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1. Juni 2001
Die Kosten der Mehrsprachigkeit - der Preis der Einsprachigkeit
Anlässlich des "Europäischen Jahres der Sprachen" werden im Rahmen einer Tagung von 7. bis 9. Juni 2001 in der ÖAW die widersprüchlichen Tendenzen internationaler und europäischer Sprachenpolitik diskutiert


"Sand im Getriebe des Einigungswerks" sei das Sprachenproblem, schreibt der bekannte deutsche Publizist Dieter E. Zimmer, und er meint damit die Sprachenregelung innerhalb der Europäischen Union, wonach alle Dokumente in alle Sprachen übersetzt werden müssen. Vor allem im Zusammenhang mit der EU-Erweiterung wird die Forderung nach einer europäischen Lingua Franca Englisch immer lauter, mit dem Argument, die "Kosten der Mehrsprachigkeit" seien zu hoch. In den Wissenschaften ist dieser Zustand schon nahezu erreicht, zumindest in den Naturwissenschaften: Für 1996 etwa gibt der Duisburger Soziolinguist Ulrich Ammon an, dass 90,7% der naturwissenschaftlichen Publikationen in englischer Sprache erschienen, dagegen nur 1,2% auf Deutsch.

Auf der anderen Seite sprechen die Sprachenkenntnisse der EuropäerInnen gegen eine Leitsprachenregelung in Europa: Nach einer Eurobarometer-Erhebung vom Dezember 2000 beherrschen 47% der EU-BürgerInnen überhaupt keine Fremdsprache, nur 41% können Englisch. Wenn alle gleichen Zugang zu den europäischen Institutionen und auch zum passiven Wahlrecht haben sollen, dann ist das nur über die jeweiligen Muttersprachen möglich. Daher hält die EU - zumindest in der Theorie - an der Gleichwertigkeit der Sprachen und an der Regelung fest, dass alle Staatssprachen auch Arbeitssprachen der EU sind. Der politische "Preis der Einsprachigkeit" wäre erst recht zu hoch.

Diese widersprüchlichen Tendenzen internationaler und europäischer Sprachenpolitik, Fragen der Kultur- und Wissenschaftspolitik, der vielsprachigen Kommunikation in einer erweiterten Europäischen Union stehen im Mittelpunkt der von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veranstalteten internationalen Tagung "Die Kosten der Mehrsprachigkeit - Globalisierung und sprachliche Vielfalt", an der WissenschafterInnen und BildungspolitikerInnen aus elf Ländern teilnehmen. Die Tagung setzt sich zum Ziel, die Probleme einer europäischen Mehrsprachigkeitspolitik offen und ohne Tabu zu diskutieren. Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen "Sprachenvielfalt und Globalisierung in der Wissenschaft", "Schulsprachen- und Universitätssprachenpolitik" und "Projektförderung und Forschungspolitik". Diese Thematik ist in vielerlei Hinsicht relevant und brisant, und zwar nicht nur, was die Sprachenpolitik selbst betrifft, sondern auch hinsichtlich der Frage nach der sprachlichen Identität sowohl Einzelner als auch sozialer Gruppierungen.

Nicht zuletzt geht es bei dieser Tagung auch um Fragen nach einer neuen "europäischen Identität" und um Visionen eines neuen Europa im Spannungsfeld zwischen Vielsprachigkeit und Monolingualität, Homogenität und Heterogenität sowie Monokulturalität und Multikulturalität.

Um zu geeigneten sprachpolitischen Lösungen all dieser komplexen Fragen kommen zu können, bedarf es einer differenzierten und tiefschürfenden Analyse und Diskussion. Dazu soll die Tagung einen Beitrag leisten.


Programm



Weitere Informationen:
Dr. Marianne Baumgart, Öffentlichkeitsarbeit, ÖAW
Tel.: (+43 1) 51581/219, Fax: (+43 1) 51581/275, E-Mail: Marianne.Baumgart@oeaw.ac.at


 
Österreichische Akademie der Wissenschaften
A-1010 Wien
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Tel.: (+43 1) 51581-0
webmaster@oeaw.ac.at

last update: 2001/08/27
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