(Univ.-Prof. Mag. Dr. Georg Grabherr,
Abteilung für Vegetationsökologie und Naturschutzforschung, Institut
für Pflanzenphysiologie der Universität Wien)
Das 5-jährige Forschungsprojekt "Hemerobie österreichischer
Waldökosysteme" verfolgte mehrere Ziele:
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Es soll die Frage beantwortet werden: "Wie natürlich
ist der österreichische Wald?"
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Es soll ein standardisiertes Bewertungsverfahren für
"Natürlichkeit" bzw. "Hemerobie" (def. Intensität der Nutzungskultur)
entwickelt und geprüft werden.
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Mit dem Projekt soll auch dokumentiert werden, was heute
unter Naturschutzforschung zu verstehen ist, d.h. normierende Forschung
zur Entwicklung von Bewertungsverfahren.
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Die Hemerobiebewertung soll für Forstpolitik, Forstpraxis
und Naturschutz einen sauberen und nachvollziehbaren Faktenkatalog liefern.
Ein standardisierter Datensatz soll objektive Aussagen zur Seltenheit von
Baumarten und Waldtypen liefern. Damit sollen vor allem der naturnahe Waldbau
gestärkt und Naturschutzaktionen vom Schrottschußprinzip wegkommen.
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Hemerobiebewertung soll zum alltäglichen Instrument
von Forst- und Naturschutzpraxis werden.
Seit der ersten Vorstellung des Endresultates dieses Projektes
an der Forstlichen Bundesversuchsanstalt läßt sich eindeutig
festhalten, daß die genannten Ziele erreicht wurden bzw. erreicht
werden können:
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Die vorgelegten Ergebnisse werden akzeptiert und nicht in
Zweifel gezogen. Allerdings wurde aus Expertenkreisen immer wieder die
Forderung laut, eine ausführliche Darstellung zu bekommen. Diese wird
mit dem großen Bericht, der heute vorgelegt wird, geliefert.
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Mehrere Nachfolgeprojekte wurden bereits initiiert bzw. durchgeführt.
Hier ist vor allem die Hemerobiestudie des Landes Südtirol zu nennen.
Die Beratung in Südtirol erfolgte durch die Projektmanager unseres
Projektes. Mag. Kirchmeir arbeitet in einem privaten Ökobüro
in Klagenfurt. Für den harten Markt der ökologischen Beratung
und Expertise sind spezifische Fachkenntnisse wie die Hemrobiemethodik
ein Nischenprodukt, das genutzt werden kann.
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Das Hemerobiekonzept soll auch in die Anpassung der Holzzertifizierung,
wie sie derzeit diskutiert wird, einfließen. Hemerobie hat bereits
bei der österreichischen Waldinventur Eingang gefunden und soll standardmäßig
neben der Messung des Holzzuwachses mitberücksichtigt werden. Veränderungen
im Natürlichkeitsgrad des österreichischen Waldes werden somit
in Zukunft objektiv nachweisbar sein. Damit wurde und wird der erwartete
Effekt, daß mit Naturschutzforschung generelle Bewertungsverfahren
entwickelt werden sollen, ebenfalls erreicht.
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Forstpolitisch hat die Hemerobiestudie das Bekenntnis zum
naturnahen Waldbau in Österreich zweifellos gestützt. Dem Vordringen
landwirtschaftlicher Konzepte (z.B. Plantagenwirtschaft, Energieholzplantagen
in Form von "Maiskulturen") in die forstfachliche Entwicklung kann durch
die Studie besser gegengehalten werden. Naturschutzpolitisch ist vor allem
anzumerken, daß Brücken zwischen Naturschutz und Forstwirtschaft
geschlagen wurden.
Das Hemerobieprojekt hat Folgestudien ausgelöst. So
soll etwa im Auftrag vom Verband der Land- und Forstwirtschaftsbetriebe
gemeinsam mit dem WWF-Österreich ein Grünbuch erstellt werden,
das es Forstpraktikern erlaubt, mögliche Auswirkungen des Klimawandels
auf den Wald vor Ort beurteilen zu können.
© Österreichische Akademie der Wissenschaften
WWW-Redaktion
Letzte Änderung: 19.01.1999 13:33