Im „alten Universitätsviertel“ in der Wiener Innenstadt hat sich durch Jahrhunderte ein wesentlicher Teil der österreichischen Geistes-, Bildungs- und Kulturgeschichte vollzogen. Eine entscheidende Rolle spielten dabei die Jesuiten als ein wichtiger Faktor der geistigen Tradition in Wien. Vom 19.-21. Oktober 2000 befaßt sich die Tagung „Die Jesuiten in Wien“ mit dem historischen Hintergrund sowie den kunsthistorischen Aspekten des Wirkens der „Gesellschaft Jesu“ in Wien als Zentrum der österreichischen Ordensprovinz im 17. und 18. Jahrhundert.
Die Jesuiten, die 1551 nach Wien kamen, entfalteten hier eine rege missionarische und kulturelle Tätigkeit. Darüber hinaus war die „Gesellschaft Jesu“ durch die enge Bindung an das Kaiserhaus ein eminent politischer Faktor im Rahmen der vom Haus Habsburg nachhaltig geförderten Gegenreformation. Bis zur Auflösung des Ordens im Jahr 1773 dominierte der Orden das höhere Bildungswesen und hatte durch eine umfassende Predigttätigkeit wesentlichen Einfluß auf das geistige Klima der Zeit. Die Beschäftigung mit der „Gesellschaft Jesu“ ist vor allem auch von hohem interdisziplinärem Interesse, da sich deren Leistungen auf viele unterschiedliche Gebiete, etwa das Theater, die Naturwissenschaften, die Philosophie, die bildende Kunst, die Architektur und die Pädagogik erstreckte.
Die Bedeutung des Jesuitenordens ist auch in territorialer Hinsicht zu sehen. So war Wien der Sitz der österreichischen Ordensprovinz, die zum Zeitpunkt der Aufhebung des Ordens 1773 Ober- und Niederösterreich, Steiermark, Kärnten, Krain, Kroatien und Slawonien, Ungarn mit der Slowakei und Siebenbürgen umfaßte.
Das Thema der Tagung „Die Jesuiten in Wien“ ist untrennbar
mit der Geschichte des „alten Universitätsviertels“ verbunden.
Nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Universität und dem
Kollegium der 1551 von Kaiser Ferdinand I. in die Stadt geholten „Societas
Jesu“ wurden beide Institutionen im Jahr 1623 unter Ferdinand II.
vereinigt. Der Orden übernahm die humanistischen, theologischen
sowie die philosophischen Vorlesungen sowie die Leitung der Bibliothek.
In den folgenden Jahren entstand der Baukomplex des Jesuitencollegiums
samt Kirche, das „Collegium Viennense“ (am heutigen Dr. Ignaz Seipel-Platz),
der das Viertel baulich neu strukturierte. Sein heutiges Aussehen erhielt
das Viertel durch den Bau der neuen Universitätsaula (1753-1755) gegenüber
dem Jesuitenkolleg, heute Hauptsitz der Österreichischen Akademie
der Wissenschaften.
Tagung „Die Jesuiten in Wien“
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