| TRAUER UM WALTER DOSTAL |
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Mit dem Ableben Walter Dostals in Wien am 6./7.August 2011 haben Ethnologie bzw. Sozial- und Kulturanthropologie in Österreich, Zentraleuropa sowie im gesamten deutschsprachigen Raum einen ihrer besten Vertreter verloren. Walter Dostal hat im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts diese Disziplin entscheidend geprägt. Dostal gehörte der ersten Generation von Studierenden an, die nach dem 2. Weltkrieg in diesem Fach ausgebildet wurden. Seine Forschungen hatten zum Ziel, eine neue und international orientierte Grundlage für die früher „Völkerkunde“ genannte Disziplin in den deutschsprachigen Ländern nach 1945 zu bilden. Durch seine ersten Feldforschungen in Kuwait (in den späten 1950ern) und im Südjemen (während der frühen 1960er Jahre) wurde Dostal zum weltweit ersten professionellen Sozial- und Kulturanthropologen, der ethnographische Feldforschungen auf der Arabischen Halbinsel durchführte. Seine als Buch veröffentlichte Habilitation über die Beduinen Südarabiens, einschließlich seiner Theorie über die Techniken des Kamelreitens und deren Bedeutung für die Evolution der Kamelhaltung in Arabien, begründete seinen internationalen Ruf. Noch in seinem letzten akademischen Vortrag vom Oktober 2010 auf dem internationalen ŐAW-Workshop "Camels in Asia and North Africa: Their significance in past and present" hat er dieses Thema neuerlich aufgegriffen. Mitte der 1960er Jahre wurde Dostal zum ersten Lehrstuhlinhaber des neu gegründeten Seminars für Ethnologie in Bern (Schweiz) berufen, das er in seiner zehnjährigen Tätigkeit aufzubauen half. Während dieser Jahre setzte er seine ethnographischen Feldforschungen im Nordjemen fort. Die Resultate dieser Feldforschung wurden in seinem Buch zum Markt von San’ a und in wesentlichen Artikeln zur tribalen Organisation publiziert. Gleichzeitig schuf er ein umfangreiches Gesamtwerk ethnographischer Dokumentarfilme zu Südarabien. Zur selben Zeit begann Dostal seine Theorien zum Einfluss ökologischer Faktoren auf die sozio-kulturelle Organisation menschlicher Gesellschaften zu entwickeln. In seiner Tätigkeit an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gründete Walter Dostal durch Zusammenlegung der Ethnologischen mit der Arabischen Kommission die Kommission für Sozialanthropologie und erfüllte diese Einheit mit neuem Leben. Durch die Förderung wichtiger Forschungsvorhaben seitens der Kommission für Sozialanthropologie legte Dostal den entscheidenden Grundstein für das heutige ISA. Er setzte sich nicht nur dafür ein, dass zeitgemäße, empirische Feldforschungen in den Ländern des Himalaya, in Tibet und in Südostasien durchgeführt wurden, er initiierte auch das vom Österreichischen Wissenschaftsfond finanzierte Projekt in Asir (Saudi Arabien), aus dem die 1983 und 2007 von ihm herausgegebenen Publikationen hervorgingen. Darüber hinaus veröffentlichte Dostal im Verlag der ÖAW auch seine Monographien über den österreichischen Jemen-Forscher Eduard Glaser und zur sozio-kulturellen Evolution in Arabien. Angesichts dieser produktiven wissenschaftlichen Tätigkeit wurde Walter Dostal am 11. Mai 1993 zum wirklichen Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Bis zum Jahr 2003 leitete er die Kommission für Sozialanthropologie. Er stellte seine Unterstützung und Expertise als Vorsitzender des Kuratoriums auch dann noch zur Verfügung, als die Kommission im Jahr 2007 in eine Forschungsstelle und in weiterer Folge 2009 in das heutige Institut für Sozialanthropologie umgewandelt wurde. Walter Dostal wird dem ISA und den sozialanthropologischen Forschungsgemeinschaften Zentraleuropas als Mensch und Wissenschafter in respektvoller, dankbarer und wertschätzender Erinnerung bleiben. |