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31.07.2002

Akademische Grade zwischen Traum und Wirklichkeit

Neue Studie des ÖAW-Instituts für Demographie zur Entwicklung des Studienerfolgs an österreichischen Universitäten



Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur wurde vom Institut für Demographie (IfD) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) eine Untersuchung zum Studienerfolg an österreichischen Universitäten durchgeführt (Rene Dell'Mour, Frank Landler: Determinanten des Studienerfolgs. Projektbericht im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Wien 2001). Aufgabe dieses Projekts war es, anhand des im Rahmen der Hochschulverwaltung anfallenden Datenmaterials verschiedene Einflussfaktoren auf den Studienerfolg zu analysieren.

Der hier verwendet Begriff "Studienerfolg" geht davon aus, dass ein Studium dann erfolgreich abgeschlossen ist, wenn ein für dieses Studium vorgesehener akademischer Grad erworben wurde, daher auch der Titel der Publikation: "Akademische Grade zwischen Traum und Wirklichkeit". Nun ist es nicht ganz einfach, unter dieser Definition den Prozentsatz der erfolgreichen Student/inn/en festzustellen, da alle Student/inn/en irgendwann im Laufe ihres Lebens ihr einmal begonnenes Studien mit dem Erwerb eines akademischen Grades "erfolgreich" abschließen können. Daher sollte korrekterweise von einer "vorläufigen" Studienerfolgsquote gesprochen werden; die Wahrscheinlichkeit, ein Studium erfolgreich abzuschließen, nimmt allerdings mit länger werdender Studiendauer stetig ab. So liegt der Prozentsatz jener Student/inn/en, die 10 bis 15 Jahre nach ihrer ersten Inskription ihr Studium noch erfolgreich abschließen, unter 9 Prozent und jener für Student/inn/en, die nach einem Zeitraum von 15 und mehr Jahren ihr Studium mit einem Abschluss zu Ende bringen, bereits unter 3 Prozent.

Angesichts der gegebenen Datenlage konnten folgende entscheidende Einflussfaktoren für den Studienerfolg festgestellt werden:

  • Wintersemesteranfänger/innen sind deutlich erfolgreicher als Sommersemesteranfänger/innen (etwa 20 Prozentpunkte);

  • männliche Studenten sind erfolgreicher als Studentinnen (6 Prozentpunkte);

  • die Studienrichtung(sgruppe) (siehe Grafik 1);

  • die Universität (siehe Grafik 2);

  • die schulische Vorbildung (abgeschlossener Schultyp; Art der Matura) (siehe Grafik 3);

  • das Alter bei Studienbeginn; hinter dieser Größe verstecken sich mehrere Faktoren, die nicht getrennt voneinander untersucht werden können, wie z. B. Schulbahnverlust (die Wiederholung einer oder mehrerer Schulstufen), verspäteter Studienbeginn wegen Unentschiedenheit, Pausieren oder Arbeiten. Jede Verzögerung der Bildungslaufbahn verringert die Erfolgsausichten jedenfalls deutlich (siehe Grafik 4).

  • Nicht gänzlich ohne Bedeutung sind auch die Bildung und der Beruf der Eltern.


Die Analyse der Studiendauer war ein weiterer Punkt dieser Studie. Ein/e durchschnittliche/r österreichische/r Universitätsabsolvent/in der Jahre 1980 bis 1998 war 27,6 Jahre alt und hatte acht Jahre lang (16,1 Semester) studiert.

  • Erfolgreiche Frauen studieren im Mittel 15,9 Semester, Männer benötigen durchschnittlich 16,2 Semester. Der Unterschied beim Abschlussalter beträgt 0,4 Jahre (27,8 Jahre für Männer und 27,4 Jahre für Frauen).

  • Die durchschnittliche Studiendauer stieg von 1980 bis 1996 stetig an. AAnfangs betrug sie 14,6 Semester, 1996 erreichte sie mit 17,1 Semestern einen Maximalwert.

  • Den stärksten Einfluss auf die Studiendauer und indirekt auch auf das Abschlussalter hat - nicht allzu überraschend für Kenner der österreichischen Hochschulszene - die absolvierte Studienrichtung: Mit Abstand am raschesten studiert man Rechtswissenschaften, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und die technischen Naturwissenschaften (14 bis 15 Semester). Rekordhalter im Hinblick auf die längste Studiendauer sind mit 18,6 und 18,7 Semestern im Durchschnitt das Architekturstudium und das Studium der Veterinärmedizin.

  • Vergleicht man innerhalb der Studienrichtungen die Studiendauer an den einzelnen Universitäten, so tritt wie schon beim Studienerfolg die Sonderrolle der Universität Innsbruck hervor - in allen von ihr angebotenen Fächern (ausgenommen Pharmazie) liegt sie deutlich - bis zu 1,3 Semester - unter dem Österreich-Durchschnitt.

  • Die Gliederung nach der Vorbildung der Student/inn/en ergibt folgendes Bild: Am schnellsten studieren die Absolvent/inn/en Berufsbildender Höherer Schulen; mit einer Studiendauer von 15 Semestern sind sie im Durchschnitt um ein Semester schneller. Dies gilt aber nicht etwa deswegen, weil sie bevorzugt "kurze" Studienrichtungen absolvieren. Vielmehr zeigt sich, dass sie in beinahe jeder Studienrichtung überdurchschnittlich rasch studieren.

  • Interessant auch der Einfluss des Maturamonats: Nur wer - wie die überwältigende Mehrheit der Maturant/inn/en von 80 Prozent - seine Matura zum "ordentlichen" Termin im Juni abgelegt hat, studiert rasch (unterdurchschnittliche Studiendauer). Ein davon abweichender Maturatermin bedeutet eine bis zu 3,5 Semester (Februartermin) erhöhte Studiendauer.

  • Auch das Alter bei Studienbeginn wirkt sich auf die Studiendauer aus: Zwischen 18 und 25 Jahre steigt die Studiendauer für ein erfolgreich abgeschlossenes Studium von 16 auf 17,7 Semester.

  • Nicht überraschend sind ferner die Ergebnisse im Hinblick auf die Auswirkungen eines Studienwechsels auf die Studiendauer und das Alter beim Studienabschluss. So sind Absolvent/inn/en eines Studiums, in dem sie nicht zu studieren begonnen haben, im Durchschnitt um ein Jahr älter und benötigen für ihren Studienabschluss zwei Semester länger als Student/inn/en, die das Studium abschließen, das sie begonnen haben.



Grafik 1: Kohortenerfolgsquote nach Studienrichtung
(Durchschnittswert für die Kohorten 1976 bis 1985 inländische WS-Anfänger/innen)





Grafik 2: Kohortenerfolgsquote nach Universitäten
(Durchschnittswert für die Kohorten 1976 bis 1985 inländische WS-Anfänger/innen)





Grafik 3: Erfolgsquote nach Vorbildung
(Gewichteter Durchschnitt der Kohorten 1976-1985)





Grafik 4: Bisherige Erfolgsquote der Kohorten 1976 bis 1985 nach Alter und Geschlecht
(alle Hörer/innen/kategorien)





Weitere Informationen:

DI Dr. Frank Landler, ÖAW-Institut für Demographie
Tel.: (+43 1) 51581/7717
E-Mail: frank.landler@oeaw.ac.at