU-Braunschweig-Forscherin Laura de Lorenzis wirft einen Blick auf die „Numerische Mechanik komplexer Materialien“ (10. Mai) und Ralph Müller von der ETH Zürich geht bei seinem Vortrag „Vibrationstherapie oder wie die Knochen hören lernten“ aktuellen Entwicklungen der Biomechanik auf den Grund (31. Mai). Die Vorträge finden jeweils um 18.15 Uhr im Festsaal der ÖAW statt, die Reihe ist benannt nach dem österreichischen Ingenieur und Erfinder Viktor Kaplan (1876–1934). 

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300 Jahre Maria Theresia

Das Jahr 2017 steht ganz im Zeichen des 300. Geburtstags von Kaiserin Maria Theresia. Auch das Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen der ÖAW beteiligt sich an Aktivitäten zum Jubiläumsjahr. Werner Telesko, Direktor des Instituts, ist einer der Kuratoren der Ausstellung „Familie und Vermächtnis“ im Wiener Hofmobiliendepot, die sich von 15. März bis 29. November 2017 der dynastischen Heiratspolitik und dem Schicksal der Kinder der Kaiserin widmet. Mit der berühmten Regentin befasst sich vom 29. bis 31. März auch eine internationale Konferenz an der ÖAW und dem Kunsthistorischen Museum Wien, die unter dem Titel „Kaiserin Maria Theresia (1717–1780). Repräsentation und visuelle Kommunikation“ die Inszenierung ihrer Herrschaft in Kunst und Medien in den Blick nimmt.

© Klaus Pichler/ÖAW
© Klaus Pichler/ÖAW

Sprachvielfalt des Mittelalters

Was heute Englisch ist, war im Mittelalter Latein: eine lingua franca, die Menschen verschiedenster Sprachgemeinschaften erlaubte, miteinander zu kommunizieren. Doch das Mittelalter steht auch für den beginnenden Aufstieg der europäischen Nationalsprachen, der sich dann im Gefolge der Reformation und der Erfindung des Buchdrucks weiter beschleunigte.

Beim Kongress „The Medieval Translator“ des Instituts für Mittelalterforschung der ÖAW diskutieren internationale Expert/innen vom 15. bis 19. März 2017 über die Entwicklung der Volksprachen Europas, Prozesse der Übersetzung und über die Frage, was aus der Weltsprache Latein wurde.

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Das Gold der Bronzezeit

Ada Tepe – dieser unscheinbare Name steht für einen archäologischen Sensationsfund. Im bulgarischen Rhodopengebirge befindet sich das älteste bekannte prähistorische Goldbergwerk Europas. Bereits um rund 1500 v. Chr. bis zum Ende der Bronzezeit um etwa 1000 v. Chr. wurde hier der Abbau des Edelmetalls betrieben. Seit Anfang 2016 erforscht ein Team um die Archäologin Barbara Horejs vom Institut für Orientalische und Europäische Archäologie der ÖAW die dort gemachten Funde in Zusammenarbeit mit den Entdeckern von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. Die Ausstellung „Das erste Gold“ am Kunsthistorischen Museum Wien zeigt nun von 7. März bis 25. Juni 2017 in Kooperation mit der ÖAW und der Bulgarischen Akademie erstmals ausgewählte Objekte aus dem Bergwerk und weitere beeindruckende Goldschätze aus der bulgarischen Bronzezeit. Die insgesamt rund 330 Exponate entführen Besucher/innen in ein „goldenes Zeitalter“ vor rund 3500 Jahren. 

© Novartis
© Novartis

Karl Landsteiner Lecture mit Open-Source Krebsforscher Jay Bradner

Woher weiß eine Krebszelle, dass sie Krebs ist? Gibt es therapeutische Ansätze, um Krebszellen dies „vergessen“ zu lassen? Diese Fragen beschäftigen Jay Bradner, früheres Fakultätsmitglied der Harvard Medical School, Mitgründer von fünf Biotechnologieunternehmen und Mitautor von mehr als 130 wissenschaftlichen Publikationen. Seit März 2016 ist er Präsident der Novartis Institutes for BioMedical Research (NIBR). Bei der Karl Landsteiner Lecture 2017 des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der ÖAW gibt Bradner am 15. Mai 2017 im Festsaal der Akademie einen Einblick in die Zukunft der Krebsforschung und des Open-Source Ansatzes in der medizinischen Forschung.

© Shutterstock.com/suphakit73
© Shutterstock.com/suphakit73

Neue Arbeitswelt und Digitalisierung

Digitale Technologien haben die Art und Weise, wie wir leben und arbeiten schon jetzt verändert. In Zukunft, so die Prognosen, werden diese Veränderungen noch tiefgreifender sein. Die transformative Macht der Digitalisierung zeigt sich besonders bei Arbeit und Beschäftigung. Künstliche Intelligenz verspricht eine dramatische Reduktion der menschlichen Arbeit, nicht nur in der Fertigungsindustrie, sondern auch bei Dienstleistungen, in der Wissensproduktion, der Bildung und im Gesundheitswesen. Kurz: Digitalisierung soll mehr Effizienz, Flexibilität und Komfort bringen. Die Jahreskonferenz des Instituts für Technikfolgenabschätzung der ÖAW nimmt am 19. Juni 2017 diese Entwicklungen und Versprechen kritisch unter die Lupe und fragt danach, wie sich der technologische Wandel im Sinne eines breiten und gerecht verteilten gesellschaftlichen Nutzens gestalten lässt. 

© NHM Wien/Kurt Kracher

Reise durch das Universum

Faszinierende Bilder, spannende Wissenschaftsexponate und begehbare Kunstinstallationen: Die Ausstellung „Wie alles begann. Von Galaxien, Quarks und Kollisionen“ des Instituts für Hochenergiephysik der ÖAW lädt noch bis 1. Mai 2017 alle Wissenschaftsfans im Naturhistorischen Museum Wien zu einer ereignisreichen Reise vom Anfang bis zum Ende unseres Universums ein. Ein Modell des riesigen Teilchendetektors am CERN im Maßstab 1:20 ist dort ebenso zu sehen wie Werke zeitgenössischer Kunstschaffender. Und auch Sportbegeisterte kommen auf ihre Kosten: sie können in der Schau Fußball mit Protonen spielen. 

© Lisa Rastl

Orte des Erinnerns

Kleine Sperlgasse 2a, Castellezgasse 35, Malzgasse 7 und 16 – diese Adressen in der Wiener Leopoldstadt sind im kollektiven Gedächtnis Österreichs kaum präsent. In der Topographie der Shoah sind es jedoch zentrale Orte. Hier haben sich in der Zeit des nationalsozialistischen Terrors vier Sammellager befunden, in denen Jüdinnen und Juden vor der Deportation interniert wurden. Eine Ausstellung der ÖAW beleuchtet noch bis 30. Juni 2017 unter dem Titel „Letzte Orte vor der Deportation“ in der Krypta im Äußeren Burgtor am Wiener Heldenplatz diese lange Zeit vergessenen Stationen des Holocaust und die Schicksale der Menschen. Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos, jeden letzten Samstag im Monat findet jeweils um 11 Uhr eine Führung durch die Kurator/innen statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.