ÖAW-Tagung „Kommunikationsverlust im Informationszeitalter“

Vorwort:

Die Informationsgesellschaft stellt mit ihren neuen Angeboten neue Anforderungen. Der Umgang mit Sprache, Texten und Zeichen gewinnt immer größere Bedeutung. Die Bewältigung des Alltags mit seinen ernsten und weniger ernsten Nachrichten, die Bewährung auf dem Arbeitsmarkt und nicht zuletzt die Wahrnehmung der demokratischen Rechte und Pflichten der Bürgerinnen und Bürger hängen daran.
Die Zahl jener Menschen, die mit dieser sprachlichen Herausforderung nicht zu Rande kommen, die ihr schulisches Wissen nicht anzuwenden gelernt haben, wird größer. Ein besonderes, aber ebenfalls größer werdendes Problem bieten sprachliche Minderheiten, die weder in ihrer Muttersprache noch in der Zweitsprache über ausreichende Ausdrucks- und Aufnahmefähigkeit verfügen. Insgesamt: Die Zahl der „funktionalen“ oder „sekundären“ Analphabeten steigt. „40% des enfants ne savent pas lire“ hat eine verbreitete französische Zeitschrift vor kurzem auf ihrem Titelblatt verkündet.
Für die Österreichische Akademie der Wissenschaften ist der EU-Vorsitz unseres Landes Anlaß, auf diese auch sozial folgenreiche Entwicklung hinzuweisen. Ihre Bewältigung ist eine Bewährungsprobe für Europas Bildungsinstitutionen.
Im Rahmen einer international beschickten Tagung sollen Grundsätze für einen Aktionsplan erarbeitet werden, der Europas Staaten befähigt, dem „Kommunikationsverlust im Informationszeitalter“ entgegenzuwirken.
 

Werner Welzig
Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Wien, im Juli 1998
 
 
 
 
 
 


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Letzte Änderung: 02.09.1998 18:07