Quantitative Entwicklungstendenzen der Österreichischen Hochschulen 1973 - 2020
Eine Studie des ÖAW-Instituts für Demographie im Auftrag des Wissenschaftsministeriums

 
 
 

Mit der Hochschulplanungsprognose 1999 liegt die siebente Überarbeitung eines seit 1978 an der ÖAW laufenden Projektes zur Hochschulplanung vor. Wie zuletzt 1986 und 1993 wurden auch 1999 sämtliche Parameter für das Prognosemodell neu geschätzt. Dabei konnten die Inskriptionsdaten der Österreichischen Hochschulstatistik bis zum Winterseme­ster 1997/98, die Abschlußdaten des ÖSTAT bis zum Studienjahr 1996/97 und eine neue Maturantenprognose berücksichtigt werden.
 

Die Ergebnisse der aktuellen Fortschreibung sind in hohem Maße von der wichtigsten bildungpolitischen Innovation der neunziger Jahre, der Errichtung eines Fachhochschulsektors, determiniert. Nach einer mehr als 20-jährigen Expansionsphase war der Hochschulsektor 1987/88 mit einer Maximalzahl von 22.400 inländischen Erstimmatrikulierenden in eine Stabilisierungsphase eingetreten. Trotz der Erweiterung des Kreises der Zugangsberechtigten durch die Einrichtung der Höheren Lehranstalten für Lehrer- und Erzieherbildung um 1990 und trotz steigender Bildungsbe­teiligung im Sekundarschulbereich ist. dank der demographisch bedingten Entlastung die Anfängerzahl nicht gestiegen. Zeitgleich mit dem Auslaufen dieses demographischen Entlastungseffekts ab 1995 findet nun der Aufbau von FHS-Lehrgängen statt, sodass der bis 2010 zu erwartende, rd. 30-prozentige Wachstumsschub bei den Maturanten praktisch zur Gänze von dieser neuen postsekundären Ausbildungsinstitution absorbiert werden könnte. Sollten – wie geplant – bis zum Jahr 2005 etwa 6.000 Ausbildungsplätze für Anfänger an FHS angeboten werden, wäre damit zu rechnen, dass auch in den kommenden 25 Jahren die Universitätsanfängerzahlen stagnieren und die historische Höchstmarke aus 1987 allenfalls zwischen 2010 und 2015 geringfügig überschritten werden dürfte.
 

Die Zahl der inskribierten inländischen ordentlichen Hörer an Universitäten hat laut österreichischer Hochschulstatistik im Wintersemester 1995/96 mit knapp 190..000 Personen ein Maximum erreicht. Die – geringfügigen – Rückgänge in den beiden Folgejahren waren in einer Periode von 40 Jahren ein singuläres Ereignis. Angesichts der oben beschriebenen Zugangsentwicklung stagnieren die Hörerzahlen auch im Prognosezeitraum zwischen 185 und 200 Tausend. Schwankungen könnten sich allenfalls aus Änderungen der Verweildauer ergeben, wobei ein Jahr Verweildauer etwa 20.000 inskribierten Hörern ent­spricht. Für den FHS rechnet die Prognose mit stetig steigenden Hörerzahlen bis 2005, wo die Ausbauziele mit 20-21.000 Hörern erreicht werden.
 

Die Analyse der Abschluss- und Absolventenzahlen zeigte auf, dass der über viele Jahre hin sinkende Trend der Erfolgswahrscheinlichkeit in den neunziger Jahren deutlich aufwärts weist. Statt weniger als 44% (1988) beendeten zuletzt (1996/97) 54% der Anfänger zumindest ein Studium. Da gleichzeitig die stärksten Jahrgänge das Abschlussalter erreicht haben, ist damit zu rechnen, dass die 14.000 Abschlüsse (darunter 12.000 Erstabschlüsse) des Jahres 1996/97 bis auf weiteres nicht mehr überschritten werden dürften. Die „Akademisierung“ (Erstabschlüsse am entsprechenden Altersjahrgang), die sich zwischen 1971 und 1996 von 4 auf 9 Prozent erhöht hat, dürfte im kommenden Jahrzehnt auf 11,5 Prozent weiter ansteigen, aber ab 2005 infolge des Entzugseffekts der FHS eher stagnieren.
 
 

Entwicklung der Maturantenzahlen 1964-2020 (Prognose ab 1998)

Quelle: Hochschulplanungsprognose 1999 Institut für Demographie
 
 

Erstmalig immatrikulierende inländische ordentliche Hörer

Quelle: Hochschulplanungsprognose 1999 Institut für Demographie
 
 

Entwicklung der Hörerzahlen bis zum Jahr 2020

Quelle: Hochschulplanungsprognose 1999 Institut für Demographie
 
 

Entwicklung der Zahl der (Erst)abschlüsse an Universitäten (3 Varianten)

Quelle: Hochschulplanungsprognose 1999 Institut für Demographie
 
 
 

Rückfragehinweis
 

INSTITUT FÜR DEMOGRAPHIE DER ÖAW

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Letzte Änderung: 25.09.2000 17:22