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02.09.2005
Neu-Interpretation zu Michelangelos "Jüngstem Gericht"
Kunsthistoriker Hermann Fillitz sieht Fresko als Manifest eines
gescheiterten Papstes

In diesen Tagen veröffentlicht der Wiener Kunstprofessor Hermann Fillitz im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften das Buch "Papst Clemens VII. und Michelangelo - Das Jüngste Gericht in der Sixtinischen Kapelle", das grundlegende neue Aspekte zur Interpretation dieses berühmten Freskos enthält.

Wie wenige andere Kunstwerke der abendländischen Geschichte wurde Michelangelos Jüngstes Gericht in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans immer wieder als eine Herausforderung empfunden; von allem Anfang an hat es verschiedenartige Fragen aufgeworfen. Erst vor wenigen Jahren wurde es in einer Publikation der päpstlichen Universität Gregoriana als theologisch problematisch bezeichnet, weil nach christlicher Auffassung am Ende das göttliche Erbarmen stehe, während Michelangelos Weltenrichter als verdammender dargestellt ist. Auch die Tatsache, dass das Weltgericht normalerweise seinen Platz am Eingang in der Kirche hatte, nicht aber auf der Altarwand, bedurfte einer Erklärung. So stellt sich letztlich die Frage nach dem politischen oder kirchenpolitischen Anlass für die Entscheidung von Papst Clemens VII. (1523-1534) - dem Auftraggeber, das Jüngste Gericht in dieser Form und an dieser Stelle durch Michelangelo gestalten zu lassen.

Hermann Fillitz, emeritierter Professor für Kunstgeschichte der Universität Wien, ehemaliger Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums Wien und wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, kommt aufgrund einer umfassenden Neu-Interpretation des Freskos zum Schluss, dass Papst Clemens VII. nicht wie bisher oft vermutet einem einzigartigen Künstler wie Michelangelo eine Bühne zur Darstellung höchster menschlicher, künstlerischer Ausdruckskraft zu bieten beabsichtigte. Vielmehr wollte der Papst dargestellt haben, dass er selbst, Clemens, für den dramatischen Niedergang des Papsttums und der Kirche infolge des Siegeszugs der Reformation, der Abspaltung der englischen Kirche, der kriegerischen Verwüstung Roms, sowie der für den Papst unerfreulichen politischen Situation verantwortlich ist und diesen Niedergang nicht verhindern konnte.


Das Buch:
Hermann Fillitz
Papst Clemens VII. und Michelangelo
Das Jüngste Gericht in der Sixtinischen Kapelle
2005, 56 Seiten + 12 Seiten italienische Übersetzung, zahlr. Farbabb., broschiert, Veröffentlichungen der Kommission für Kunstgeschichte 6, ISBN 3-7001-3487-8,
€ 19,--


Kontakt:
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Christian Sonnleitner
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Last update: 2005/09/05
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