You are here:  About Us > Press releases > 2006 06 19

News

Monday 04. March 2013 Annual Report 2012

The SMI Annual Report 2012 is available.


Thursday 31. January 2013 In Memoriam Paul Kienle (1931-2013)

With the passing of Paul Kienle, former Director of the Stefan Meyer Institute, we lost an eminent scientist and pioneer in subatomic physics. He left us on Tuesday, January 29, 2013, few days after finishing his last scientific...


Wednesday 19. December 2012 SPARC meeting in Vienna

The annual SPARC Collaboration meeting took place in Vienna from November 26 to 28.


Displaying results 1 to 3 out of 37

1

2

3

4

5

6

7

Next >

Genaueste Bestimmung der Antiprotonenmasse

Einer internationalen Kollaboration unter Beteiligung des Stefan Meyer Instituts für subatomare Physik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist es bei einem Experiment am CERN in Genf erstmals gelungen, die Masse des Antiprotons mit einer bisher nicht erreichten Genauigkeit zu bestimmen. Die Ergebnisse werden im Fachblatt Physical Review Letters (online:19.6.2006, Print:23.6.2006) veröffentlicht.

Physiker der ASACUSA Kollaboration (Atomic Spectroscopy And Collisions Using Slow Antiprotons) untersuchten mittels Laserspektroskopie ein exotisches Heliumatom, bei dem eines der beiden Elektronen durch ein Antiproton ersetzt wurde. Um die extrem hohe Genauigkeit zu erreichen, verwendeten sie einen sogenannten Frequenzkamm.

Das Proton ist etwa 1836 mal schwerer als das Elektron. Für das Antiproton, den Antimateriepartner des Protons, wurde dieses Verhältnis nun erstmals genau bestimmt, nämlich 1:1836,153674 mit einem Fehler von +/-5 in der letzten Stelle. Dieser Wert stimmt innerhalb des Fehlers mit demjenigen des Protons überein, was bedeutet, dass die Massen von Proton und Antiproton auf etwa 2 parts-per-billion, ppb (2 mal 10 hoch -9) übereinstimmen. In der relativen Genauigkeit ist die neue Messung eine Verbesserung einer früheren Messung derselben Gruppe um einen Faktor 5.

Die neue Messung ist eine der genauesten Überprüfungen der Materie-Antimateriesymmetrie im Bereich der Hadronen, d.h. von Elementarteilchen, die aus drei Quarks aufgebaut sind. Die Symmetrie zwischen Materie und Antimaterie findet ihren mathematischen Ausdruck in der CPT Symmetrie, die besagt, dass Teilchen und Antiteilchen gleiche Massen, Lebensdauer und gleiche, aber entgegengesetzte Ladung haben.

Genaue experimentelle Überprüfungen dieser Symmetrie sind aus verschiedenen Gründen notwendig: Zum Beispiel wird die CPT Symmetrie in der String-Theorie nicht notwendigerweise erhalten. Die String-Theorie wird allgemein als viel versprechender Kandidat für die Erweiterung des bisherigen Standardmodells der Teilchenphysik angesehen. Ein weiterer Hinweis auf eine mögliche Verletzung der CPT Symmetrie kommt von der Beobachtung, dass das Weltall zum überwiegenden Teil aus Materie besteht, obwohl bei der Entstehung des Universums im Urknall eigentlich gleich viel Materie wie Antimaterie erzeugt hätte werden sollen.

Eine ebenfalls mögliche Auswirkung dieses Resultats liegt im Bereich der fundamentalen Konstanten, zu denen das Verhältnis Proton-zu-Elektronenmasse genauso wie das Verhältnis Antiproton-zu-Elektronenmasse gehören. Die jetzige Genauigkeit des Wertes für das Antiproton entspricht der Genauigkeit des Protonenwertes von 1998. "Eine weitere Verbesserung der Messungen könnte dazu führen, dass eines Tages die Masse des Antiprotons genauer bekannt sein wird als die des Protons", sagt Eberhard Widmann, Leiter des Stefan Meyer Institut für subatomare Physik der ÖAW.

An der ASACUSA Kollaboration sind Physiker aus Österreich, Japan, Ungarn und der Schweiz beteiligt. Die Experimente wurden von der Spektroskopiegruppe der Kollaboration am Antiproton Decelerator des CERN in Genf durchgeführt. Die Gruppe besteht aus zwölf Forschern aus sechs Universitäten und Instituten.

Materie - Antimaterie Symetrie - ASACUSA am CERN-AD

Innerhalb des ASACUSA-Programmes ist das SMI an der Präzisionsspektroskopie von antiprotonischem Helium und der Entwicklung einer Spektrometer-Strahlführung zur Messung der Grundzustands-Hyperfeinaufspaltung von Antiwasserstoff beteiligt. Diese Experimente untersuchen sowohl die Materie/Antimaterie-Symetrie (CPT-Symetrie) als auch die Genauigkeit der state-of-the-art Drei-Körper-QED-Berechnungen mittels Präzisionslaser- und Mikrowellenspekroskopie von Atomen, welche Antiprotonen enthalten.

Laserspektroskopie von antiprotonischem Helium

Es wurde eine gründliche Analyse der Daten, welche 2004 mit einem neu entwickelten Lasersystem aufgenommen wurden, durchgeführt. Das Lasersystem erlaubt eine Messung der Übergangsfrequenzen des Antiprotons in dem exotischen Drei-Körper-System p-e- - He++ oder pHe+ mit erheblich höherer Präzision als zuvor. Durch die Dopplerverbreiterung können die Hyperfeinniveaus jedoch nicht aufgelöst werden und daher benötigt die Ermittlung der Linienschwerpunkte eine sehr aufwendige numerische Behandlung zur Lösung der optischen Bloch-Gleichungen für alle möglichen Übergänge zwischen den Hyperfeinquadruplets (4He) bzw. -oktets (3He). Die experimentellen Ergebnisse können nun mit den neuesten Drei-Körper-QED-Berechnungen von V.I. Korobov aus Dubna, welcher 2005 zweimal am SMI zu Gast war, verglichen werden. Da er den numerischen Wert der Protonenmasse für seine Berechnungen verwendet wird, ergibt sich aus dem Vergleich zwischen den theoretischen und experimentellen Werten ein CPT-Test für die Gleichheit der Protonen- und Antiprotonenmasse. Die maximale Differenz der Massen und Ladungen des Protons und Antiprotons ist dadurch auf 2 ppb (2x 10-9) limitiert - dies ist um einen Faktor 5 besser als unsere bisherigen Ergebnisse. Aus dem Vergleich Experiment - Theorie konnte auch zum ersten Mal ein numerischer Wert des Antiproton-zu-Elektron-Massenverhältnisses angegeben werden:  1836,153674 +/- 0,000005:

Determination of the Antiproton-to-Electron Mass Ratio by Precision Laser Spectroscopy of pHe+
M. Hori, A. Dax, J. Eades, K. Gomikawa, R. S. Hayano, N. Ono, W. Pirkl, E. Widmann, H. A. Torii, B. Juhász, D. Barna, and D. Horváth,  Phys. Rev. Lett. 96, 243401 (2006)



ÖAW Highlights

ORF ON Science

Der Standard

Zeitlicher Verlauf der Genauigkeit des mit Laserspektroskopie von antiprotonischem Helium ermittelten CPT-Tests der Antiprotonenmasse.
Zeitlicher Verlauf des vom Commitee on Data for Science and Technology (CODATA) im Abstand von einigen Jahren aus verschiedenen Messungen ermittelten Wertes des Proton-Elektron-Massenverhältnisses und Vergleich zum nun gemessenen Antiproton-zu-Elektron-Massenverhältnis.
Der Kyrostat mit dem Heliumgastarget in welchem die antiprotonischen Heliumatome erzeugt werden.
Zwei Physiker des ASACUSA Experiments, Dr. Eberhard Widmann und Dr. Ken Suzuki, beim Herunterkühlen des Kryostats.
Die "Antiproton Decelerator"-Experimentierareale mit Physikern der ASACUSA, ATHENA und ATRAP Experimente.