Wien, 15. September 1999
Lateinamerikaforschung als neuer Schwerpunkt
Lateinamerika ist der am höchsten verstädterte Kulturraum der Welt. Die Probleme Lateinamerikas äußern sich in politischen, sozialen, ökonomischen und ethnischen Strukturen und haben einen starken Raumbezug. In den Städten konzentrieren sich die Probleme des Wirtschaftsraumes, dort müssen Lösungsstrategien ansetzen, die die Städte und ihre Regionen in gleicher Weise befähigen, ihre Probleme nachhaltig zu lösen. Um diesen Fragen in Österreich verstärktes Augenmerk zu widmen, wird am Institut für Stadt- und Regionalforschung der ÖAW der Schwerpunkt "Lateinamerikaforschung" etabliert.
Trotz des Engagements einzelner Forscher und der vielfältigen Aktivitäten des Österreichischen Lateinamerika-Instituts gilt Lateinamerika im kollektiven Bewußtsein Österreichs - und da macht die Forschung keine Ausnahme - als ferner, mehr oder weniger exotischer Kulturraum. Österreich dagegen genießt eine große Aufmerksamkeit im iberoamerikanischen Geistesleben. Überall wurde beispielsweise das österreichische Millennium mitgefeiert. Die fast 200jährige Herrschaft des Hauses Habsburg ist in Spanisch-Amerika nicht vergessen.
"Es ist Zeit, daß sich Österreich seiner Mitverantwortung für Lateinamerika bewußt wird, zumal die dortigen Probleme dringend der Lösungen bedürfen. Österreich könnte, wie schon einmal an der Zeitenwende vom Mittelalter zur Neuzeit auch am Beginn eines neuen Jahrtausends eine Funktion für Lateinamerika übernehmen, nicht als Herrscher, sondern als Partner, nicht auf dem Gebiet der Politik, sondern der Wissenschaft", betont Univ.-Prof. Dr. Axel Borsdorf, seit kurzem Leiter des Instituts für Stadt- und Regionalforschung der ÖAW und seit vielen Jahren mit Lateinamerika vertraut.
Mit dem Ziel, Perspektiven der lateinamerikabezogenen Stadt- und Regionalforschung zu formulieren und zu diskutieren, findet am 20. und 21. September 1999 in der ÖAW ein Symposium statt, bei dem führende Forscher aus Lateinamerika, Österreich, Deutschland und der Schweiz zusammentreffen. Fragen des Verstädterungsprozesses im höchsturbanisierten Kulturraum der Erde, Fragen der ländlichen Regionalentwicklung sowie zukunftsgerichtete interdisziplinäre Kooperationen stehen dabei im Mittelpunkt.
Mit dem Symposium wird zugleich die Lateinamerikaforschung
am Institut für Stadt- und Regionalforschung der ÖAW initiiert.
Die neue Forschungsrichtung eröffnet dem Institut einen wichtigen
Referenzraum zu den bisher auf Österreich und Europa bezogenen Arbeiten.
Das Institut will mit seiner Neuorientierung, für die das Symposium
Anregungen bieten soll, ein Zeichen setzen, daß in der UNO-Stadt
Wien Stadt- und Regionalforschung keine auf Österreich oder Europa
beschränkte Tätigkeit ist, sondern mit der Ausweitung auf Lateinamerika
europäische Erfahrungen für Lateinamerika und lateinamerikanische
Erfahrungen für Europa und Österreich fruchtbar gemacht werden
können.
Rückfragehinweis
Univ.-Prof. Dr. Axel Borsdorf
Institut für Stadt- und Regionalforschung der ÖAW
A-1010 Wien, Postgasse 7/4/2
Tel.: ++43-1-51581/520-532
e-mail: isr@oeaw.ac.at
Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Marianne Baumgart