ÖAW eröffnet Forschungszentrum in Graz

Neues gemeinsames Haus für Weltraumforschung, Biophysik und geisteswissenschaftliche Projektgruppen


Im Oktober 1997 erfolgte der Spatenstich für das Forschungszentrum der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) auf einem von der Stadt Graz zur Verfügung gestellten Grundstück. Im Oktober 2000 sind die ersten Forschungseinrichtungen der ÖAW in das neue Gebäude eingezogen. Die Akademie ist somit künftig auch in der steiermärkischen Landeshauptstadt mit einem eigenen gemeinsamen Haus für das Institut für Weltraumforschung, das Institut für Biophysik und Röntgenstrukturforschung sowie für fünf Projektgruppen von geisteswissenschaftlichen Forschungseinrichtungen vertreten. Das neue Haus, das am 14. November 2000 eröffnet wurde, stellt nicht nur eine entscheidende Verbesserung der bisher problematischen Raumsituation der Grazer ÖAW-Einrichtungen dar. Der neue Standort in Graz unterstreicht auch die Rolle der Akademie als „Österreichische“ Akademie der Wissenschaften.

Zum Konzept des Forschungsgebäudes

Die Konzeption des ÖAW-Forschungsgebäudes wurde vom Architekturbüro Cepezed (Delft) erstellt. Dieses Büro ist 1997 aus einem EU-weit ausgeschriebenen Architektenwettbewerb als Sieger hervorgegangen. Das umfassende Know-how bei der Errichtung von Gebäuden für Forschungseinrichtungen (High tech-Centers) hat den Ausschlag für die Entscheidung gegeben. Die Grazer Partner bei der Errichtung des Forschungszentrums waren das Architekturbüro Peyker (Koordination), das Büro Wendl (Statik) und das Büro Pickl (Haustechnik).

Der Entwurf des Forschungsgebäudes wurde bestimmt durch ein räumlich begrenztes Grundstück und ein komplexes Raumprogramm. Mehrere Institute waren zu integrieren und eine weitgehende Standardisierung der Innenräume zu berücksichtigen. Um eine räumlich interessante Lösung zu erreichen, wurden zwei nicht orthogonal gegenüberstehende Kreuze entworfen, die zusammen ein zentrales Atrium bilden und allen Flügeln unterschiedliches Licht und Aussicht bieten. Alle Seiten erlangen einen eigenen Charakter durch Lage, Aussicht und Umgebung. Das wurde durch die Außenräume unterstrichen: Entlang der Straße - städtisch mit dem Parkplatz, bei der Bibliothek auf einem tieferliegenden Niveau - offen und parkartig mit Bäumen und Grünflächen, an der Rückseite landwirtschaftlich flach; links ein Blumengarten. Damit strahlt jeder Innenraum einen individuellen Charakter aus und die Monotonie herkömmlicher Bürogebäude wird durchbrochen. Alle Räume nutzen das Tageslicht optimal, was den Energieverbrauch für künstliche Beleuchtung vermindert.

Die Ventilation des Gebäudes erfolgt zu einem großen Teil auf natürliche Weise, durch die im Atrium eingerichteten Ventilationsklappen. Die Fassade ist außen mit offenen, halboffenen oder geschlossenen Aluminiumpaneelen versehen. Dieses variable Element kann die Funktion von Fenster-, Wand- oder Sonnenschutzflächen übernehmen. Das Gebäude garantiert die Freiheit der Disposition. Durch eine weitestgehende Standardisierung der Haustechnik ist auch hier Freiraum für spätere Umbauten gegeben.

Aufgrund des Raumprogrammes sollte das Forschungsgebäude aus sehr vielen kleinen Einheiten/Arbeitsräumen (12-36 m2) bestehen und außerdem größtmögliche Flexibilität bieten. Das konnte durch ein Konzept von frei einteilbaren Gebäuderiegeln realisiert werden. Die Riegel gruppieren sich um einen zentralen Punkt herum, das Atrium. Während die jeweiligen Gebäudeenden Rückzugsmöglichkeiten bieten, ist das Atrium der eigentliche Kern, der Mittelpunkt, an dem alles verknüpft wird, an dem der wissenschaftliche Austausch stattfindet. Hier befindet sich der Haupterschließungsbereich, auch alle Galerien münden in diese Zone. Die unterste Ebene des Atriums befindet sich auf dem Niveau des Tiefgeschosses. Hier sind auch die wichtigsten Gemeinschaftsfunktionen, wie Bibliothek und Kantine sowie die Seminarräume mit den dazugehörigen Vorzonen untergebracht.

Was den Rohbau betrifft, so ermöglichte die modular koordinierte Bauweise mit industriell vorgefertigten Elementen eine kurze Bauzeit und Bauaktivitäten auch im Winter. Die geschlossenen Teile der Fassade bestehen aus Betonpaneelen, die an der Außenseite thermische Isolation und eine Aluminiumverkleidung haben. Die Glasstreifen in der Fassade sind mit einem Aluminiumpaneel ausgestattet, das im geöffneten Zustand als Sonnenschutz fungiert und im geschlossenen Zustand den Raum verdunkelt. Die Fassade an den jeweiligen Galerieseiten ist „offener“, sie hat mehr Glaselemente und feststehende Aluminiumpaneele, was Aussicht auf die verschieden ausgestalteten Außenräume schafft und somit zur Orientierung dient.

Daten & Fakten
ÖAW-Forschungseinrichtungen im neuen Gebäude
 


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Letzte Änderung: 22.11.2000 15:16