Seit mehr als einhundert Jahren findet mit etwa fünfjährigem
Abstand in jeweils einem anderen Gastland der Internationale Kongreß
für Christliche Archäologie statt. Auf dem letzten Kongreß
1994 in Split wurde Österreich von allen anwesenden Nationen als Tagungsort
des diesjährigen 14. Kongresses gewählt.
An dieser fachübergreifenden Tagung nehmen 500 Wissenschaftler aus 40 Nationen teil, wobei alle an der Spätantike und dem frühen Christentum interessierte Disziplinen wie Archäologie, Byzantinistik, Geschichte, Judaistik, Kunstgeschichte, Numismatik, Philologie, Theologie etc. vertreten sind. Der fachübergreifenden Ausrichtung entspricht auch die Zusammensetzung des Präsidiums bzw. des Nationalkomitees. Die Organisatoren des Kongresses sind die Universität Wien (vertreten durch die Abteilung für Frühchristliche Archäologie am Institut für Klassische Archäologie in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kirchengeschichte, Christliche Archäologie und Kirchliche Kunst der Evangelisch-Theologischen Fakultät und anderen Instituten) und die Österreichische Akademie der Wissenschaften (vertreten durch die Forschungsstelle Archäologie) sowie das ständige Vorbereitungsgremium 'Comitato promotore' mit Sitz in Rom. Präsidentin des Nationalkomitees ist Univ. Prof. Dr. Renate Pillinger.
Die Christliche Archäologie widmet sich der Erforschung der materiellen Hinterlassenschaft frühchristlicher Kunst und Kultur und ihren Wechselwirkungen in der Auseinandersetzung mit der spätantiken nichtchristlichen Gesellschaft. Obwohl die Christliche Archäologie in Österreich eine noch relativ junge Disziplin ist, haben schon zu Beginn unseres Jahrhunderts österreichische Wissenschaftler die Erforschung der frühchristlich-spätantiken Epoche ganz entscheidend geprägt und das Profil dieses Zweigs der Altertumswissenschaften geschärft; so etwa Alois Riegl, der den Begriff der Spätantike überhaupt erst prägte oder auch Josef Strzygowski, der gegen die damals fast ausschließlich auf Rom und den Westen konzentrierte Sicht der frühchristlichen Zeit die Bedeutung Byzanz' und des Ostens herausstellte. Gerade aus den letzten beiden Jahrzehnten kann die österreichische Christliche Archäologie eine Reihe international anerkannter Ergebnisse vorweisen wie etwa die Erforschung hochinteressanter frühchristlicher Komplexe in Kärnten (etwa des Pilgerzentrums auf dem Hemmaberg oder der frühchristlichen Kirchen in Teurnia). So ist die Wahl Österreichs als Tagungsort auch als Auszeichnung und Anerkennung dieser Situation zu verstehen. Die Einladung zum Kongreß nach Wien unter dem gewählten Generalthema trägt einem besonderen historischen Bewußtsein Rechnung: Die Unterschiedlichkeit der historischen und kulturellen Entwicklung zwischen dem schon dem Untergang geweihten Westreich mit dem alten Zentrum Rom und dem neugegründeten Konstantinopel als Hauptstadt des aufblühenden Ostreiches führte seit der Spätantike zur sukzessiven Trennung von Orient und Okzident. In beinahe bedrückender Aktualität brechen in den Ländern des Balkans heute die ethnischen, religiösen und politischen Konflikte auf, deren Ursprung sich in vielfacher Hinsicht auf die spätantike Situation zwischen beiden Reichshälften zurückführen lassen. "Frühes Christentum zwischen Rom und Konstantinopel" in Wien zum Thema zu wählen hat somit nicht nur eine geographische, sondern umsomehr eine geopolitische Dimension. Daher war es den Organisatoren des 14. Internationalen Kongresses für Christliche Archäologie ein besonderes Anliegen, neben der selbstverständlichen Interdiziplinarität die geopolitische Lage Österreichs zu nutzen, auch einer möglichst großen Gruppe von Forschern aus Ländern des ehemaligen Ostblocks die Teilnahme in Wien und die Präsentation ihrer im Westen oft zu wenig bekannten Monumente und Forschungen zu ermöglichen. In diesem Sinne ist auch das Generalthema des Kongresses der Beziehung der beiden Hauptstädte des römischen Reiches zueinander gewidmet, wobei archäologische Evidenzen wie gleichermaßen kulturelle Manifestationen dieser Wechselbeziehungen im östlichen und westlichen Mittelmeerraum gemeint sind.
Daher freuen sich die Organisatoren des Kongresses, die Teilnehmer über dreieinhalb Tage hinweg zu einem sehr dichten Programm aus 10 längeren Plenumsvorträgen (vormittags), Kurzvorträgen in 5 Sektionen (nachmittags) sowie einer ständigen Ausstellung von 60 Postern einladen zu können. Inhaltlich werden dabei unter dem genannten Generalthema die Schwerpunkte Architektur, Malerei, Mosaik, Skulptur, Kleinkunst, Topographie, Quellen, Forschungsgeschichte, Epigraphik sowie Österreich bzw. der Alpenraum verfolgt, zudem widmen sich weitere Sektionen der Geschichte, Kulturgeschichte und Kirchengeschichte sowie schließlich den Novitates.
Drei Exkursionen ergänzen das Vortragsprogramm: neben einer eintägigen Exkursion nach Carnuntum führen insbesondere die beiden mehrtägigen in Österreich bzw. nach Ephesos/Türkei zu Forschungsstätten österreichischer Christlicher Archäologen.
Schließlich runden drei Sonderausstellungen das Programm des Kongresses ab.
Nähere Auskünfte im Kongreßsekretariat unter Tel.: ++43-1-4277
406 01.