go!digital: Ausgewählte Projekte


Glaser Collection – Open Access

Mag. Petra AIGNER, Bibliothek, Archiv, Sammlungen: Information und Service, Österreichische Akademie der Wissenschaften

The collection of the Austrian scholar and explorer Eduard Glaser (1855-1908) was acquired in 1910 by the Academy of Sciences in Vienna. The epigrapher and specialist in the South-Arabian language brought back a huge amount of medieval Arabian manuscripts, stone inscriptions, nowadays spread over Europe, and squeezes of the non-transportable ones, but also photographs and glass-negatives, diaries and notes of historical importance. The Academy owns the latter precious documents of the 1880s and 1890s and within this project they are going to be digitally preserved, scientifically investigated and linked to already available data-collections like the Digital Archive for the Study of pre-Islamic Inscriptions in Pisa. Moreover, the international scholarly community – most of the researchers in this field are abroad – could participate and benefit from the digital items, either to download in high quality or to contribute their results of research. They will mark one further step towards the integration of the History and Culture of South Arabia within the field of ancient Near Eastern studies and will help to give a fuller historical background from 1000 BCE till the rise of Islam. This applies, above all, to the glass negatives and photographs with historical significance and the five unexplored diaries with their ethnological, historical and linguistic documentation. Another part will be development of a linguistic text analyzing tool KALAM for the inscriptions written in closely related Semitic languages like Sabaic, Qatabānic, Minaic/Madhābian, and Ḥaḍramitic language that could help to better resolve illegible passages/letters, while giving the full grammatical information with translation. All these items, catalogued and searchable in a web-application, are going to be visualized in an attractive geographical map-search. A common objective and project of two other projects at the ÖAW will be to set up an infrastructure for a ‘Geoportal’ open to linked data and various other data collections, which obtain a wide range of geographical information.


Das Wien[n]erische Diarium Digitaler Datenschatz für die geisteswissenschaftlichen Disziplinen

Dr. Claudia RESCH Austrian Centre for Digital Humanities, Österreichische Akademie der Wissenschaften

Das Wien[n]erische Diarium (heute: Wiener Zeitung) liegt seit seiner Gründung 1703 als Quellenbestand geschlossen vor. An seiner Nutzung in einer digitalen Umgebung besteht großes wissenschaftliches Interesse, das aus mehreren geisteswissenschaftlichen Disziplinen hervorgeht: u.a. aus der Mediengeschichte, Kunstgeschichte, Musikgeschichte, Literaturwissenschaft, Zeremonialforschung, Namenforschung oder der historischen Linguistik. Das Ziel des vorliegenden Projekts ist es daher, in enger Zusammenarbeit mit ForscherInnen dieser Disziplinen zu untersuchen, welche Aspekte der Erschließung aus deren Sicht von besonderer gemeinsamer Relevanz sind.

Als breite Materialbasis dienen 500 Ausgaben des Wien[n]erischen Diariums verteilt über das 18. Jahrhundert, zu denen sorgfältig korrigierte, gesicherte Volltextversionen mit strukturellen Basisannotationen (TEI P5) erstellt werden. Da die weitere Erschließung – z.B. die Annotation von Personennamen, Ortsnamen oder Kunstwerken – spezielles Fachwissen voraussetzt, sind Forschende der genannten geisteswissenschaftlichen Disziplinen als ExpertInnen dazu eingeladen, ihr vorhandenes Wissen über den Text bei dessen Erschließung einzubringen.

Um diese kollaborative Erschließung zu ermöglichen, wird die Annotation der Daten in einer intuitiven webbasierten Forschungsumgebung erfolgen. Diese Architektur ermöglicht es, dass mehrere ForscherInnen Annotationen erstellen und teilen können. Die Innovation des Projekts besteht vor allem darin, dass ForscherInnen frühzeitig in den von Beginn an interdisziplinär angelegten Erschließungsprozess involviert sind. Als zukünftige NutzerInnen tragen sie mit ihrem Fachwissen zur Anreicherung des Datenschatzes bei, welcher der Forschungsgemeinschaft, aber auch interessierten Laien in der Webapplikation DIGITARIUM zur Verfügung gestellt werden soll.

Die Projektleitung ist am Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH) an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften angesiedelt; die Erstellung der Volltextversionen und die Anreicherung der Daten erfolgt in enger Kooperation mit dem Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen (IKM) der ÖAW und der Gruppe Digitalisierung und Elektronische Archivierung (DEA) am Institut für Germanistik bzw. dem Forschungszentrum Digital Humanities an der Universität Innsbruck sowie weiteren KooperationspartnerInnen und der Wiener Zeitung.


Wiener Hofburg 3D‐Quellenspeicher

Mag. Dr. Richard KURDIOVSKY, Institut für kunst- und musikhistorische Forschungen, Abteilung Kunstgeschichte, Österreichische Akademie der Wissenschaften

2004–15 fand ein fächerübergreifendes Forschungsprojekt an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) statt, das sich der Wiener Hofburg, der zentralen Residenz der habsburgischen Kaiser, widmete. Ziel war, die realisierten Bauvorhaben und nie ausgeführten Planungen, die intendierten Funktionen und die komplexen Änderungen der Nutzung dieses weitläufigen Gebäudekomplexes vom Mittelalter bis in die Gegenwart zu untersuchen. Im Rahmen des Hofburgprojekts entstand eine 3D-Rekonstruktion, die die bauliche Entwicklung der Hofburg von der Gründung im 13. Jh. bis 1835 vorstellt. Die wissenschaftliche Basis dieser Rekonstruktionen waren bauarchäologische und restauratorische Befundungen sowie die Auswertung von handschriftlichen und gedruckten Quellen (etwa Akten der zuständigen Hofbehörden und historische Reisebeschreibungen) und von rund 10.000 Bildquellen wie Veduten, Photographien, Stadtplänen und Architekturzeichnungen. Diese Medien wurden digitalisiert in einer Datenbank erfasst, die bei der wissenschaftlichen Arbeit wertvolle Dienste leistete.

Den bisherigen Zweck der 3D-Modelle, konservativ als statische Abbildungen in den Buchpublikationen des Hofburgprojekts zu dienen, wollen wir aufbrechen. Die 3D-Modelle und die hohe Zahl an bereits vorhandenen digitalen Bild- und Objektdaten der zugrundeliegenden Quellen bieten ein großes Potential sinnvoller Nutzung für künftige wissenschaftliche Forschungen, wenn sie zu interaktiv konzipierten Werkzeugen ausgebaut werden. Der Fokus liegt auf dem vernetzten Arbeiten und Datenaustausch des web 2.0 und stellt einen architekturhistorischen Beitrag für das semantic web dar. Es gilt, das Hofburg-3D-Modell für Anwendungen jeglicher Art, die sich erst entwickeln werden, vor- und aufzubereiten.

Die Architekturzeichnungen zur Hofburg sind teilweise online recherchierbar (z. B. über Albertina online), aber nur als zweidimensionale Graphiken. Der architekturhistorischen Forschung, die Fragen von der zeichnerischen Darstellung an das physische Objekt rückkoppelt, sind so enge Grenzen gesetzt. Ziel unseres Projekts, einer Kooperation der Abtlg. Kunstgeschichte des Instituts für kunst- und musikhistorische Forschungen der ÖAW, der Architektursammlung der Albertina, Wien, des Departments für Raumplanung der TU Wien und des Austrian Center for Digital Humanities der ÖAW, ist es: diese Quellenbestände mit Hilfe des Hofburgmodells zeitlich zugeordnet und georeferenziert im dreidimensionalen Raum der Hofburg zu verorten und das 3D-Modell zu einem dreidimensionalen Quellenspeicher mit syn- und diachronen Untersuchungsmöglichkeiten zu machen. Bei einem virtuellen Rundgang durch das Hofburgmodell können User/innen historisches Quellenmaterial (Architekturzeichnungen, Schriftquellen, wissenschaftliche Texte, in weiterer Folge auch Artefakte wie Gemälde, Tapisserien, Möbel etc.) „aufstöbern“ und deren verlinkte Inhalte in pop up-Fenstern aufrufen. Interaktiv sollen die Quellen durch die User/innen modifizierbar, topographisch verschiebbar, annotierbar etc. sein. Aus dieser neuen Erfahrbarkeit der Daten erwarten wir neue Sichtweisen und neues Kontextualisierungspotential: So können beispielsweise Architekturpläne gegenüber der bisherigen digitalen Darstellung (als abstrahierte und zweidimensionale Abbilder einer realen Situation) nun dreidimensional, räumlich verortet visualisiert werden. Gerade die Anschaulichkeit der virtuellen Datenablage erlaubt für die Zukunft, das virtuelle Modell mit der realen Hofburg beispielsweise als augmented reality zu verschneiden.


IllUrk (Illuminierte Urkunden) Vom elektronischen Karteikasten zur Forschungsplattform?

Dr. Martin ROLAND, Institut für Mittelalterforschung, Abteilung Schrift- und Buchwesen, Österreichische Akademie der Wissenschaften

Illuminierte Urkunden sind im Original, also materiell, erhaltene Rechtsdokumente, die zusätzlich zum Text medienwirksamen Dekor enthalten. Die angewandten Medien haben immer die Per- und Rezeption beeinflusst. Dieses Phänomen schließt auch deren Präsentation im Rahmen einer urkundenspezifischen open access DH-Plattform (monasterium.net) ein.
Ein Vorprojekt hat spezifische Metadaten auf höchstem wissenschaftlichem Niveau generiert und eine “digitale Heimat” für die Quellengruppe „Illuminierte Urkunden“ geschaffen.
Das Potential, das die von Spezialwissenschaftern (DiplomatikerInnen und KunsthistorikerInnen) systema-tisch erfassten und in XML modellierten Metadaten birgt, soll im Rahmen des hier vorgestellten Projekt das Aufspannen einer flexiblen Forschungsumgebung ermöglichen. Die neuen Tools erlauben komplexe Suchanfragen (Volltext und kontrollierte Vokabularien) und ermöglichen die Beantwortung innovativer Forschungsfragen.

Diese Optionen innerhalb einer großen, im Netz sehr präsenten Datenbank zur Verfügung zu stellen, um, ist ein Ziel des Projekts.

Das Projekt will dem alten Wunschtraum der DH, einer virtuellen Forschungsumgebung (VRE), ein gutes Stück näherkommen: nicht einem ephemeren, weil allgemeingültigen Ideal, sondern einer praktikablen Lösung für ganz spezifische Anforderungen.

Die Sammlung „Illuminierte Urkunden“ auf der Plattform „monasterium.net“ soll zu einem attraktiven Tool für die beteiligten WissenschafterInnen weiterentwickelt werden. Zeitgleich sind die Ergebnisse auch für externe KollegInnEn mittels einer individuell auf Forschungsfragen adaptierbaren Oberfläche zugänglich.

An zwei Forschungsfragen, die auf Zusammenhänge zwischen sozialem Status von Aussteller / Hersteller / Empfänger und der visuellen Form fokussieren, sollen die Möglichkeiten konkret vorgeführt werden. Dabei werden die kunsthistorischen bzw. diplomatisch/hilfswissenschaftlichen MitarbeiterInneN objektnah und „positivistisch“ arbeiten und zeigen, wie solche Methoden digital umgesetzt und präsentiert werden können. Aus dem vermeintlichen Gegensatz zwischen DH und historischen Hilfs- bzw. Grundwissenschaften sowie Kunstgeschichte soll ein fruchtbringendes gemeinsames Forschen werden.


Österreichische Dialektkartographie 1924–1956. Digitalisierung, Kontextualisierung, Visualisierung

PD. Mag. Dr. Manfred GLAUNINGER, Austrian Centre for Digital Humanities, Österreichische Akademie der Wissenschaften

Noch nie bildeten Dialektkarten in einer Weise die Aufgabenstellung gemeinschaftlicher Forschung verschiedener Wissenschaften, wie es in diesem Projekt der Fall ist. Dabei geht es um bislang unveröffentlichtes, einzigartiges Kartenmaterial: 1.399 handgezeichnete Dialektkarten, entstanden zwischen 1924 und 1956 an der Wiener Wörterbuchkanzlei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Zusammenhang mit dem Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich (WBÖ). Diese Karten werden nun Forschungsgegenstand aus wissenschaftshistorischer, sprachwissenschaft-licher und dialektlexikographischer Sicht.

Die historischen Dialektkarten sollen digitalisiert und damit zukunftssicher archiviert, aber auch geo-referenziert und über das Internet für die interessierte Öffentlichkeit und die wissenschaftliche Forschung weltweit zugänglich gemacht werden. Dabei wird die Erschließung und das Verfügbarmachen von historischen, sprachlichen und anderen Informationen zu den Karten deren vielfältige Nutzung ermöglichen. Dies bildet ein zentrales Projektziel, das über die Internet-Strukturen CLARIN-AT und DARIAH-EU umzusetzen ist.

Unmittelbar Verwendung finden kann das digitalisierte und mit Informationen versehene Kartenmaterial in Forschungsprojekten an und im Zusammenhang mit der Abteilung Variation und Wandel des Deutschen in Österreich am Austrian Centre for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ACDH-ÖAW). Zu nennen sind hier ein wissenschaftsgeschichtliches Projekt, der Spezialforschungsbereich Deutsch in Österreich (DiÖ). Variation – Kontakt – Perzeption sowie das modernisierte Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich (WBÖ).

Das Projekt Österreichische Dialektkartographie 1924–1956. Digitalisierung, Kontextualisierung, Visualisierung steht somit für moderne Sicherung, Zugänglichkeit und Beforschung von Materialien gemäß den Zielsetzungen der Digital Humanities. Es behandelt zudem mit den Dialekten eine Thematik, die in Österreich, aber auch darüber hinaus hohe gesellschaftliche Relevanz aufweist und deshalb in der Öffentlichkeit breites Interesse findet.


CORPUS VASORUM ANTIQUORUM ÖSTERREICH. Online‐Datenbank zur Erforschung der Entwicklung von Gefäßformen und ‐maßen

Dr. Claudia LANG-AUINGER, Institut für Kulturgeschichte der Antike, Österreichische Akademie der Wissenschaften

Das Corpus Vasorum Antiquorum – kurz CVA – ist ein national organisiertes transnationales Publikationsprojekt der Union Académique International. Es werden antike Gefäße nach einheitlichen Richtlinien veröffentlicht, genauer gesagt: griechische Gefäße aus der Zeit vom 10. bis 4. Jh. v. Chr.
Ziel der CVA Projekte ist es, antike Gefäße in genormten Publikationen vorzulegen, die eine solide Grundlage für weitere Forschungen darstellen. Voraussetzung dafür ist die fachgerechte Präsentation der Gefäße, zu deren Grundlagen die exakte, maßgerechte Darstellung des Profils und Schnittes zählt.
Im österreichischen Projekt erfolgt die graphische Darstellung – Profil und Schnitt – mit Hilfe des 3D Scanners. Mittels 3D Scans werden die Daten objektschonend mit Zeitersparnis und genauer gegenüber der manuellen Vermessung gewonnen. Mit Hilfe des 3D Modells ist es auch einfach möglich, Vermessungen des Objektes (Höhe, Breite, Dicke, Volumen etc.) an jeder beliebigen Stelle durchzuführen.

Ausgangssituation
Aus bisherigen CVA-Projekten an der ÖAW stammen 3D-Daten bzw. 3D-Modelle von ca. 120 rotfigurigen Gefäßen, 120 geometrischen und schwarzfigurigen Gefäßen, 140 zyprischen Gefäßen des Kunsthistorischen Museums Wien; von dem in Vorbereitung stehenden Projekt des Universalmuseums Joanneum in Graz kommen weitere ca. 135 3D-Modelle hinzu. Es liegen auch mittels Computertomographie (CT) gewonnene Daten antiker Gefäße vor, die bei besonderen Fragestellungen zum Einsatz gekommen ist. Diese bereits vorhanden 3D- und CT-Daten sind zurzeit auf unterschiedlichen Datenträgern in unterschiedlichen Formaten gespeichert und in Ermangelung geeigneter Möglichkeiten für die Verbreitung unveröffentlicht und unzugänglich.

Projektziele des zu beantragenden Projektes sind einerseits die Langzeitarchivierung und andererseits die Verfügbarmachung der am IKAnt vorliegenden 3D-und CT- Daten für Forscher des internationalen CVA–Projektes. Die CT- und 3D-Daten, die aus weiteren CVA Publikationsprojekten zu erwarten sind, werden auf dieser dafür geschaffenen Plattform ebenfalls verfügbar gemacht. Denn erst eine breite und einheitlich aufbereitete Materialbasis mit exakt dokumentierten Gefäßdaten, die entscheidende Grundlage zu Fragen wie:

  • nach der Entwicklung der Gefäßformen, wodurch auch die Möglichkeit geboten wird, regionale Formen zu unterscheiden, im Idealfall sogar Werkstattzuweisungen vornehmen zu können.
  • für die Untersuchung spezieller Füllvolumen und in weitere Folge zur Ermittlung antiker Hohlmaße

Eine Langzeitarchivierung und eine Verfügbarmachung des Bestandes mittels online-Datenbank sind die ideale Grundlage, um mit breiter Materialbasis einen wesentlichen Erkenntnisgewinn zu wissenschaftlich innovativen Fragestellungen auf dem Gebiet von Gefäßformen und Hohlmaßen erzielen zu können. Österreich kommt methodisch in diesem Forschungsbereich eine führende Rolle zu, wie bereits das CVA Österreich Beiheft 1 zeigt.


Digitale Musikanalyse mit den XML‐Techniken der Music Encoding Initiative (MEI) am Beispiel der Kompositionsstudien Anton Bruckners

Univ.-Doz. Dr. Robert KLUGSEDER, Institut für kunst-und musikhistorische Forschungen, Abteilung Musikwissenschaft, Österreichische Akademie der Wissenschaften

In diesem interdisziplinären Projekt soll am Beispiel der automatisierten Analyse harmonischer Strukturen erforscht werden, inwieweit Methoden der XML-Techniken gewinnbringend im Bereich der Musikwissenschaft eingesetzt werden können. Neben computerbasierten Methoden und Werkzeugen zur Harmonieanalyse sind neuartige Visualisierungskonzepte zu erforschen, die es erlauben, große Musikdatenbestände hinsichtlich harmonischer Strukturen und Varianten auf interaktive Weise zu durchsuchen, zu analysieren und die Ergebnisse am Computerbildschirm darzustellen. Die Verifizierung der musikwissenschaftlichen Relevanz der zu entwickelnden Konzepte soll paradigmatisch anhand der Analyse von Kompositionsstudien Anton Bruckners erfolgen. Dafür soll Bruckners „Kitzler Studienbuch“ in zeitgemäßer Weise erschlossen werden. Dazu werden sämtliche Inhalte im Codierungsformat der Music Encoding Initiative (XML-MEI) transkribiert und auf Taktebene mit den bereits vorhandenen Digitalisaten der Handschrift verknüpft. Die Analyse der Musik erfolgt nicht auf Grundlage von Audio-dateien (digital konservierter Livemusik) sondern von in XML codierter „verschriftlichter“ Musik (Musiknotation). Das Kitzler-Studienbuch, von Bruckner während seines Unterrichts bei dem Dirigenten und Violoncellisten Otto Kitzler (1834-1915) in Linz angelegt, eignet sich hierfür in besonderer Weise, da es zahlreiche harmonische Studien enthält, die weitgehend ohne größeren musikalischen Rahmen eine Vielzahl an harmonischen Entwicklungen abdecken und so eine große inhaltliche Bandbreite zur Verfügung stellen kann.

Die Möglichkeit der automatisierten Auswertung größerer Musikkorpora könnte zu einem Paradigmenwechsel innerhalb der Historischen Musikwissenschaft führen: Bisherige Methoden würden nicht überflüssig, könnten aber auf Grund des objektiv vorgegebenen Befundes – der als solcher kritisch zu überprüfen wäre –mit neuen Fragestellungen konfrontiert werden. Die Umsetzbarkeit dieses innovativen Vorhabens der computergestützten Musikanalyse wurde bereits theoretisch belegt. Hier soll nun zum ersten Mal die praktische Umsetzung erprobt und die Grenzen des Machbaren erschlossen werden.


Modellfall Fragmentendigitalisierung – Die mittelalterlichen Fragmente des Klosters Mondsee

Dr. Andreas FINGERNAGEL, Sammlung von Handschriften und alten Drucken, Österreichische Nationalbibliothek

Die Fragmentenforschung hat in den letzten Jahren einen großen Aufschwung genommen. Das Interesse wird durch das, archäologischen Herangehensweisen vergleichbare, Aufspüren von verborgenen, bruchstückhaft überlieferten Zeugnisse der spätantiken und mittelalterlichen Schriftkultur geweckt. Sensationelle Neufunde, wie die Entdeckung eines Fragmentes einer Nibelungenlied-Handschrift in Melk machen Hoffnung, dass im Zuge solcher Forschungsprojekte bislang unbekannten Textzeugen aufgespürt werden. Darüber hinaus liefert die Fragmentenforschung aber im Allgemeinen wichtige Erkenntnisse zur Schrift- und Bibliotheksgeschichte mittelalterlicher Sammlungen.

Das Projekt konzentriert sich auf den umfangreichen, bislang noch weitgehend unerschlossenen Fragmentenbestand des oberösterreichischen Benediktinerklosters Mondsee. Die digitale Präsentation und Erschließung dieses schon aus inhaltlichen Gründen bemerkenswerten Bestandes ist als modellhaftes Anwendungsbeispiel besonders geeignet. Die Zerstreuung der Fragmente auf verschiedene Aufbewahrungsorte sowie die unterschiedlichen Auffindungs- bzw. Überlieferungssituationen von Stücken (Einzelblätter, Fragmentstreifen, Leimabklatsche), die abgelöst in Fragmentensammlungen überliefert bzw. noch in Trägerhandschriften und Drucken eingebunden sind, repräsentieren die gesamte Bandbreite an Problemen der Fragmentenforschung.

Diese Rahmenbedingungen prädestinieren das Projekt auch für innovative technische Lösungen. Sie betreffen vorerst die bildliche Dokumentation von schmalen Falzstreifen mittels spezieller Aufnahmemethoden (Prismen), die eine photographische Widergabe ansonsten schwer lesbarer Fragmente erlauben. Das Hauptaugenmerk soll aber auf die virtuelle Zusammenführung dieser bruchstückhaften Überlieferung gelegt werden. Diese bedingt einerseits eine Präsentation aller Daten in einer gemeinsamen Oberfläche. Mit der von der Universität Fribourg entwickelten Datenbank Fragmentarium (International Digital Research Lab for Medieval Manuscript Fragments) steht erstmals ein geeignetes Repositorium zur Verfügung, das speziell für die Anforderungen dieses speziellen Dokumententyps entwickelt wurde. Die Qualitäten einer innovationsgetriebenen Forschung können somit mit einer auf Langzeitarchivierung und Veröffentlichung abgestimmten Verwahrung der Daten kombiniert werden, wie sie durch die bewährte Infrastruktur von Forschungsbibliotheken wie der Österreichischen Nationalbibliothek und der Oberösterreichischen Landesbibliothek gewährleistet werden kann.


Ambraser Heldenbuch: Transkription und wissenschaftliches Datenset

Univ.-Prof. Dr. Mario KLARER, Institut für Amerikastudien, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Das beantragte Forschungsprojekt setzt sich zum Ziel, bis zum Jahr 2019 – dem 500. Todestag von Kaiser Maximilian I. – das Ambraser Heldenbuch (AHB) (Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. Ser. nova 2663) aus dem frühen 16. Jahrhundert zur Gänze zu transkribieren und als Forschungsdatenset online und offline öffentlich zugänglich zu machen. Das AHB wurde am Beginn des 16. Jahrhunderts von Kaiser Maximilian I. als Prunkhandschrift in Auftrag gegeben und vom Bozner Zollschreiber Hans Ried in einer Hand auf ca. 500 großformatigen Pergamentseiten ausgeführt. In diesem Prachtkodex finden sich 25 der wichtigsten mittelhochdeutschen literarischen Texte (z.B. Nibelungenlied, Helmbrecht etc.), wovon 15 als Unikate (z.B. Erec, Moriz von Craûn etc.) ausschließlich im AHB überliefert sind.

Aufgrund der großen Textmenge in einer Schreiberhand – das AHB und vier weitere bekannte Schriftzeugnisse (Urkunde, Zollregister und Dienstreversen) von Hans Ried umfassen ca. 500.000 Wörter – eignet sich eine Gesamttranskription der Ried’schen Autographe als einmaliges linguistisches und literaturwissenschaftliches Korpus:
1) Aus editionsphilologischer Sicht ermöglicht das geplante Korpus einzigartige Möglichkeiten für die mittelhochdeutsche Textrekonstruktion der als Unikate im AHB überlieferten Werke, aber auch für die Edition und Erforschung der Parallelüberlieferungen (z.B. Nibelungenlied).
2) Aus linguistischer bzw. dialektologischer Sicht erschließt die Transkription des AHB zusammen mit den anderen Schriftstücken von Hans Ried ein geographisch liminales Großkorpus am Übergang von Mittelalter zu Früher Neuzeit aus einer Schreiberhand. Unter historischen Linguisten und Editionsphilologen gilt die Gesamttranskription des AHB bzw. der Ried’schen Autographe seit vielen Jahren als vorrangiges Forschungsdesiderat. Ziel des vorgeschlagenen ÖAW go!digital Projekts ist daher eine auf dem Stand der Technik durchgeführte elaborierte Transkription des Gesamttexts des AHB (zusammen mit einigen kleineren Texten in Rieds Hand) sowie die Aufbereitung dieser Transkriptionen als öffentlich zugängliches und zitierbares Datenset, das als künftiges Referenzdokument für eine breite Palette an wissenschaftlichen Arbeiten dienen soll.


SEMANTICS FOR MOUNTAINEERING HISTORY

Mag. Dr. Gerald HIEBEL, Arbeitsbereich Vermessung und GEOinformation, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Since the 18th century mountaineering has become an activity that by historians often is viewed as playing a central role in the way that much of the world has imagined conquest, human achievement and the place of wilderness in social life. Mountains and discourses on mountains and mountaineering have gained a certain significance in Europe since that time. The discourse on mountaineering is very central to the activity itself, mountaineering does not exist at all without the discourses around it – even less without descriptions of the places and people it evolves around. The go!digital project Alpenwort (2014 - 2016) has turned the Austrian Alpine Club Magazine (Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins) into the linguistically annotated Alpenwort corpus. The goal of the proposed project is to semantically enrich the Alpenwort corpus by identifying and tagging

1.    places like mountains, regions, trails or huts
2.    people like mountaineers, guides or scientists, and
3.    first ascent events like the first ascent of Großvenediger (by Josef Schwab in 1841)

within the corpus. This enrichment would allow for questions relevant for mountaineering research, like a list of all people mentioned in relation with the Venedigergruppe up to the year 1914, a list of places described in the years 1945 to 1950 or a list of all first ascents in the Julischen Alpen. To reach this goal we will create vocabularies for places and people important for mountaineering history. For places we prepared a very significant source that will be made publicly available through this project. It is the photo index (Lichtbilderverzeichnis) of the ÖAV from the years 1927 to 1941, containing descriptions for approx. 32.000 photos of which 85 % depict places of some kind. Additionally, the internet is a great openly available source for people as well as places,  e.g. Wikipedia. Links to other sources on the internet form a network of information that can be explored (i.e. Linked Open Data). Our vocabularies will integrate these sources and thus relate to the connected information on the internet. Vocabulary entries for specific people and places will be identified in the Alpenwort corpus and thus create a relation from the places and people on the internet to the articles describing them in the Alpenwort corpus. International standards and semantic web community technologies will be used to generate our data, which will be made publicly available for research and the interested public. The developed methodology will provide possibilities to enrich and query text corpora, which exceed the possibilities of traditional  full text and even corpora searches. The created vocabularies and the semantically enriched Alpenwort corpus will provide sources for mountaineering research and further enrichment of other sources that will showcase the potential of Digital Humanities research.

Results in a nutshell:
1. Semantically enriched Alpenwort corpus
2. Publication of ÖAV photo index
3. Mountaineering place name gazetteer
4. Mountaineering people name register
5. Methodology for named entity matching / co-referencing


TransBank: A Meta‐Corpus for Translation Research

Dr. Michael USTASZEWSKI, Dr. Andy STAUDER, Institut für Translationswissenschaft, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Corpora, or large text collections, have become a major staple of linguistic research in recent years, ranging from grammar topics, to lexicology, socio-linguistics, and applied linguistics. Corpus-based approaches have had an impact on the field of translation as well, however, mainly from a computer science perspective and with regard to the development of translation tools, such as translation memory, terminology management and machine translation systems. A rather large piece of the puzzle that still appears to be missing in this picture are data-driven methodologies that help make explicit real-world translation phenomena and make possible sound theoretical models capable of explaining them.

Against this background, our project aims to provide a large, open and expandable collection of translated texts and their original texts, which are to be stored in a bank – hence the name TransBank. In contrast to many other bi- or multilingual collections, the texts and translations are aligned, i.e., paired at the sentence level. The main innovative feature, however, is the ability to compile and down-load parallel sub-corpora on demand, tailored to the requirements regarding specific questions of translation research. Possible studies may include, for example, question such as if and how language change is caused by translation, what the impact of translation technology on the style of written text is, what differences there are between the same text-type in different languages, what stylistic differ-ences there are between translations into different languages, or cognitive research interests in connec-tion with the differences between texts produced by trainees and experienced practitioners. The sub-corpora, i.e., smaller, partial text collections for specific purposes, can be generated with the help of a search interface that allows for very complex queries and is at the same time very user-friendly. This is made possible by using faceted search technology, i.e., clickable labels that can be combined, exclud-ed and/or filtered.

The key to such flexible corpora compilation is a precise set of metadata labels that help to capture the relation between translated texts and their originals, including the circumstances under which the translations were produced. This metadata set is the basis of a universal repository of empirical trans-lation resources that combines the advantages of pre-existing, separate data collections.

In summary, what we are aiming to provide is re-usable, open, empirical data for translation research.


Downed Allied Air Crew Database Austria (DAACDA)

Dr. Georg HOFFMANN, Institut für Geschichte (Zeitgeschichte), Karl-Franzens-Universität Graz

Das Projekt „Downed Allied Air Crew Database Austria“ ist ein Kooperationsvorhaben zwischen dem Institut für Geschichte (Zeitgeschichte) der Karl-Franzens-Universität Graz und dem Austrian Center for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Es nimmt sich die Erstellung einer Web-Applikation zum Ziel, die einen bislang unerforschten Aspekt des Bombenkrieges im Zweiten Weltkrieg erstmals der internationalen Wissenschaft sowie der Öffentlichkeit frei zugänglich macht. Erfasst werden dabei alle amerikanischen und britischen Flugzeugabstürze (600), die sich zwischen 1939 und 1945 im heutigen Österreich zutrugen. Damit verbunden ist die Klärung, Nachzeichnung und Darstellung des Schicksals von über 6.000 betroffenen alliierten Besatzungsangehörigen. Kern des Vorhabens ist die Zusammenführung von amerikanischen und neu entdeckten deutschen Aktenbeständen zu den einzelnen Abstürzen, die in der digitalen Aufbereitung strukturiert und untereinander verknüpft abfragbar gemacht werden. Auf diese Weise können die genauen Absturzorte exakt lokalisiert und der Verbleib der einzelnen Besatzungsmitglieder bis ins Detail nachvollzogen und visuell dargestellt werden. So wird ein neuer Quellenkorpus mit sehr hoher Detailschärfe geschaffen, der die Forschungen zum Zweiten Weltkrieg entscheidend bereichern wird.

Das Projekt fußt auf jahrelangen Vorarbeiten im Rahmen von Forschungsprojekten zum Bombenkrieg sowie zum Gewaltphänomen der „Fliegerlynchjustiz“ und steht in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen des U.S. Department of Defense, der Library of Congress sowie dem Bundesdenkmalamt. Die erstellte Web-Applikation sieht dabei die Möglichkeit einer personenbezogenen Recherche genauso vor, wie die Nachzeichnung und Visualisierung ganzer Systeme, Strukturen und Abläufe eines bislang kaum erforschten Kriegsschauplatzes. Sie stellt dabei ein wichtiges und neues Tool dar, das unter anderem in der Suche nach vermissten Besatzungen, der Klärung von Verbrechen aber auch der Definierung von Gefahren- und Gräberfeldern entscheidende und neue Informationen erbringt. Die Web-Applikation versteht sich aber auch als Diskussionsplattform, auf der zusätzlich Daten, Informationen und persönliche Erinnerungen stetig integriert werden können und die vernetzte Betrachtung zweier Aktenbestände bereichern und ergänzen. Das Projekt generiert so einen Mehrwert, der gerade aufgrund seiner digitalen Darstellung weit über die Wissenschaft ausgreift.