TAG DER OFFENEN TÜR


 

Konrad Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung
der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW)

Sonntag, 26. Oktober 1997, ab 10.00 Uhr
A-1160 Wien, Savoyenstraße 1A

 

Einrichtungen des Instituts, Tiere, Demonstrationen zur wissenschaftlichen Arbeit

 

Zur Geschichte des Instituts: Otto Koenig, ein Fotograf, der von der vergleichenden Verhaltensforschung in der Art von Konrad Lorenz begeistert war, gründete 1945 in alten Baracken mit seiner Frau Lilli die "Biologische Station Wilhelminenberg". Der hohe Bekanntheitsgrad des "Wilhelminenberges" rührte daher, daß Otto Koenig seit den Anfängen des Österreichischen Fernsehens 1956 Tiersendungen gestaltet und damit der am längsten tätige Moderator derartiger Sendungen im deutschsprachigen Raum war. Funktion und Evolution des Verhaltens von Mensch und Tier war der Arbeitsschwerpunkt. Die Verhaltensrepertoires verschiedener Tierarten wurden sehr genau beschrieben und viel wurde für die Naturschutzarbeit getan. 1967 wurde das Institut in die ÖAW eingegliedert und der Name in "Institut für Vergleichende Verhaltensforschung" geändert. Nach dem Tod des Nobelpreisträgers Konrad Lorenz im Jahr 1989 wurde das Institut in Konrad Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung umbenannt.

 

Arbeitsgebiete: In der Forschungsarbeit des KLIVV geht es in erster Linie darum, den Anpassungswert von Verhaltensweisen zu verstehen und zu prüfen, in welchem Umfang Verhalten evolutionstheoretisch erklärt werden kann. Die entsprechenden Themenschwerpunkte in der Arbeit des Instituts sind Arbeiten zur Kooperation, vor allem in komplexen Sozialsystemen, zur Brutpflege, sexuellen Selektion und zur Wirkung von morphologischen und physiologischen Einschränkungen. Auch der wissenschaftliche Naturschutz hat am Institut eine lange Tradition.

Geschlechtliche Fortpflanzung und Brutpflege sind Themen mit vielen Facetten, zu denen zählt, daß höheres Sozialverhalten ausschließlich in diesen zwei Funktionskreisen entsteht. Ein sehr wichtiger Gesichtspunkt bei Tieren mit ausgeprägtem Sozialverhalten ist, wie Kooperationen entstehen und aufrecht erhalten werden. Fische sind wegen ihrer komplexen Sozialsysteme hervorragend geeignete Forschungsobjekte. Die sexuelle Selektion ist ein besonders aktuelles Thema. Sie wird üblicherweise der natürlichen Selektion gegenübergestellt. Für sie sind alle Eigenschaften eines Individuums relevant, durch die Vorteile gegenüber anderen Individuen desselben Geschlechts allein im Hinblick auf die Fortpflanzung zustande kommen. Die Konkurrenz innerhalb der Geschlechter ist selbst noch auf der Ebene der Spermien für das Verhalten ausschlaggebend. Neue Theorien und die rasante Entwicklung molekularbiologischer Methoden haben in den letzten Jahren weltweit und am KLIVV verstärkte Forschungsaktivität ausgelöst. Entscheidende Komponenten des relevanten Verhaltens sind Wahl des Partners durch die Weibchen und Sicherung der Vaterschaft.

Außerhalb des Fortpflanzungs- und komplexen Sozialverhaltens werden besonders die Randbedingungen untersucht, unter denen Verhalten ökonomisch optimiert werden muß. Zum Beispiel wurde untersucht, wie tauchende Tiere neben ihrer Energiebilanz auch noch ihre Sauerstoffreserven berücksichtigen, wie Sinnesleistungen und Morphologie das Verhalten einschränken und wie Tiere an lebenswichtige Informationen herankommen und diese verarbeiten.

Am KLIVV werden moderne Methoden der Datenanalyse, Energetik (Kalorimetrie, Respirometrie), der Molekulargenetik (Verwandtschaftsanalysen) und der Fortpflanzungsbiologie (Spermienanalysen) eingesetzt. Charakteristisch für die Arbeiten ist die Kombination von intensiver Freilandarbeit mit Untersuchungen im Labor. Für letztere ist das Institut mit seinen Aquarienanlagen, Experimentierräumen und Labors hervorragend eingerichtet

 

Nähere Informationen:
Prof. Dr. Hans Winkler
Konrad Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der ÖAW
A-1160 Wien, Savoyenstrasse 1A
Tel: +43 1 486 21 21 Fax: +43 1 486 21 21-28