Offener Brief
an die Österreichische Bundesregierung
Wir wollen nicht nebeneinander älter werden, ohne
uns über die wichtigsten Mißverständnisse geeinigt zu haben.
»Die Fackel«, Oktober 1908
daher
Wissenschaft lebt
von Zusammenarbeit und Wettbewerb über Staatsgrenzen und Völker
hinweg, ohne Ansehen von Hautfarbe, Rasse, Geschlecht, Sprache, Religion
und Generation.
Wissenschaft lebt von Freiraum für geistige
Arbeit und von deren Anerkennung.
Österreich lebt von der Lebendigkeit seiner
wissenschaftlichen Köpfe und Institutionen und von Arbeitsstätten,
die für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus aller Welt attraktiv
sind.
Österreich lebt von der erneuernden und bewahrenden
Kraft forschenden Geistes und von dessen Beitrag zur Erkennbarkeit dieses
Landes.
Als autonome Forschungsorganisation nimmt die Österreichische Akademie
der Wissenschaften (ÖAW) ihre Aufgabe, "die Wissenschaft in jeder
Hinsicht zu fördern", mit großem Einsatz und unter internationaler
Anerkennung wahr. Ihr diese Arbeit in einer dem europäischen Vergleich
und den wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen
angemessenen Weise zu ermöglichen, ist im Interesse der Republik.
Zu unseren Anliegen
gehört die
-
Förderung zukunftsweisender Forschungsstrukturen,
wie sie die ÖAW durch die Gründung des »Instituts für
Molekulare und Zelluläre Bioinformatik GmbH der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften (IMBA)« in Kooperation mit Boehringer
Ingelheim und dem »Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie
GmbH (IMP)« in der Wiener Dr. Bohr-Gasse geschaffen hat und durch
die Errichtung eines »Forschungszentrums für Molekulare Medizin«
am Gelände des Wiener Allgemeinen Krankenhauses zu schaffen beabsichtigt
-
Förderung wichtiger, im universitären Bereich
nicht oder nicht hinreichend betreuter Forschungsaufgaben, wie
beispielsweise in den Instituten für Alternsforschung (Innsbruck)
und für Technikfolgen-Abschätzung (Wien) oder auch in den Kommissionen
für Iranistik und zur Herausgabe des Corpus der lateinischen Kirchenväter
(CSEL)
-
über das Budget 2000 hinaus mehrjährige Planungssicherheit
als Voraussetzung für längerfristige Forschungskonzeptionen sowie
leistungsorientierte Finanzierung und Einkommensgestaltung in der Wissenschaft
-
Förderung von Intellectual Property Rights (IPR)
für Österreich durch Betreuung und Finanzierung von weltweiten
Patentierungen
-
Förderung des besonders qualifizierten wissenschaftlichen
Nachwuchses durch angemessene Ausstattung des Austrian Programme
for Advanced Research and Technology (APART)
-
Förderung eines Forschungsschwerpunktes Memory of
Austria, unter anderem durch Untersuchungen zur Funktion
der Massenmedien, durch die digitale Erfassung von Zeugnissen der Sprache
und Literatur sowie durch die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis
Österreichs zu seinen europäischen Nachbarn
-
Finanzierung der Arbeiten zur Errichtung einer Galerie
der Forschung
Werner
Welzig
Präsident der Österreichischen Akademie
der Wissenschaften
http://www.oeaw.ac.at/